Marktnische

Mit einem absoluten Nischenprodukt zum Erfolg

Michael Ammich
am Montag, 20.04.2020 - 08:26

Martin Grob setzt auf Wasserbüffel.

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Wörleschwang/Lks. Augsburg : Auf der Jahresversammlung des schwäbischen Bezirksverbands der Bayerischen Jungbauernschaft in Wörleschwang schilderte Martin Grob aus Allmannshofen seinen Weg vom weichenden Erben zum Vollerwerbslandwirt mit einer Herde von 62 Wasserbüffeln. Was er dabei nicht verschweigt: Erst die Prämien aus dem KULAP und Vertragsnaturschutzprogramm machen die Büffelhaltung auf den extensiven Naturschutz- und Landschaftspflegeflächen wirtschaftlich.

Als weichender Erbe neu angefangen

Martin Grob und seine Frau Martina stammen jeweils aus landwirtschaftlichen Betrieben, die sie als weichende Erben nicht übernehmen konnten. Für den heute 32-jährigen studierten Landwirt war das jedoch kein Grund, auf einen eigenen Betrieb zu verzichten. Diesen musste er sich allerdings auf Umwegen erst einmal erarbeiten. Nach dem Studium war er im Marketingbereich bei Deutz-Fahr und Lely tätig, später als Betriebsleiter des Landguts Chursdorf im mittelsächsischen Penig. Dort entdeckte er seine Liebe zu den Wasserbüffeln. „Das sind zutrauliche, friedliche und sehr personengebundene, allerdings auch sture und eigenwillige Tiere“, erklärte Grob.

Der weltweite Wasserbüffelbestand wird auf rund 180 Mio. Stück geschätzt, davon stehen 400 000 in Südeuropa und lediglich 4000 in Deutschland. Die extensive Robustrasse verfügt über breite und harte Klauen, was sie besonders für die Landschaftspflege geeignet macht. Wasserbüffel sind sehr genügsam und aufgrund ihrer dicken Fettschicht gut gegen kalte Temperaturen gewappnet. So können die Tiere imgrunde das gesamte Jahr über auf den Weiden grasen. Darüber hinaus zeichnet sie ihre gute Futterverwertung aus. Anders als das europäische Hausrind können Wasserbüffel auch verholzte Gräser gut verdauen.

Von Null an hochgezogen

Ihren eigenen Betrieb haben Martina und Martin Grob von Null an hochgezogen. Begonnen hatten die beiden im Oktober 2014 im Nebenerwerb mit einer Nutzfläche von gerade einmal fünf Hektar. Davon entfielen 3,5 ha auf Weiden und 1,5 ha auf Mähwiesen. Als erste Tiere kamen fünf junge Wasserbüffel und ein Bulle auf den Betrieb. Der erste Weideauftrieb erfolgte im März 2015 – für den Junglandwirt ein „wunderbarer Augenblick“.

Und dann ging es an das Sammeln von Erfahrungen. „Ich musste mich selber durchboxen und habe mich mit anderen Wasserbüffelhaltern ausgetauscht“, sagte Grob. Er konzentrierte auf das Produzieren von Herdennachwuchs, auf den Zuwachs an Flächen und kaufte gelegentlich Büffel dazu. Heute stehen auf dem Betrieb Grob 62 Wasserbüffel: 19 Muttertiere, drei Deckbullen, 13 Stück Jungvieh, 26 Bullen und ein Kalb. „Unsere Herde wächst.“ Auch die betriebliche Nutzfläche hat sich auf 50 ha erweitert: 20 ha Weide, 20 ha Wiesen und 10 ha Mähweide.

Inoffizieller Ökobetrieb

„Offiziell sind wir ein konventioneller, inoffiziell aber ein freiwillig ökologischer Betrieb“, erklärte Grob. „Wir erfüllen 99% der Öko-Vorgaben.“ Seine Wasserbüffel weiden vor allem auf Naturschutz- und Landschaftspflegeflächen. Als Schattenspender dienen ihnen Bäume, Hecken und Unterstände. Abkühlung finden sie in Suhlen, Tümpeln und Schlammlöchern. Die Büffel benötigen faserreiches Futter und viel Mineralien, die ihnen über Lecksteine zugeführt werden.

Nahezu ein Selbstläufer ist die Vermarktung des Büffelfleisches und der Büffelwurst. Zwar könnte Grob die Muttertiere für die Milch- und Käseproduktion auich melken, aber „das wäre wirtschaftlich nicht darstellbar“. Gut vermarkten lassen sich neben dem Fleisch die Felle, Häute und Hörner seiner Tiere.

Das Fleisch der Wasserbüffel ist dunkler als das Fleisch des Hausrindes und schmeckt nach Wild. Die Fleischstücke sind äußerlich von einer Fettschicht umgeben und deshalb nicht marmoriert. Seit drei Jahren vermarktet Grob seine Produkte direkt ab Hof, zuweilen beliefert er auch Streetfood-Märkte, auf denen er die weniger edlen Teile absetzen kann. Zu 95% gehen die Fleisch- und Wursterzeugnisse an Endkunden, den Rest nehmen ein Restaurant und eine Metzgerei ab. Die Kunden können ihre Ware entweder in Fünf-Kilo-Paketen oder nach Wunsch auch in Einzelstücken bestellen. Büffelwurst hält Grob in Dosen bereit, dazu Bratwürste, Kochsalami und Rohpolnische. Aufrund des geringen Fettgehalts des Büffelfleisches ist das Wurstmachen keine einfache Angelegenheit, wie Grob bekennt.

Jährlich schachtet der Allmannshofener 12 bis 15 Tiere ausschließlich auf Vorbestellung. Die Produkte werden von seine Kunden auf dem Hof abgeholt. Ein Selbstbedienungshofladen mit Vertrauenskasse ist im Bau. „Die Nachfrage ist vorhanden.“

Durch die komplette Direktvermarktung der Produkte erzielt Grob eine hundertprozentige Wertschöpfung aus seinen Büffeln. 100 € verlangt er für das Fünf-Kilo-Paket Büffelfleisch und damit etwa denselben Preis, den der Verbnaucher für Biorindfleisch bezahlt. Seine Kunden stammen aus dem Kreis Augsburg und den angrenzenden Landkreisen. Geschlachtet wird bei einem Metzger in der Umgebung.