Landschaftspflegeverbandes Oberallgäu-Kempten

Abberufung: Da rumort es gewaltig

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Susanne Lorenz-Munkler
am Mittwoch, 29.07.2020 - 08:37

Stefan Pscherer, der Geschäfstführer des Landschaftspflegeverbandes Oberallgäu-Kempten, soll abberufen werden. Dagegen gibt es viel Widerstand, auch aus den Reihen der Landwirtschaft.

Der langjährige Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Oberallgäu Kempten, e.V. wird zum 1. August zum Landesamt für Umwelt abberufen. Grund für die Versetzung des Beamten ist ein Schreiben des ehemaligen Oberallgäuer Landrats Anton Klotz. Indes: Pscherer war neben seiner Funktion als Geschäftsführer des LPV viele Jahre auch für den Zweckverband Erholungsgebiete Kempten und Oberallgäu verantwortlich und erfreut sich vor allem in der Bauernschaft des Oberallgäus großer Beliebtheit.

Naturschutz arbeitet mit der Landwirtschaft

Gegen die Abberufung Pscherers formiert sich in der Region ausgesprochen breiter Widerstand. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung lobten zahlreiche Bürgermeister ausdrücklich das Engagement Pscherers, der es geschafft habe, Naturschutz und Landwirtschaft harmonisch zu verbinden. Sein engagiertes Ziel sei immer die Schaffung eines flächendeckenden Netzes natürlicher und naturnaher Lebensräume gewesen.

Vorstandschaft nicht einbezogen

Bei der jüngsten Mitgliederversammlung ging es aber vor allem um Formalien. Denn, so der Vorsitzende des Verbands, Alexander Streicher, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Weitnau: „Für die Bestellung und Abberufung des Geschäftsführers ist satzungsgemäß die Vorstandschaft des Landschaftspflegeverbandes Oberallgäu-Kempten zuständig. Die Abberufung erfolgte ohne Einbeziehung der Vorstandschaft“, monierte er.

Herr Pscherer habe in den elf Jahren beim LPV nachweisbar hervorragende Arbeit geleistet und ein funktionierendes Netzwerk aufgebaut. Zahlreiche Projekte seien unter seiner Federführung verwirklicht und insgesamt 3,6 Mio. € Zuschussmittel in den Landkreis und die Stadt Kempten geholt worden. Der größte Teil komme unmittelbar den Landwirten zugute, die im Wesentlichen die praktische Arbeit der Landschaftspflege durchführen.

Formaler Beschlussgegen die Abberufung

Der Vorstand des Verbands hat deshalb der Abberufung Pscherers in einem formalen Beschluss widersprochen und sich mit einer breiten, parteiübergreifenden Allianz in einem Brief an den bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber gewandt.

Unterzeichnet haben dieses Schreiben unter anderem der Oberallgäuer Altlandrat Gebhard Kaiser, die Oberallgäuer Kreisbäuerin Monika Mayer, der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, Franz Hage sowie die Landtagsabgeordneten Eric Beißwenger und Dr. Leopold Herz, Manfred Werne (Kreisjagdverband Kempten) und Alfons Zeller (Staatssekretär a.D. und Präsident der bayerischen Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen. Auch die CSU-Fraktion im Oberallgäuer Kreistag hat inzwischen beantragt, Pscherer als Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands wiedereinzusetzen.

Starke Rückendeckung bekam Pscherer in der Versammlung auch von den zahlreich anwesenden Bürgermeistern, die unisono die gute Zusammenarbeit mit Pscherer und seinen beiden Mitarbeiterinnen Leonie Schäfer und Kathrin Schratt lobten. Wiederholt betonte der Verbandsvorsitzende Alexander Streicher, dass für die Bestellung oder Abberufung des Geschäftsführers satzungsgemäß die Vorstandschaft des LPV zuständig sei.

Beamte müssten mit Versetzung rechnen

Vize-Landrat Roman Haugg, der in Vertretung von Landrätin Indra Baier-Müller gekommen war, erklärte, dass Pscherer als Beamter versetzt worden sei – und nicht als Geschäftsführer. „Was jedem Beamten zu jeder Tages- und Nachtzeit passieren kann“, wie Haugg hinzufügte. An Pscherers Funktion als Geschäftsführer werde gar nicht gerüttelt. Wie Pscherer allerdings, der von zwei Biologinnen und einer Verwaltungskraft unterstützt wird, von Augsburg aus arbeiten könne, müsse er selbst sehen.

Bad Hindelangs Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel betonte: „Wenn Pscherer Geschäftsführer bleiben möchte, unterstützen wir ihn dabei. Wenn nicht, dann müssen wir uns einen neuen Geschäftsführer suchen“. Der amtierende LPV-Vorsitzende Alexander Streicher erwiderte, dass Pscherer natürlich seinen Beamten-Status nicht verlieren möchte und der Verband sich ein Gehalt in der Größenordnung nicht leisten könne.

Stefan Pscherer äußerte sich während der Diskussion um seine Person selbst nur äußerst knapp. Mit drei Gegenstimmen entschied sich die Versammlung jedenfalls für folgenden Beschlussvorschlag: „Die Mitgliederversammlung lehnt die Entbindung des Geschäftsführers Stefan Pscherer von seinen Aufgaben beim Landschaftspflegeverbands Oberallgäu-Kempten e.V. ab. Die Entscheidung widerspricht sowohl der Satzung des Landschaftspflegeverbandes Oberallgäu-Kempten e.V. als auch allen bisher getroffenen Vereinbarungen mit dem Landkreis. Vorstand und Mitglieder des Landschaftspflegeverbandes Oberallgäu-Kempten e.V. sprechen dem Geschäftsführer ihr volles Vertrauen aus“.

Viele Regularien des Verbands konnten aufgrund der aktuellen Situation nicht abgeschlossen werden. So auch die Jahresrechnung. „Die Jahresrechnung können wir Ihnen nicht präsentieren, weil das Landratsamt gesagt hat, sie können die Rechnungsprüfung nicht mehr für uns durchführen“, informierte der Vorsitzende Streicher.

Landratsamt verweigert die Rechnungsprüfung

Die Rechnungsprüfung beim Landratsamt habe 200 bis 250 € gekostet, ein Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater würde um die 5.000 € kosten, Geld das der Landschaftspflege nicht mehr zur Verfügung stehe. Deshalb haben man zwei Rechnungsprüfer aus dem eigenen Kreis bestellt. Dr. Sabine Rödel, Erste Bürgermeisterin von Bad Hindelang, und Florian Schmid, Bürgermeister des Marktes Weitnau, übernehmen nun diese Aufgabe.

Als stellvertretender Vorsitzender des Verbands wurde Manfred Werne gewählt. Er ersetzt den zurückgetretenen Henning Werth. Die neue Mitarbeiterin des Verbands, Kathrin Schratt, stellte sich mit wenigen Worten vor. Sie sei seit 1. Juli beim LPV, habe in Tübingen Geoökologie studiert, ein Praktikum beim Landschaftserhaltungsverband in Baden-Württemberg gemacht, und schätze sich überglücklich, dass sie in ihrer Heimat arbeiten könne. „Die Arbeit macht uns Spaß, und sie geht uns auch nicht aus“, so Schratt.

Der Jahresbericht des Geschäftsführers zeigt 18 im vergangenen Jahr abgeschlossene Projekte auf, von der Renaturierung und Pflege von Streuwiesen bis hin zur Renaturierung von Mooren im gesamten Oberallgäu und der Stadt Kempten. Auch die geplanten Projekte führte Pscherer auf in der Versammlung auf. Wie es mit dem Landschaftspflegeverband weitergeht, steht im Moment allerdings noch in den Sternen.

Maßnahmen des Landschaftspflegeverband Oberallgäu - Kempten e. V.