Blauzunge

10 € fürs Kalb - Brandbrief aus dem Allgäu

Braunvieh
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Externer Autor
am Dienstag, 08.10.2019 - 10:10

Der Landtagsabgeordnete Leopold Herz fordert bei der Blauzungenkrankheit endlich zu handeln. Die Kälberpreise seien katastrophal.

Leopold Herz

Wertach/München - MdL Leopold Herz, Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag, hat sich in einem Brandbrief aufgrund der derzeit katastrophalen Situation in der Landwirtschaft an Ministerpräsident Söder, Landwirtschaftsministerin Kaniber, Umweltminister Glauber sowie Bundeslandwirtschaftministerin Klöckner und Bundesumweltministerin Schulze gewandt.

Neben Düngeverordnung und Tierschutz, Tierskandal und das Volksbegehren Artenschutz sei die bäuerliche Landwirtschaft vor allem auch durch die Blauzungenkrankheit belastet - vor allem im Allgäu. Die seit Mai 2019 verschärften Vorschriften für Landwirte in der Sperrzone, die Kälber aus dem Sperrgebiet in andere Bundesländer oder ins Ausland verkaufen möchten, seien für die Landwirte „in dieser Form nicht praktikabel und auch nicht mehr hinnehmbar“, macht Herz deutlich.

10 bis 29 € für ein Braunvieh-Kalb

Das Sonderabkommen mit den Niederlanden zur Verbringung von ungeimpften Kälbern genüge nicht. Zumal die Landwirte nur einen Bruchteil des gängigen Preises bekommen. Für ein weibliches Braunvieh-Kalb seien das zwischen 10 und 20 €! und für ein männliches Fleckvieh-Kalb bis zu 220 Euro! Das sei nur knapp die Hälfte des üblichen Preises! Spanien als wichtiger Absatzmarkt falle derzeit komplett weg. Andere Länder, wie beispielweise die Ukraine belieferten diesen jetzt und das sicherlich dann dauerhaft, mutmaßt Herz.

„Ärgerlich“ sei vor allem auch, dass die Beschränkung mindestens zwei Jahre aufrechterhalten werde, obwohl beispielsweise das Oberallgäu nie betroffen war. Für die bäuerlichen Familienbetriebe bedeute dies enorme Einbußen.

An vielen Höfen würden wegen der schlechten Preissituation viele zusätzliche Kälber aufgestallt. Es sei zu befürchten, dass die Stallkapazitäten im Winter nicht ausreichen. Damit werde ein neues Tierschutzproblem „geradezu provoziert“!

Herz berichtet von „täglich einige Anrufen von aufgebrachten Landwirten“, die völlig resignieren und der Meinung sind, dass die Politiker nicht handeln, sondern nur zuschauen und den landwirtschaftlichen Betrieben nicht helfen, sondern ausschließlich Steine in den Weg legen. Er, Herz, könne diese Ausweglosigkeit der Landwirte voll verstehen. „Wenn wir weiterhin so agieren wie bisher, machen wir uns schuldig, dass es zu weiterem Höfesterben in der bäuerlichen Landwirtschaft kommt“.

Seine Bemühungen zum Wohle der bäuerlichen Landwirtschaft seien bisher in München „nur auf taube Ohren gestoßen“, schreibt Herz und fordert deshalb, sich ernsthaft dem Thema Kälbertransport anzunehmen mit tragbaren, praxisgerechten und flexiblen Lösungen. Aus seiner Sicht ist es völlig kontraproduktiv in der jetzigen Krisensituation nun auf einmal „total überzogene Reformen“ anzuwenden (Tiertransporte: 8 Stunden Fahrt und anschließend 48 Stunden Unterbrechung), eine Praxis. die jahrelang unkommentiert hingenommen worden sei. Aus Sicht von Herz „sicherlich der falsche Weg“. Die Kälber sollten viel schneller an die Bestimmungsorte kommen.

Das bisherige Verhalten der Politik erwecke den Eindruck, dass man immer weiß, wie man etwas verhindert, schwieriger macht – aber nicht, wie man Vorschriften praktikabel umsetzt und Handlungsspielräume nutzt! Die Poltik dürfe hier nicht länger nur zusehen. Ansonsten würden „sehenden Auges“ Bauernproteste bzw. Boykottmaßnahmen provoziert.