Krisenmanagement

Zwischen Acker, Bullen und Corona

Markus Bauer
am Montag, 29.06.2020 - 09:05

Schwandorf: Landwirt Walter Drexler war fünf Wochen Mitglied des Krisenstabes

Drexler (5)

Der Katastrophenfall ist inzwischen beendet, Corona beziehungsweise Covid-19 wird uns aber noch länger begleiten. In ganz besonderer Weise zu tun hatte damit Landwirt Walter Drexler. Als Oberstabsfeldwebel der Reserve war er vom 11. Mai bis 16. Juni im Kreisverbindungskommando (KVK) mit Sitz am Landratsamt in Schwandorf tätig. Aufgabe des KVK ist – wie der Name bereits andeutet, die Verbindungen und Kontakte zwischen den militärischen und zivilen Einrichtungen und Behörden herzustellen und zu begleiten. Denn bei Katastrophenfällen werden auch aktive Soldaten zur Unterstützung herangezogen.

Erst in den Bullenstall, dann in die Uniform

Drexler_KVK

Walter Drexler ist überaus engagiert: Landwirt aus Leidenschaft, dazu Stadtrat in der früheren Kreisstadt Neunburg vorm Wald, Schöffe am Landgericht, Feldgeschworener und – da im Dorf Eixendorf zuhause – auch mit am Runden Tisch für die Algenproblematik am Eixendorfer Stausee. Ab 1978 leistete er den Wehrdienst – zwölf Jahre lang – und ist seit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst als Einsatzreservist beordert. Regelmäßige Übungen und Treffen legen davon Zeugnis ab, darunter auch zum Thema „Katastrophen“, wo Abläufe bei anzunehmenden Unglücksfällen einstudiert werden. Seit 2007 sind die KVKs aufgestellt und Landkreisen sowie kreisfreien Städten zugeordnet.

Den landwirtschaftlichen Betrieb – Schwerpunkte Ackerbau und Bullenmast sowie Urlaub auf dem Bauernhof – führt er zusammen mit seiner Frau, manchmal hilft auch der 88-jährige Vater noch mit. Als Mitte März der Katastrophenfall ausgerufen wurde, nahm sofort das KVK seine Arbeit auf, das heißt der Leiter des KVK nahm Verbindung zu den in Frage kommenden Männern auf. In Schwandorf waren dies schließlich fünf Reservisten, die in einem Raum im Keller des Landratsamtes ihren Dienst taten.
Doch Drexler hatte bei Dienstantritt im Amt schon eine einstündige Stallarbeit und 35 Kilometer Anfahrt hinter sich. Die 80 Bullen müssen gefüttert und manch andere Tiere versorgt werden. Nach der Rückkehr vom Katastropheneinsatz ging es zur Feldarbeit – Pflege, Düngung, Pflanzenschutz des Weizen, Raps und Mais – der war zum Glück schon in guter Entwicklung.

Große Aufgabenvielfalt und große Verantwortung

Arbeitstage von zwölf bis 14 Stunden waren keine Seltenheit. „Wir sind gut über die Zeit gekommen. Das regnerische kühle Wetter kam meiner Abwesenheit vom Betrieb entgegen. Es war insgesamt gut zu bewerkstelligen“, zieht der Eixendorfer eine positive Bilanz.
Im dienstlichen Einsatz waren der tägliche Austausch wichtiger Meldungen zur Corona-Pandemie und der tägliche Lagebericht ebenso zentrale Inhalte der Tätigkeit wie Besprechungen und Video-Konferenzen mit allen beteiligten Abteilungen des Landratsamtes Schwandorf.
Der enge Kontakt zu den abgestellten Oberviechtacher Soldaten des Panzergrenadier-Bataillons 122 war eine weitere Aufgabe. Da diese im Zentrallager für Schutzausstattung bei der Bundespolizei auf dem Schwandorfer Weinberg sowie im Nabburger Krankenhaus und im Schwandorfer Sepp-Simon-Stadion an Corona-Teststationen eingesetzt waren, gab es auch manchen „Außendienst“. Dazu kamen die Abstellung von Soldaten ins St. Barbara-Krankenhaus in Schwandorf und die Organisation der Kurierfahrten der Corona-Schnelltests zu den Laboren in Burglengenfeld und Erlangen.
Als positiv hat sich erwiesen, dass Drexler und seine KVK-Kollegen aus dem Landkreis sind und somit den Landrat und manch andere Entscheidungsträger kennen. Das war und ist in solchen Situationen wichtig, um schnell handeln zu können. „Der Einsatz ist gelungen, die Bundeswehr konnte sich gut darstellen. Es gab viel Lob von den zivilen Stellen“, freut sich Drexler. Die Durchhaltefähigkeit des Teams sei durchaus auf die Probe gestellt worden. Drexler ist aber auch überzeugt: „Als Landwirt ist man Durchhalten und Reagieren schließlich gewohnt, man weiß, was es heißt, Verantwortung zu tragen.“