Handel

Was zählt Regionalität?

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Dr. Anita Lehner-Hilmer
am Dienstag, 15.12.2020 - 08:08

Landwirtschaftsschüler diskutieren mit Vertretern von Edeka.

„Wir lieben Lebensmittel“ lautet der Slogan einer Werbung, die jeder kennt. Damit wirbt Edeka seit einiger Zeit. Sollte einem das „was man liebt“ nicht auch mehr wert sein, fragten sich die Studierenden des dritten Semesters der Landwirtschaftsschule Straubing. Woran liegt es, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte so niedrig sind, gleichzeitig die Landwirte aber mit immer neuen Forderungen konfrontiert werden. Fragen, die man am besten mit den Besitzern von Edeka-Märkten diskutiert.
Da in diesem Schulwinter Betriebsbesuche Corona bedingt schwierig sind, der Praxisbezug aber keinesfalls zu kurz kommen soll, wurden in einer losen Reihe Praktiker in die Schule eingeladen. Den Anfang machten Hans Jürgen Honner und Stephan Stadler, die gemeinsam insgesamt neun Edeka-Märkte in Ober- und Niederbayer betreiben. Allein drei ihrer Märkte, die die beiden Cousins von Ruhmannsfelden aus leiten, befinden sich in Straubing.

Die Preise macht am Ende doch immer der Kunde

Regional, lokal… oder doch nur billig? Was will der Kunde? In knapp zwei Stunden wurden viele Aspekte engagiert zwischen Studierenden und Unternehmern diskutiert. Nach Honner sind allein die Begriffe „lokal“ und „regional“ schon schwierig zu definieren. Regional ist aus seiner Sicht ganz Bayern, lokal „alles rund um den Kirchturm“. Der Kunde erwarte beste Qualität, tiergerecht und umweltfreundlich produziert. Gleichzeitig sei der Preis aber ein wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung. Als Beispiel nannte der Lebensmittelkaufmann das Strohschwein. Die tiergerechte Haltung fände bei den Kunden große Zustimmung, gekauft werde das etwas teurere Fleisch aber vor allem dann, wenn es im Angebot sei.
„Die Preise macht der Kunde, er kauft dort, wo es am günstigsten ist“, machte Stadler deutlich. Ein Dilemma, in dem sich nicht nur der Lebensmitteleinzelhandel befinde. Den so entstehenden Preisdruck spürten dann natürlich auch die Landwirte als Lebensmittelproduzenten.

Erwünscht: „Geschichten und Emotionen“

Allerdings sind die beiden Marktleiter überzeugt, dass der Lebensmitteleinzelhandel durchaus seine Chancen und Möglichkeiten habe. Der Kunde erwarte, dass ihm „Geschichten und Emotionen“ verkauft werden. Firmen, die es geschafft haben, ein entsprechendes Image aufzubauen, könnten für ihre Produkte auch höhere Preise am Markt durchsetzen. Bestes Beispiel sei „Berchtesgadener Milch“, bei der der Preis für den Kunden zweitrangig sei.
Edeka hat in seinem Sortiment aber keineswegs nur die großen und bekannten Marken. Zur Philosophie der beiden Marktbetreiber gehört es auch, dass sie mit Produzenten aus der Region direkt zusammenarbeiten. Neben Saisonware wie Spargel und Erdbeeren, die aus der Umgebung kommen, können auch Eier, Nudeln oder Milch von Produzenten aus der Region bei ihnen gekauft werden. Lokale Produkte fänden ihre Kunden, auch wenn es manchmal nur eine Nische sei. Ihr Wunsch wäre allerdings, dass sich die Landwirte untereinander besser vernetzen und solche „Nischenprodukte“ gemeinsam vermarkten würden. Die Logistik würde sich dann für beide Seiten vereinfachen. LH
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