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Chancenam Markt

Wertschöpfungskette für Bio-Schälkartoffeln vorgestellt

In den Verarbeitungsräumen von Landwirt Albin Zirngibl: (V. l.) Landwirt Johannes Heitzer, Metzger Max Brunner, Landrätin Tanja Schweiger, Landwirt Albin Zirngibl und Matthias Bossle vom Johanniter Menüservice Regensburg.
Markus Bauer
am Mittwoch, 07.12.2022 - 10:08

Seit Schuljahresbeginn setzt der Cateringservice „Brunner’s kidsmenü“ und seit kurzem der Johanniter Menüservice Regensburg Bio-Kartoffeln des Landwirts Johannes Heitzer ein, die Landwirt Albin Zirngibl bearbeitet.

Knollen voller Kraft: Biokartoffeln in der Gemeinschaftsverpflegung wären für die Erzeuger eine interessante Einkommensmöglichkeit.

Es ist ein weiterer, wichtiger Schritt, auch wenn noch viel zu tun ist. Das lässt sich – zwischen den Zeilen beziehungsweise Äußerungen – zur regionalen „Wertschöpfungskette Bio-Schälkartoffeln aus dem Regensburger Land (WSK)“ sagen, die am jetzt auf den daran beteiligten Landwirtschaftsbetrieben vorgestellt wurde. Seit Schuljahresbeginn setzt der Cateringservice „Brunner’s kidsmenü“ und seit kurzem der Johanniter Menüservice Regensburg Bio-Kartoffeln des Landwirts Johannes Heitzer ein, die Landwirt Albin Zirngibl bearbeitet.

Von der Vermehrung in den Bioanbau

Vor fünf Jahren hat Landwirt Heitzer seinen Betrieb auf Öko umgestellt. Bei den Kartoffeln hat er in den ersten beiden Jahren nur Vermehrung gemacht.

In den letzten drei Jahren erfolgte der gesamte Kartoffelanbau dann auf Ökobasis. „Es funktioniert“, lautet seine Zwischenbilanz, auch was die anderen Früchte (unter anderem Weizen, Mais, Dinkel, Soja) betrifft. Bei den Bio-Kartoffeln sind es zehn Sorten, die Heitzer anbaut und bisher größtenteils über die Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern verwertet, zum Teil auch über den eigenen Hofladen.

Bei einem Gespräch zwischen Landrätin Tanja Schweiger und Metzger Max Brunner aus Lappersdorf, der im Party- und Cateringservice aktiv ist, ging es auch um die Einbeziehung von Öko-Produkten etwa bei Brunners Angeboten – und die nötigen Mengen.

Aus Gedankenspielen wurden schnell Kontakte

Diese Gedankenspiele landeten beim Team der Öko-Modellregion, das Anfang des Jahres die Initiative ergriff. „In kürzester Zeit haben wir die Kontakte hergestellt“, blickte Öko-Modellregion-Manager Julius Kuschel zurück. Mit Landwirt Heitzer und dem nur wenige Kilometer entfernten Schälbetrieb von Landwirt Albin Zirngibl waren ein Erzeuger und ein Verarbeiter gefunden. Als Start wurde der Schuljahresbeginn 2022 festgelegt. „Selber schälen ist nicht machbar“, erklärte Johannes Heitzer. Das Sortieren der Kartoffeln erfolgt aber auf seinem Betrieb. Für ihn galt es nun, passende Sorten – vor allem bezüglich des Schälens – zu finden. Letztlich kristallisierten sich – bei einem Kartoffelvergleichsessen - aus den insgesamt zehn von Heitzer angebauten Sorten die „Anuschka“ und „Belinda“ (festkochend) heraus – die übrigens auch in Sachen Schälen gut passen.

Der Kartoffelanbauer und -verarbeiter waren also gefunden, es fehlte das dritte Glied in der (Wertschöpfungs)Kette, die Abnehmer. Metzger Max Brunner machte den Anfang und erklärte sich bereit, ab Oktober mit seinem Cateringservice „Brunner’s kidsmenü“ für 2022/23 etwa 15 Tonnen Kartoffeln im Jahr einzusetzen.

Am Anfang standen 15 t Kartoffeln jährlich

„Ich bin mit der Qualität der regionalen Bio-Schälkartoffeln und dem gesamten Ablauf der Beschaffung sehr zufrieden. Somit liefern wir unseren Beitrag, die Außer-Haus-Verpflegung nachhaltiger zu gestalten“, stellte der Unternehmer fest.

Kurz vor dem Präsentationstermin ist auch der Johanniter Menüservice Regensburg als wichtiger Abnehmer der bio-regionalen Kartoffeln eingestiegen. „Es muss ja jemand damit anfangen“, meinten die zwei Johanniter Michael Oberhofer (Sachgebietsleiter Menüservice) und Matthias Bossle (Koordinator), in deren Zuständigkeitsbereich sich rund 25 Kindertagesstätten und Schulküchen befinden. Damit war und ist eine Planungssicherheit für den Erzeuger und Verarbeiter gegeben.

In einem weiteren Schritt wurden die jeweiligen Mengen und die weiteren Aspekte (Logistik etc.) festgelegt. „Es ist ein großer, gordischer Knoten geplatzt. Wir sind froh, starke Partner zu haben“, fasste Julius Kuschel zusammen.

In Küchen von öffentlichen Einrichtungen sind heute küchenfertige Produkte nötig, die Vorverarbeitung muss also bereits geschehen sein. Hier kam also der Schälbetrieb von Albin Zirngibl ins Spiel, der Erfahrungen im Schälen von Ökokartoffeln vorweisen konnte und die Anfrage der Öko-Modellregion annahm. Er verwies aber auch darauf, dass immer noch 90 Prozent der bei ihm verarbeiteten Kartoffeln aus konventioneller Produktion kämen, „aktuell eine Kiste mit einer Tonne, das Ziel ist ein Anhänger voll“, wünscht sich Zirngibl.

Logistik ist ein sehr wichtiger Faktor

Neben ihm und zwei Familienmitgliedern arbeiten drei Frauen bei der Kartoffelverarbeitung. An drei Tagen in der Woche wird vormittags geschält, an den jeweils folgenden drei Tagen dann ausgeliefert. Über Nacht befinden sich die geschälten Kartoffeln bzw. bearbeiteten Teile im Wasser im Kühlhaus, weshalb sie erst am Tag darauf ausgeliefert werden. Ein Faktor für Zirngibl ist die Logistik. Die Wege hin zu den Abnehmern sollten für ihn auch wirtschaftlich sein. Daher ist eine Ausweitung von Abnehmern immer auch ein Logistik-Problem, das gelöst werden muss. Julius Kuschel sagte Unterstützung in diesen Fragen zu.

„Ein Kartoffelerzeuger aus dem Landkreis und ein Verarbeiter in der Nachbargemeinde – das ist optimal. Es ist ein erster großer Schritt, aber es reicht noch nicht. Weitere Landwirte, am besten aus dem gesamten Landkreis, sind herzlich willkommen, gerne auch andere Gemüsesorten. Und weitere Abnehmer“, freute sich Landrätin Tanja Schweiger, verwies zugleich aber auf die noch anstehenden Anstrengungen, um das vorgegebene Ziel von 30 Prozent Ökoanteil zu erreichen.

Ökomodellregion als „gute Zwischenstation“

Metzger Brunner sieht die Öko-Modellregion als „gute Zwischenstation“, wichtig wären aber – Stichwort „Menge“ – mehr Lieferanten. Und die aktuellen Preissteigerungen in allen Bereichen würden, so Brunner, die Bio-Schiene bremsen. Für Landwirte wiederum ist häufig die Lagerung über einen längeren Zeitraum – speziell bei Kartoffeln – schwierig.

„Es wäre noch mehr möglich“, bilanziert Zirngibl. Auf ca. acht Prozent schätzt Heitzer den Anteil für diesen Bereich aus seinem Gesamtkartoffelbestand. Es sei also noch „Luft nach oben“.