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Förderung

Die Weidetierhalter sind alarmiert

Herdenschutzmaßnahmen-Wolf_gk
Lorenz Märtl
am Donnerstag, 01.07.2021 - 17:54

Im Landkreis Neumarkt erhalten Weidetierhalter Geld für den Herdenschutz. Gefragt ist ein effektiver Schutz vor dem Wolf.

Neumarkt Weidetierhalter im Landkreis Neumarkt sind nach mehrfachen Sichtungen und der Attacke eines Wolfs in einer Photovoltaik-Anlage nahe der A 3 bei Granswang mit vier getöteten trächtigen Mutterschafen alarmiert. Immer mehr Tierhalter melden sich bei Johann Paulus, der beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Neumarkt Ansprechpartner ist. Sie suchen Beratung und Informationen für die staatliche Förderung von Herdenschutzmaßnahmen.

„Weil er streng geschützt ist, gleichzeitig aber die Weidetierhaltung als eine tierwohlgerechte Form der Nutztierhaltung gilt und aus naturschutzfachlichen, kulturellen und sozioökonomischen Gründen die Weidehaltung für die Kulturlandschaft als unverzichtbar angesehen wird, zielt die mögliche staatliche Zuwendung darauf ab, die Zahl der Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere möglichst zu vermeiden“, erklärt Paulus im Gespräch mit dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt. „Immerhin zählt der Landkreis Neumarkt mit 120 Schafhaltern und 10 000 Mutterschafen zu den schafreichsten in ganz Bayern.“

Schon 20 Anträge eingereicht

Die Gemeinden Velburg, Parsberg, Lupburg und Hohenfels liegen seit Anfang dieses Jahres in der Förderkulisse Schadensausgleich. Für Weideflächen in diesem Gebiet haben die Tierhalter noch bis Ende 2021 Zeit, ihre Zäune so aufzurüsten, dass sie als wolfsabweisend eingestuft werden. Ansonsten erhalten Tierhalter bei einem Schadensfall keinen Schadensausgleich für vom Wolf gerissene Tiere. Auch die Tierhalter aus den Gemeinden Berg, Lauterhofen, Pilsach, Neumarkt, Sengenthal, Deining, Seubersdorf und Breitenbrunn können für die Aufrüstung ihrer Weidezäune eine Förderung erhalten. „Aktuell liegen dem AELF Neumarkt 20 Anträge vor“, so Paulus. Er rechnet im Laufe des Jahres mit weiteren 50 Anträgen.

Thomas Frank aus Hausheim, der mit seinen 80 Mutterschafen und 20 Ziegen in den Gemeinden Berg und Pilsach in erster Linie Landschaftspflege betreibt, hat die Förderung bereits in Anspruch genommen und die mobilen Umzäunungen für die im Turnus wechselnden acht Weideflächen in den Gemeinden Berg und Pilsach aufgerüstet.

Die Chefredakteure der drei großen Agrarmedien agrarheute, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt sowie LAND & FORST zeigen die Problematik rund um den Wolf in einem Video auf. Hier sehen Sie das Video:

 

Auf der Weidefläche bei Irleshof (Gemeinde Berg) zeigte er AELF-Behördenleiter Harald Gebhardt und Johann Paulus den wolfssicheren Zaun. Dabei betonte er, dass er zwar schon immer großen Wert auf intakte und sichere Umzäunungen gelegt habe, er aber das Thema seit der Sichtung und den Vorfällen mit Wölfen noch ernster nehme, auch deswegen, weil seine Herde oft über viele Stunden unbeaufsichtigt ist.

Schutz gegen den Wolf

Landwirt Frank sieht für seinen Bereich die elektrifizierten Netzzäune als die effektivste Maßnahme an, um den Wolf fernzuhalten. Sie sehen filigran aus, sind aber äußerst stabil und durch die mit Kupferdraht verstärkten Turbolitzen, durch die mindestens 3000 Volt Strom fließen, äußerst wirksam.

Anträge auf Förderungen können beim AELF Neumarkt eingereicht werden. Infos und Unterlagen findet man auf der Homepage des bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter Investition Herdenschutz Wolf. Ansprechpartner beim AELF Neumarkt ist Johann Paulus unter Tel. 09181-4508-1206.

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