Vorbereitungen

Warten auf die Erntehelfer

Marktlage
Helga Gebendorfer
am Montag, 22.03.2021 - 11:01

Familie Plank im Kreis Kelheim hofft auf eine erfolgreiche Spargelsaison. Sehr sorgfältig achten sie auf den Schutz der Erntehelfer aufgrund der Pandemie.

Die Spargelernte steht vor der Tür. Die Vorbereitungen der Spargelbauern laufen auf Hochtouren. „Wieder trifft uns eine gewisse Unsicherheit für die anstehende Saison. Doch insgesamt sind wir alle viel besser vorbereitet als im letzten Jahr“, stellen Franz und Maria Plank aus Staubing im Landkreis Kelheim fest.

Spargelfeld

Sie erklären, dass die Maßnahmen kontrollierter ablaufen. Freilich kann sich trotzdem täglich eine neue Herausforderung ergeben. „Das bedeutet, dass wir gegebenenfalls jederzeit flexibel reagieren müssen“, betonen sie. Familie Plank rechnet damit, dass die Ernte des Edelgemüses je nach Witterung Ende März/Anfang April beginnt.

„Wir stehen in den Startlöchern und haben bereits eine Menge Vorkehrungen getroffen“, berichten die Spargelanbauer. So wurden rechtzeitig die Kontakte zu den rumänischen Saisonarbeitskräften geknüpft, sodass diese für die Anreise mit dem Bus bereitstehen. „Ein Anruf genügt und sie machen sich auf den Weg“, bestätigt Franz Plank und verweist darauf, dass ein bis zwei Wochen Vorlaufzeit notwendig sind. Denn 14 Tage vor der Einreise müssen die Arbeitskräfte beim Gesundheitsamt und der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) gemeldet werden.

Ohne Test auf Corona geht in dieser Saison nichts

Zudem muss zehn Tage vorher das Testzentrum in Kelheim Bescheid wissen, wann die Mitarbeiter kommen. Diese müssen für die Einreise nach Deutschland eine Online-Anmeldung machen sowie einen Arbeitsvertrag und eine Bestätigung über den hiesigen Wohnort mit sich führen. Außerdem brauchen sie einen negativen Coronatest, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Dann erfolgt möglichst am Tag der Einreise wieder ein Test im zuständigen Testzentrum, der sicherheitshalber nach sieben Tagen wiederholt wird.

Familie

Die Mitarbeiter dürfen nur zu zweit in einem Zimmer übernachten. Um den Vorschriften für die Unterbringung gerecht zu werden, haben die Planks einen Container für zwei Personen angemietet. Die übrigen Gäste beziehen die bereits vorhandenen Doppelzimmer.

„Die Sicherheitsvorkehrungen sind wirklich hoch und wir tun alles, damit wir eine sichere und erfolgreiche Erntesaison bekommen“, versichern die Betriebsleiter. Sie informieren, dass die Saisonarbeitskräfte in Bayern quasi eine „Arbeitsquarantäne“ durchlaufen, was bedeutet, dass sie nach der Ankunft und nach sämtlichen Vorgaben sofort die Arbeit aufnehmen dürfen – in Gruppen von vier Personen. Allerdings darf der Hof in diesem Zeitraum nur zur Arbeit auf dem Spargelfeld verlassen werden. Für den rund 10-Wochen-Aufenthalt gilt, dass möglichst kein Kontakt zu anderen Arbeitstrupps bestehen sollte.

Vater, Mutter und drei Töchter im Betrieb

Franz und Maria Plank bewirtschaften zusammen mit ihren drei Töchtern Franziska, Anna und Elisabeth im Alter von 24 bis 27 Jahren einen Vollerwerbsbetrieb mit Ackerbau, Wald und 9 ha Spargelfläche. Betriebsschwerpunkt ist die Zuchtsauenhaltung mit 280 Plätzen. Nach der Hofübergabe 1991 strukturierten sie den Betrieb um. Parallel zur Bullenmast, die 2006 aufgegeben wurde, spezialisierten sie sich auf die Zuchtsauenhaltung und starteten 1989 zusammen mit einem weiteren Berufskollegen den ersten Spargelanbau im Dorf.
„Damals suchten wir ein zweites Standbein und pachteten ein Feld, das sich mit seinem Sandboden gut für die Sonderkultur eignete“, erzählt der Landwirt. Auf 0,3 ha wurden 4000 Stöcke eingelegt und die Ernte direkt ab Hof und über den Großhandel vermarktet. Die Arbeitskräfte kamen noch aus der Ortschaft. „Es lief gut und so wuchs die Fläche nach und nach“, gibt der 62-Jährige Auskunft. Es kamen die passenden Maschinen dazu und mit den ausländischen Erntehelfern stand einer deutlichen Erweiterung nichts mehr im Weg. Zwischenzeitlich bauten in Staubing sieben Betriebe Spargel an, doch von ihnen sind nur die beiden „Pioniere“ übrig geblieben.

Auf die Pandemie war niemand vorbereitet

Anfangs reisten vier Polen an, seit 15 Jahren sind acht bis zehn Helfer aus Rumänien am Hof. Tatkräftige Unterstützung erfahren die Eltern auch schon immer von ihren Töchtern, die von Kindesbeinen an bis heute jede freie Minute in ihrer Freizeit mitanpacken und ihren Urlaub opfern. Sie sind mit viel Herzblut dabei und übernehmen inzwischen auch Verantwortung. „Zusammen mit ihnen haben wir es geschafft, den Spargelanbau zu einem bedeutenden Betriebseinkommen auszubauen“, meint Franz Plank, der 2017 schließlich in eine Sortieranlage investierte. Diese stellt für die Familie eine enorme Arbeitserleichterung und Zeitersparnis dar. Auch die Zahl der Erntehelfer konnte dadurch etwas reduziert werden.
Dann kam Corona und alles wurde durcheinander gewirbelt. „Niemand von uns war darauf vorbereitet und anfangs herrschte große Unsicherheit im Hinblick auf Arbeitskräfte und Vermarktung“, blickt der Landwirt zurück. Die Flüge für die Helfer waren gebucht, doch dann war Einreisestopp. Damit standen nur die zwei Rumänen zur Verfügung, die bereits frühzeitig zum Folienaufziehen auf dem Betrieb waren. „Uns blieb nichts anderes übrig, als alles auf uns zukommen zu lassen“, erzählt Maria Plank. Zur großen Erleichterung und Freude boten sich mehrere Leute aus dem Dorf und der Nachbarortschaft ihre Hilfe an. Hinzu kamen noch drei vermittelte Rumänen, die sich bereits in Deutschland aufhielten.

Es entstanden innige Freundschaften

Maria und Franz Plank

Gemeinsam bewältigten die Spargelanbauer schließlich die Saison mit den eigenen Familienmitgliedern und zwei bis sechs Helfern auf dem Feld, drei Frauen aus dem Ort für Waschen, Sortieren, Schälen und Verpacken sowie einem Pool aus vier flexibel einsetzbaren Leuten für den Lieferservice. Alle Absatzwege wurden bedient: Ab Hof-Vermarktung, Wiederverkäufer, Einzelhandel, der neu ins Leben gerufene Lieferservice, ab und zu der samstägliche Markt in Kelheim und schließlich gegen Ende die Gastronomie. Der Vermarktungsschwerpunkt liegt in den Landkreisen Kelheim und Regensburg, die Lieferungen gehen darüber hinaus. Im Endeffekt konnte voriges Jahr die komplette Fläche beerntet und vermarktet werden.

Familie Plank blickt heute sehr zufrieden zurück. „Für uns war letztes Jahr die anstrengendste, aber auch schönste Saison“, sind sich alle einig. Es entstanden neue Kontakte und innige Freundschaften. Der Zusammenhalt war groß geschrieben. Den Leuten ging es vorrangig nicht mehr ums Geld verdienen, sondern um gegenseitige Hilfe. „Wir erfuhren großartige Unterstützung von vielen Seiten und gleichzeitig Wertschätzung für unsere Arbeit“, freuen sich die Eltern genauso wie die drei Mädels.

Jetzt ist es wieder soweit. „Wir hoffen, dass wir die bevorstehende Saison zusammen gut bewältigen“, sagt Franz Plank. Entscheidend ist, dass die Erntehelfer aus dem Ausland kommen dürfen. Eigentlich hätten die ersten schon für das Folienaufziehen und das Tunnelaufstellen da sein sollen. Doch das erledigte heuer zum größten Teil die Familie selbst.

Betrieb ist breit gefächert und gut aufgestellt

Nun heißt es Daumen drücken und abwarten. „In der Vermarktung sind wir jedenfalls breit gefächert und deshalb gut aufgestellt. Vielleicht darf irgendwann die Gastronomie doch wieder aufmachen“, ist der Landwirt zuversichtlich. Er denkt, dass der Spargelpreis heuer nach oben geht. Die gestiegenen Kosten, etwa für Hygienemaßnahmen und Mindestlöhne, erforderten dies. So hat sich der Spargel positiv als zweites Standbein entwickelt. „Jetzt hoffen wir, dass eine unserer Töchter den Betrieb weiterführt“, wünschen sich die Planks.