Forstwirtschaft

Waldbesitzer auf Zukunftskurs

Waldbesitzervereinigung Traunstein_GF Remigius Hammerl auf Lagerplatz für Borkenkäferholz(c)Jan Röder
Axel Effner
am Donnerstag, 01.07.2021 - 14:52

Die WBV-Traunstein rüstet sich personell und digital für neue Herausforderungen. Im Kampf gegen den Borkenkäfer gebe es Erfolge.

Traunstein Ganz im Zeichen der Freude über die Wiederbegegnung stand die Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Traunstein. Nach zweijähriger Coronapause trafen sich vergangene Woche rund 70 Mitglieder im Traunsteiner Fußballstadion.

Mit einem Rückblick auf die über 70-jährige Geschichte der WBV in Traunstein machte der Vorsitzende Werner Schindler den Anfang, denn die geplante Jubiläumsfeier fiel coronabedingt aus. Im Jahr 1949 hatten zwölf BBV-Ortsobmänner die „Interessensvertretung des Privatwaldbesitzes“ im Bezirksverbandsgebiet Traunstein gegründet, aus Sorge vor zu starker staatlicher Einflussnahme, Zwangsbewirtschaftung und Nachteilen gegenüber großen Forstbesitzern auf dem Holzmarkt.

„Inzwischen ist der Staatsforst selbst Mitglied im Bayerischen Waldbesitzerverband“, resümierte Schindler. Vieles habe sich professionalisiert. Heute bestimmten Schulungen, Information, der gemeinsame Einkauf sowie eine Fülle an Dienstleistungen die Arbeit der WBV.

Neue Aufgaben, neues Gesicht

Die Anforderung sei, „den Holzeinschlag samt Logistik in einem immer schwierigeren und schnelleren Markt zu organisieren“. Dazu sei mehr Personal mit forstfachlicher Qualifikation erforderlich. Seit Januar ergänzt Andreas Neuhauser das Team der WBV-Geschäftsführung. Mit Blick auf die Preisturbulenzen am Holzmarkt kritisierte Schindler „staatliche Einschlagbeschränkungen zur Unzeit“, die bei starker Nachfrage und steigenden Preisen gerade für Privatwaldbesitzer in der Region kontraproduktiv seien. In Gesprächen mit dem Ministerium habe man Änderungen erreicht.

Von einem „turbulenten Marktgeschehen“ sprach Geschäftsführer Remigius Hammerl in seinem Bericht über den Holzmarkt. Aufgrund rückläufiger Borkenkäferschäden verringerten sich die vermarkteten Holzmengen von 51 223 Festmetern in 2018 auf 40 094 Festmeter in 2019 und 31 241 Festmeter in 2020.

Hammerl verwies darauf, dass am Rundholzmarkt die Preise für frisches Fichtenstammholz nach der historischen Talfahrt 2020 aktuell auf einem 30-Jahres-Hoch lägen. Er riet zu „beständigem Einschlag“ statt zu warten und auf neue Preissprünge zu wetten. Mit einem neuen Warenwirtschaftssystem und dem digitalen Holzaufnahmegerät, einem Preisradar für Fichtenstammholz als Einschlagsentscheidungshilfe auf der WBV-Homepage, erweiterten Info- und Schulungsangeboten, fünf Lagerplätzen für Borkenkäferholz und einem Lagerplatz für Hackschnitzel fühle sich die WBV gut gerüstet für die Zukunft, erklärte Hammerl.

Erstmals nach elf Jahren beschloss die WBV Traunstein mit großer Mehrheit auch eine Anhebung der Mitgliedsbeiträge auf 35 Euro pro Mitglied und 1,50 Euro/ha je Betrieb. „Die Anforderungen sind deutlich gestiegen“, erklärte Werner Schindler. Aktuell zählt die WBV 1900 Mitglieder mit insgesamt 11 735 ha.

Den Wald durch Umbau zukunftssicher machen

Alfons Leitenbacher, Bereichsleiter Forst am AELF Traunstein, hob die Herausforderung hervor, den Wald durch Umbau zukunftssicher zu machen. Aktuell gebe es dafür vom Staat „so viel Förderungen wie noch nie“. Auch beim Borkenkäfer stehe Südostbayern „sehr gut“ da, dank beständiger Borkenkäferkontrolle und der richtigen Bejagung des Wilds. Das aktuelle Vegetationsgutachten sei gut, zeige aber noch Verbesserungsbedarf.

Neuer Bereichsleiter Forst am AELF Traunstein ist seit 1. Juli Wolfgang Madl. Er beleuchtete den Freizeitdruck durch Corona auf die Wälder durch Radler und Reiter. Hier böten neue Richtlinien zur Verkehrssicherungspflicht und im Waldbetretungsrecht Handhabe für Einschränkungen.