Waldjahr 2019

Waldbauern: Wieder kräftezehrendes Jahr

Niederbayern
Claudia Rothhammer
am Donnerstag, 09.01.2020 - 09:42

Die Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayerns blickt auf 2019 zurück und bestätigt Vorstand Huber im Amt.

Das fünfte Katastrophenjahr in Folge und der Holzpreis auf einem historischen Tiefstand: 2019 war für Niederbayerns Waldbesitzer wieder ein kräftezehrendes Jahr. So lautete das Resümee der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayerns (FV) bei ihrer Jahreshauptversammlung in Rottersdorf. Georg Huber führte die FV Niederbayern sicher durch diese schweren Jahre und wird dies auch weiterhin tun. Die Mitglieder bestätigten ihn bei den Neuwahlen als Vorsitzenden.

Nicht nur Huber wurde wiedergewählt, auch sein bisheriger Stellvertreter Eduard Eder. Ebenfalls bestätigt wurden die Beisitzer Ludwig Huber, Max Nigl und Georg Blümel. Neu gewählt wurde Bernhard Den­dorfer. Die Kasse wird wie bisher Erwin Niedermeier führen. Ihm zur Seite steht Dr. Stefan Schaffner. Der forstliche Berater der FV Niederbayern folgt damit auf Franz Grimm, der sein Amt als Kassenprüfer zur Verfügung stellte. Huber bedankte sich bei Grimm für dessen Arbeit. Ebenfalls nicht mehr zur Wiederwahl stellte sich Albert Moser. Der ehemalige Vorsitzende der WBV Eggenfelden-Arnstorf bereicherte 15 Jahre lang das Vorstandsteam der FVN. Huber dankte ihm für seine „Meinungen, Gedanken und Ratschläge, die stets konstruktiv und ehrlich waren“. 

Im Vorfeld große Kontrakte abgeschlossen

Ehrliche und offene Worte – dafür steht auch Huber. „Für das Jahr 2019 wurde von mehreren Experten ein Katastrophenjahr prognostiziert, welches weit schlimmer werden sollte als das Katastrophenjahr 2018. Daraufhin haben wir mit mehreren Kunden größere Mengenkontrakte unter Vertrag gebracht. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass diese Mengen nicht wie vorhergesagt anfielen. Aus Sicht des Waldbesitzers ist dies zu begrüßen.“

Allerdings kamen nicht alle Waldbesitzer in Niederbayern so glimpflich davon. Ausgerechnet die Waldbesitzer, die der Orkan Kolle im Jahr 2017 arg in Mitleidenschaft gezogen hat, hat es 2019 wieder sehr hart getroffen. So gilt für Niederbayern zweierlei: Während die Schadsituation aufgrund von Schneebruch und Trockenheit im Bayerischen Wald weiter eskalierte, entspannte sich die Käferkalamität im restlichen Bezirksgebiet gegenüber 2018 spürbar.

Für das gesamte Gebiet gilt allerdings: Der Sommer 2019 reiht sich als der bislang zweitwärmste bayerische Sommer in die Aufzeichnungen ein. Nur kühleren Phasen und Niederschlägen sei es zu verdanken, dass in weiten Teilen Niederbayerns die Käfersituation nicht schlimmer wurde. Schwer getroffen hingegen hat es aufgrund anhaltender Trockenheit den Raum Passau und das Gebiet südwestlich von Freyung-Grafenau. Hier wütete 2019 mit Abstand das schlimmste Käferjahr aller Zeiten. 

Holz teils unverkäuflich

Auch wenn in Niederbayern so mancher Waldbesitzer besser als befürchtet durch das Jahr kam: „In manchen Teilen Deutschlands war das Holz unverkäuflich und zum Teil liegt es immer noch unverkauft an der Waldstraße. Als Folgeerscheinung sind die Holzpreise auch bei uns ins Bodenlose gefallen. Teilweise konnten mit den Erlösen des verkauften Holzes die anfallenden Erntekosten nicht mehr bezahlt werden“, brachte es Huber auf den Punkt. „Wir Waldbauern haben hier viele Millionen Euro an unserem Rohstoff Holz verloren.“

Huber versuchte, den Kollegen Mut zu machen: „Das ist eine Momentaufnahme. Im Wald rechnet man in anderen Zeiträumen. Ich bin davon überzeugt, dass unser Holz langfristig ein wichtiger Rohstoff ist und auch wieder bessere Erlöse erzielt werden können. Bei unseren letzten Preisverhandlungen haben wir schon ein Interesse der Abnehmer an unserem Holz gemerkt und konnten die Preise anheben. Ich hoffe, dass wir das Tief hinter uns haben.“

FV Niederbayern vertritt 37.000 Waldbesitzer

Die FV Niederbayern ist der Zusammenschluss der 25 Waldbesitzervereinigungen und Forstbetriebsgemeinschaften in Niederbayern. Insgesamt vertritt sie somit rund 37.000 Waldbesitzer mit einer Gesamtfläche Wald von rund 239.000 ha. Im letzten Geschäftsjahr wurde vom Dachverband so viel Holz wie noch nie vermarktet: 1.342.218 fm. Davon über 630.000 fm mittels Rahmenvereinbarungen an Hauptkunden. Innerhalb weniger Jahre habe sich die zu vermarktende Holzmenge nahezu verdoppelt. Bielmeier sprach von einem „Rekordwert“, womit man andere Regierungsbezirke wie Schwaben überholt habe.

Für Bielmeier ein weiteres Indiz für eine „Zeitenwende im Wald“. Es gelte nun, den Wald für den Klimawandel fit zu machen. „Wir brauchen eine gemischte Naturverjüngung ohne Zäune. Zaunwirtschaft auf unseren großen Kalamitätsflächen ist kein vernünftiger und pragmatischer Weg aus der Misere.“ 
Auch für Ministerialdirigent Hubertus Wörner, den Leiter der Bayerischen Forstverwaltung, markiert das Jahr 2019 eine „Zeitenwende“ im Wald. Kalamitätsbedingte Waldschäden hätten ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Das Dilemma: Betroffen seien nicht mehr nur die Fichte, sondern auch Baum­arten, die zuvor als stabil im Klimawandel galten.

Für Sepp Ziegler, den Präsidenten des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, waren die klimabedingten Schadereignisse der letzten zwei Jahre ein Vorgeschmack auf die bevorstehende Klimaerwärmung, um nicht zu sagen „Klimaüberhitzung“. Ziegler warnte vor zu hohen Holzvorräten pro Hektar. „Ein Sparkassendenken war und ist der völlig falsche Ansatz.“ Er plädierte für eine stärkere Holzverwendung – stofflich wie thermisch – dem Klima zuliebe.