Tierseuche

Vogelgrippe: Infektionsverlauf in Bayern

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 26.11.2020 - 07:20

Mit einer Allgemeinverfügung vom 23. November 2020 hat das Landratsamt Passau die Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung der Geflügelpest festgelegt.

Wildente

Ein erster aktueller Fall von Geflügelpest in Bayern ist amtlich bestätigt: Im bayerischen Wildvogelmonitoring hat das nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut am 19. November im Landkreis Passau bei mehreren gesund erlegten Wildenten das Geflügelpest-Virus – auch Vogelgrippe genannt – nachgewiesen. Bisher tauchte sich nur im Norden Deutschlands auf. Jetzt hat sie den Süden erreicht. Geflügelhalter müssen auf Biosicherheitsmaßnahmen achten.

Zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung der Geflügelpest und insbesondere zum Schutz von Haus- und Nutzgeflügel wird deshalb im gesamten Landkreis Rottal-Inn und in großen Teilen des Landkreises Passau eine Aufstallungspflicht für Haus- und Nutzgeflügel angeordnet werden.

Das teilte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber heute in München mit: "Es ist wichtig, eine Ausweitung der Geflügelpest auf das Haus- und Nutzgeflügel zu verhindern. Unser Wildvogelmonitoring war als Frühwarnsystem erfolgreich. Wir haben die Geflügelpest erkannt, bevor sie unsere Nutzgeflügelbestände erreichen konnte. Wir werden das bestehende Wildvogelmonitoring weiter intensivieren."

Biosicherheitsmaßnahmen ernst nehmen

Die Stallpflicht gilt für gewerbsmäßige Geflügelhalter und für Züchter und Privatpersonen, die Geflügel halten. Die Umsetzung der Stallpflicht und der Erlass der dafür notwendigen Allgemeinverfügung liegen in der Zuständigkeit der Kreisverwaltungsbehörden.

Die Anordnung erfolgt anhand einer speziell für Bayern entwickelten Risikobewertung auf Grundlage bundeseinheitlicher Beurteilungskriterien. Dabei werden unter anderem die geographischen Gegebenheiten wie bekannte Sammelplätze von durchziehenden Wildvögeln sowie Rast- und Ruheplätze an oder in der Nähe von Gewässern herangezogen.

Glauber appelliert an alle Geflügelhalter, die vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen unbedingt einzuhalten. Jeder direkte oder indirekte Kontakt zwischen Wildvögeln und Nutzgeflügel müsse vermieden werden.

Weitere Maßnahmen geprüft

Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Geflügelpest in Deutschland und Bayern werden aktuell in allen Landkreisen und kreisfreien Gemeinden in Bayern mit Unterstützung des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auf Grundlage einer Risikobewertung mögliche Präventionsmaßnahmen für die Geflügelhaltungen geprüft.

Bürger, die tote Vögel auffinden, sollten diese nicht anfassen und entsprechende Funde den lokalen Behörden melden. Eine Ansteckung des Menschen über Wildvögel oder deren Ausscheidungen ist nach dem bisherigen Kenntnisstand noch nicht bekannt geworden.

Aktuelle Informationen zur Vogelgrippe in Bayern gibt es unter: https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/virusinfektionen/gefluegelpest/

Update vom 24.11.2020

Es gelten ab sofort folgende Regelungen:

In den Gemeinden Neuhaus a. Inn, Pocking, Rotthalmünster, Malching, Bad Füssing, Kirchham, Neuburg a. Inn, Fürstenzell, Ruhstorf a.d. Rott, Tettenweis, Bad Griesbach i. Rottal, Haarbach, Ortenburg, Beutelsbach, Tiefenbach, Windorf, Vilshofen a.d. Donau, Hofkirchen, Aldersbach, Kößlarn, Aidenbach, Salzweg:

  • Alle Tierhalter (private oder gewerbliche) haben das Geflügel aufzustallen.
     
  • Die Aufstallung des Geflügels erfolgt in geschlossenen Ställen oder unter einer Vorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung und einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen muss (Schutzvorrichtung).
     
  • Im gesamten Landkreis:

    - Geflügelbörsen und Geflügelmärkte sowie Veranstaltungen anderer Art, bei denen Geflügel verkauft oder zur Schau gestellt wird sind verboten.

    - Für Wildvögel gilt ein allgemeines Fütterungsverbot. Unter „Wildvögel“ ist freilebendes Wassergeflügel wie z.B. Enten, Gänse, Schwäne etc. zu verstehen. Singvögel sind vom Fütterungsverbot nicht betroffen.

    - Alle Geflügelhalter, die ihrer Pflicht zur Meldung des gehaltenen Geflügels bisher nicht nachgekommen sind, haben die Haltung von Geflügel unverzüglich beim Landratsamt Passau/Veterinäramt (veterinaeramt@landkreis-passau.de) anzuzeigen.