Energie

Viel Schaden, kaum Nutzen?

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Elisabeth Ammer
am Freitag, 24.07.2020 - 07:07

Landwirte in Niederbayern wehren sich gegen Stromtrassenprojekt Süd-Ost-Link

Eine ganze Reihe von Landwirten aus den Gemeinden Geiselhöring, Laberweinting und Mallersdorf/Pfaffenberg sind im Landkreis Straubing-Bogen vom geplanten Trassenverlauf des Süd-Ost Links betroffen. Engagierte Gegner der Leitung schlossen sich der Bürgerinitiative Brennberg an und suchen auch beim Bund Naturschutz, Kreisgruppe Regensburg Unterstützung, um die 50 m breite Stromtrasse, die für den Leitungsbau erforderlich ist, zu verhindern.

Die Trasse werde nach Ansicht der Gegner nicht benötigt, da nur 0,5 % des gesamten Stromes in „Offshore-Anlagen“, also Windkraftanlagen im offenen Meer, erzeugt werden, so die Argumentation der Leitungsgegner.

Es sei also nicht nachvollziehbar, warum die relativ kleine Menge Strom nicht vor Ort produziert werden könne, sondern in der umstrittenen Leitung transportiert werden soll.

Große Sorgen um die Bodenfruchtbarkeit

Die Landwirte Josef Scheuerer aus Pullach, Stadt Geiselhöring, und Wilhelm Lichtinger aus Obergraßlfing, Gemeinde Laberweinting, fürchten um die Bodenfruchtbarkeit, da das Bodengefüge zerstört und die Wasserspeicherfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn der Süd-Ost-Link durch die landwirtschaftlichen Flächen gezogen wird.

„Experten rechnen langfristig auf einem 20 Meter breiten Korridor, in dem die Leitungen liegen, mit einer empfindlichen Erwärmung des Bodens, der dadurch austrocknet. Außerdem werde der Zwischenraum zwischen den Leitungen mit einem Beton-Sand-Gemisch verfüllt, um die Stabilität der Leitungen zu gewährleisten“, wie Petra Filbeck beim Treffen vor Ort deutlich machte.

Für den Süd-Ost Link sei der planenden und ausführenden Firma Tennet für 40 Jahre eine jährliche Rendite von 6,91 % garantiert worden, wie die beiden betroffenen Landwirte berichteten. „Die Trasse wird also den Strom immens verteuern“, so Filbeck.

Die Politik hat sich von der Industrie überzeugen lassen, dass der Süd-Ost-Link notwendig ist, „dabei geht es nur um Marktsicherung der Energieversorger und Leitungsbetreiber und für die Industrie um billigen Strom“, so Petra Filbeck.

Und wenn die Leitung überflüssig wird?

Die Landwirte rechnen damit, dass im Leitungskorridor wenig oder nichts mehr wächst. „Es wird sich ein 20 m breiter Streifen durch das Land ziehen,“ befürchtet der betroffene Landwirt Scheuerer. Die Bodenstruktur werde seiner Überzeugung nach unwiederbringlich zerstört.

Zudem werden die Leitungen 1,50 bis 2 m tief verlegt und „gehören“ damit dem Grundstücksbesitzer, denn nur, was bis 1,30 m tief verlegt werde, muss wieder entnommen werden. Das heißt: „Sollte die Leitung nicht mehr benötigt werden, verbleibt sie in den Grundstücken und wird nicht rückgebaut“, befürchtet Scheuerer.

Während der Bauphase erwarten die Landwirte enorme Strukturschäden, da die Fahrzeuge, die zum Verlegen der Kabel benötigt werden, rund 150 t wiegen, ein Meter Kabel wiegt immerhin 40 kg. „Die Baufahrzeuge werden nur in den Feldern fahren und die Feldwege nicht benutzen, um die Instandsetzung der Feldwege zu umgehen“, befürchtet Lichtinger.

Ab jetzt ist auch der Anwalt gefragt

Scheuerer und Lichtinger legen derzeit mit anwaltlicher Unterstützung gegen Bohrungen und Kartierung Einspruch ein und wollen beides auf ihren Grundstücken verhindern, denn der betroffene Abschnitt befindet sich noch nicht in der Planfeststellung. „Die Auswirkungen für die Ackerflächen sind gravierend und unumkehrbar“, wie Lichtinger befürchtet.

Es würde im Trassenverlauf keine Frostgare und auch kein Bodenleben mehr geben, außerdem werde das Wasserspeichervermögen des Bodens bis in tiefere Bodenschichten und auch in einem breiteren Korridor beeinträchtigt. „Es geht nicht darum, die Leitung zu verschieben, sondern zu verhindern“, sind sich die Gegner einig.

Als Lösung biete sich eine dezentrale Energieversorgung an, mit Bürgergenossenschaften könne man durchaus genügend Strom erzeugen, wie Josef Scheuerer deutlich macht. Solange der Börsenpreis aber bei etwa zwei Cent pro Kilowattstunde liege, lohnen sich für die Industrie keine eigenen PV-Dachanlagen, so Filbeck.

Um den PV-Ausbau stärker zu forcieren, müsse das Niederspannungsnetz in Neubaugebieten mit stärkerer Leistung ausgestattet werden. „Bei den Niederspannungs- und Mittelspannungsnetzen besteht Handlungsbedarf und nicht bei den Hochspannungstrassen,“ sagt Petra Filbeck.

Der Süd-Ost-Link sei, davon sind die beiden Landwirte überzeugt, die aber auch für viele weitere Bäuerinnen und Bauern in der Region stehen, für den europäischen Strommarkt geplant. „Es kann doch nicht sein, dass wir Landwirte dafür die Zeche bezahlen müssen“, stellt Lichtinger fest.