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Schädlinge

Wie die Viecher loswerden?

Schädling
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Gerd Kreibich
am Donnerstag, 20.02.2020 - 08:50

Engerlingsplage: Auf Initiative des Bauernverbandes gründet sich ein Arbeitskreis.

Auf Einladung des Präsidenten des Bauernverbandes in Niederbayern, Gerhard Stadler, traf sich jetzt in Straubing erstmals ein neu gegründeter Arbeitskreis, der sich in erster Linie einem Thema widmet: Wie geht die Landwirtschaft um mit der Engerlingsplage in der Region, oder, wie es ein Teilnehmer formulierte: „Wie werden wir die Viecher wieder los?“ Die Diskussion möglicher Bekämpfungsstrategien soll dazu führen, der Plage Herr zu werden.

Die größte Schadregion mit mehreren 1000 Hektar kahlgefressenen Wiesenflächen befindet sich im Bayerischen Wald, erläuterte Stadler. Aber auch aus anderen Regionen berichteten Experten über Schäden auf Grünland und im Obstbau, die, so der BBV-Bezirkspräsident, zum Teil durchaus bereits existenzgefährdend seien.

Umnutzung als Ackerfläche möglich

Als Vertreter des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten informierte Konrad Koch gemeinsam mit Ulrich Benker von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft über bayernweite Erfahrungen mit der Bekämpfung von Engerlingen. „Bisher wurden die besten Bekämpfungserfolge bei der mechanischen Bekämpfung mit der Kreiselegge oder mit der Fräse erzielt, so Benker. Er stellte fest, dass massiver Engerlingsbefall zu einem kompletten Absterben der Grasnarbe führe. „Diese Schäden müssen rechtzeitig gemeldet werden, damit die Bekämpfungsmaßnahmen auf den geschädigten Grünlandflächen durchgeführt werden können.“ Anschließend sei eine Grünlandneuansaat erforderlich, wobei auch eine Ackerkultur als Deckfrucht mit ausgesät werden könne.

Kreisobmann Siegfried Jäger aus dem Landkreis Freyung-Grafenau berichtete von seinen Erfahrungen, wonach oft schon kurze Zeit nach der Neuansaat durch erneuten Engerlingbefall der junge Aufwuchs wieder vernichtet wurde. „Dieser Befall führt zu hohen Kosten und in manchen Betrieben zu massiven Futterengpässen“, machte er deutlich und er stellte seine Meinung für eine Bekämpfung deutlich klar: „Am wirkungsvollsten kann eine mehrjährige Ackernutzung auf den betroffenen Flächen die Engerling-Population eindämmen.“ Diese Maßnahme sei in den am schlimmsten befallenen Gebieten dringend geboten.

Ministerialrat Koch konnte hier von fachlicher Seite zustimmen, er machte deutlich, dass diese Möglichkeit jetzt grundsätzlich angewendet werden könne, allerdings erst nach Genehmigung durch die jeweils zuständige Untere Naturschutzbehörde.

Mechanische Bekämpfungsmethoden

Die Mitglieder des neuen Arbeitskreises waren sich darüber einig, dass die derzeitigen Bekämpfungsmöglichkeiten insbesondere auf Hangflächen wegen der Erosionsgefahr nicht zufriedenstellend sind. Die Teilnehmer aus dem Bayerischen Wald forderten deshalb eine Koordination und wissenschaftliche Begleitung der verschiedenen Bekämpfungsmöglichkeiten vor Ort in einem Pilotprojekt. „Dabei sollten auch mögliche mechanische Bekämpfungsmethoden wie beispielsweise Stechwalzen entwickelt und geprüft werden“, betonte Kreisobmann Jäger.

Auch die Bekämpfungsmöglichkeiten des Schädlings in allen Entwicklungsstadien müssen untersucht und bewertet werden, damit eine wirksame Bekämpfungsstrategie für die verschiedenen Schadregionen entwickelt werden kann. Schließlich wurde auch vereinbart, den Kontakt mit Ministerium und Landesanstalt für Landwirtschaft zu intensivieren, um frühzeitig Schäden zu melden und mögliche Bekämpfungsmaßnahmen weiterzuentwickeln. Für den Engerling-Arbeitskreis sind nun noch weitere Treffen geplant.