Umwelt

Vermeintlicher „Tierschützer“ schickt Rehkitz in den Tod

Rehkitz
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Montag, 21.06.2021 - 10:09

Das befreite Rehkitz lief vor der Mahd zurück ins Feld. Der Ärger beim Jagdpächter und Landwirt ist groß.

Hienheim / Lkr. Kelheim – Mit einem solchen Fall hätte Jagdpächter Philipp Meitinger aus dem Landkreis Kelheim niemals gerechnet: In Hienheim nahe der niederbayerischen Stadt Neustadt an der Donau ist ein Rehkitz in den Tod gelaufen, nachdem es zuvor von einem Unbekannten vermeintlich befreit worden war. Besonders ärgerlich an der Sache: Ein Wäschekorb, der extra über das Rehkitz gelegt worden war, hätte das eigentlich verhindern sollen. „Das ärgert mich immer noch extrem“, sagte Philipp Meitinger.

Wie der Jagdpächter dem Wochenblatt berichtete, sei „eigentlich alles nach Plan gelaufen“. Der Landwirt, dem die Wiese gehörte, hatte extra am Vorabend vor dem Mähen das Feld schon einmal abgesucht und Scheuchen aufgestellt. Am nächsten Tag, kurz nach vier Uhr am Morgen, suchten Philipp Meitinger und der Landwirt die Flächen nochmals mit einer Drohne nach Jungwild ab. In der Tat zeigte die Wärmebildkamera noch ein Rehkitz, das Meitinger aus der Wiese holte. „Wir haben das so wie immer gemacht, das Rehkitz am Rand im hohen Gras abgesetzt und es mit einem beschwerten Wäschekorb gesichert. Das Rehkitz war im Schatten und musste auch keine Angst haben.“ Das Tier sei extra abseits der Wege mit dem Wäschekorb gesichert worden. „Da hätte eigentlich niemand etwas zu suchen gehabt.“

Nachdem die Wiesen vollständig abgesucht worden waren, begann der Landwirt mit dem Mähen des Feldes. Als Meitinger nach getaner Arbeit zurückkehrte, war das Rehkitz nicht mehr unter dem Wäschekorb. Nachdem der Korb mit einem schweren Stein gesichert war, muss jemand aus falsch verstandener Tierliebe das Rehkitz vor der Mahd befreit haben, erklärt Meitinger. „Es liegt der Verdacht nahe, dass das Tier vor dem Mähen freigelassen wurde.“

Die Jäger suchten daraufhin die Wiese ab und entdeckten das Kitz vermäht in der Wiese. Auf Facebook postete Meitinger Fotos von dem Vorfall. „Was muss ein Rehkitz verbrochen haben, um die Dummheit mancher Menschen auszuhalten“, schrieb der Jagdpächter dazu.

Hier lesen Sie das Facebook-Posting von Philipp Meitinger:

Er habe sein Posting „bewusst sehr provokant verfasst“, sagte Meitinger dem Wochenblatt, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Ein ähnlicher Vorfall sei ihm noch nie passiert. In den sozialen Netzwerken habe er aber die Rückmeldung erhalten, dass es schon öfters zu ähnlichen, vermeintlichen Befreiungen von Rehkitzen gekommen sein soll.

Mahd

Meitinger will verhindern, dass nochmals ein Rehkitz von einem vermeintlichen Tierschützer befreit wird - und zieht entsprechende Konsequenzen. „Wir lassen von einem befreundeten Schreiner eine Holzkiste machen, mit der wir künftig die Rehkitze während der Mahd sichern können. Auch einen Warnhinweis werden wir dann extra eingravieren lassen.“

Philip Bust, Referent für Jagd und Wildtiermanagement des BBV, sagte dem Wochenblatt, dass die Jungwildrettung den BBV-Mitgliedsbetrieben eine Herzensangelegenheit sei. Aus diesem Grund werbe der Verband seit Jahren für die Wildtiervergrämung mit optisch-akustischen Wildrettern und wickele für das bayerische Landwirtschaftsministerium die Förderung dieser Geräte ab. Auch im Jahr 2021 war die Förderung so stark nachgefragt, dass sie innerhalb weniger Tage ausgereizt war.

Ebenso habe der BBV ein Forschungsprojekt zur Mähtodvermeidung gefordert, welches 2020 gestartet wurde und sich mit Strategien zur Wildtierrettung befasst. Bust betonte: Wir begrüßen die gute partnerschaftliche Zusammenarbeit der lokalen Akteure von Landwirt, Jagdgenosse und Jäger in Sachen Wildtierrettung. Auch Ehrenamtliche unterstützen zunehmend die Landwirte im Kampf gegen den Mähtod, beispielsweise im Landkreis Amberg-Sulzbach.

 

Lesen Sie mehr: Das Bundeslandwirtschaftsministerium stellt Fördermittel im Kampf gegen den Mähtod zur Verfügung. Gefördert wird die Anschaffung von Drohnen.