Viehvermarktung

Umbruch und Fragezeichen

Vieh
Wilhelm Kolb
am Donnerstag, 13.02.2020 - 07:11

VVG Oberbayern/Schwaben legt in Niederbayern ihre Jahresbilanz vor.

Die Viehvermarktungsgenossenschaft (VVG) Oberbayern/Schwaben eG mit Sitz in Waldkraiburg, die im Landkreis Rottal-Inn 642 Mitglieder hat, präsentierte in ihrer Winterversammlung im Gasthof Forstner in Rimbach den Landwirten ihre Vorjahresbilanz und informierte sie über aktuelle Marktentwicklungen. Vorstandsmitglied Markus Plötz (Rimbach) begrüßte als Versammlungsleiter an die 180 Mitglieder.

„Die Landwirtschaft steht vor einem Umbruch und einer Neuorientierung.“ Zu diesem Thema äußerte Mayer einleitende Gedanken: „Gerade hinter der Tierhaltung stehen viele Fragezeichen und die Agrarpolitik befindet sich in einem gefährlichen Vakuum – deshalb sind viele Bauern orientierungslos und frustriert.“ „Von Wertschätzung alleine, etwa durch Politiker, können wir uns nichts kaufen, da muss schon mehr dazu kommen“, betonte Mayer.

Seine kritische Betrachtung beinhaltete u. a. überzogene Erwartungen einer intensiv mit Ernährung/Lebensmittelherstellung befassten Bevölkerung an die Bauern; Verringerung der Nutztierbestände durch die Politik (für zugesagte Reduzierung landwirtschaftlicher Emissionen); ideologisch aufgeladene bzw. auf Halbwahrheiten beruhende Debatten über die Tierhaltung. Im Zusammenhang mit dem Volksbegehren oder dem Artenschutzgesetz habe er schon den Eindruck, die Landwirtschaft solle das wieder richten, was die ganze Wohlstandsgesellschaft beschädigt habe, so Mayer.

Lebensmittel brauchen anderen Maßstab

Der Vorsitzende ist auch der Meinung, „dass bei der Lebensmittelerzeugung bei Emissionen ein ganz anderer Maßstab angelegt werden muss als bei der Herstellung nicht lebensnotwendiger Artikel“ – gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeit stehe der Verbraucher genauso in der Pflicht. Nachhaltigkeit lasse sich auf Dauer nur durch Kompromisse zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialen Zielen erreichen.

„Die sich neu und modern ausrichtende Landwirtschaft wird auch für unsere VVG einen Umbruch in Erfassung und Verkaufsstruktur mit sich bringen“, sagte Mayer. Durch sinkende Tierbestände werde großes Mengenwachstum vorbei sein. Neue Medien, Digitalisierung und sich ändernder Wettbewerb erforderten neue Kooperationen, Strategien und Philosophien. Deshalb: „Wir haben uns auf die Herausforderungen vorbereitet, denn wir möchten uns auch künftig dem Wettbewerb stellen und unseren Auftrag der bestmöglichen Vermarktung für unsere Bauern aufrechterhalten oder wenn möglich weiter verbessern!“

Zahlen zur Vermarktung

  • 160 640 Rinder (55 Kälber, 22 637 Färsen, 37 532 Kühe, 46 416 Bullen, 1993 Bio-Rinder, Tendenz steigend), Umsatz 133,2 Mio. €;
  • 82 229 Stück Nutzvieh (u. a. 54 229 Bullenkälber und 5578 Kuhkälber (größter Kälbervermarkter in Bayern), Umsatz 38,3 Mio. €;
  • 495 627 Schlachtschweine, 82,4 Mio. € Umsatz;
  • 580 500 Ferkel (28 kg: 500 249, 8 kg: 80 251), Umsatz 38,6 Mio. €.

Der Mitgliederstand lag Ende 2019 bei 15 173 (+69) – u. a. im Stammgebiet Oberbayern 9495, in Niederbayern 1601 (Rottal-Inn weit vorn mit 642), in Schwaben 3248.

Sehr erfolgreiches Jahr

„Mit rund 1 260 000 Stück Schlachtvieh und etwa 300 Millionen Euro Umsatz haben wir ein sehr erfolgreiches Jahr hinter uns und konnten uns auf dem Markt gut behaupten, in einigen  Bereichen sogar zulegen“, fasste der Vorsitzende zusammen.

Mayer appellierte an die Landwirte, nicht nur die Politik zu fordern, sondern selbst die Initiative zu ergreifen, damit es aufwärts gehe. „Sicher wird die Landwirtschaft als Branche der Zukunft eine wichtige Rolle spielen, denn ohne uns Bauern geht es nicht.“