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Erntebilanz

Trockenheit und Hitze bringen hohe Verluste bei Kartoffeln

Rudolf Hirsch
am Dienstag, 23.08.2022 - 14:56

Landwirte in der Oberpfalz kämpfen mit höheren Produktionskosten, Minderertrag von 30 Prozent und Druck der Handelsketten.

Kartoffel

Der Kartoffelanbau wird heuer zum Verlustgeschäft. Darin sind sich die Oberpfälzer Landwirte einig. „Wir wollen nicht jammern, sondern die Öffentlichkeit auf die Erntesituation im Trockenjahr 2022 aufmerksam machen“, erklärt Roman Rupprecht.

Der Vorsitzende des Erzeugerrings für pflanzliche Qualitätsprodukte Oberpfalz e. V. hatte Erzeuger, Veredler und Verbraucher zu einer Lagebesprechung nach Eckendorf bei Nabburg (Landkreis Schwandorf) eingeladen.

Extreme Hitze und Trockenheit hemmten das Wachstum im Juli und August. „Davon ist vor allem die nördliche Oberpfalz betroffen, deren Vegetation später dran ist“, sagt Thomas Zirngibl. Der Geschäftsführer des Erzeugerrings erinnert daran, „dass die Kartoffel bei Temperaturen von über 27 Grad das Wachstum einstellt“.

Hinzu komme die andauernde Trockenheit. Sebastian Betz, Berater der Erzeugergemeinschaft, rechnet mit erheblichen wirtschaftlichen Ausfällen für die Landwirte, die höhere Produktionskosten bei gleichzeitig geringeren Erträgen und schlechterer Qualität zu verkraften hätten. Die Erzeugerpreise würden zwar steigen, so die Prognose des Beraters, „nicht aber in dem Maße, wie es nötig wäre, um die Mehrkosten der Bauern aufzufangen.“

Timo Burger, Geschäftsführer der Veredelungsfirma „Burgis“, rechnet heuer mit einem Minderertrag von 30 Prozent. Er beschreibt „den Druck der Handelsketten, die die Preise diktieren“.

BBV-Bezirksobmann Josef Wutz wirft „der Politik“ vor, dass sie diese Machtkonzentration im Handel zulässt“. Die Erzeugerseite und die regionalen Verarbeiter kämen immer mehr unter die Räder, weil es auf der Abnehmerseite mittlerweile fast keine Alternativen mehr gibt.

Theresia Addokwei vom Amt für Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beschäftigt sich mit den Alternativen angesichts des fortschreitenden Klimawandels. Eine davon sei der Anbau hitzeresistenter Sorten. Die Beraterin empfiehlt nach positiven Tests die Sorten Escada, Sevim, Baltic Rose und Bohemia.

Landwirte denken ans Aufhören

Nicht zufrieden mit der Ernte: der Vorsitzende des Erzeugerrings Roman Rupprecht, Geschäftsführer Thomas Zirngibl, Kartoffelkönigin Michelle Hofner und Berater Sebastian Betz (v. l.) reihten verwertbare Kartoffeln neben den Erträgen auf, die nicht verkauft werden können.

Josef Irlbacher war in zweifacher Funktion Gastgeber. Einmal als BBV-Obmann im Landkreis Schwandorf und dann als Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln in Stulln. Er freute sich vor allem über den Besuch der bayerischen Kartoffelkönigin Michelle Hofner, die zum ersten Mal in die Oberpfalz gekommen war.

Doch auch ihr Grußwort konnte die Anbauer nur wenig über die Situation hinwegtrösten. Einige der Landwirte kündigten bereits den Ausstieg aus der Kartoffelproduktion an. Von den 273 000 ha landwirtschaftlicher Flächen in der Oberpfalz werden aktuell 6000 ha für den Kartoffelanbau genutzt.