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Tiergesundheit

Tierarztmangel auch in der Oberpfalz

Ärztemangel
Lorenz Märtl
am Dienstag, 07.01.2020 - 12:14

Bezirksvorsitzender der Tierärzte, Tobias Guggenmos, wirbt bei BBV-Ortsobmännern für Dialog.

Ammerthal/Lks. Amberg-Sulzbach - Zu einem konstruktiven Dialog zwischen Tierärzten und Landwirten ermunterte bei der BBV- Obmännerversammlung des Kreisverbandes Amberg-Sulzbach der Vorsitzende der tierärztlichen Vereinigung der Oberpfalz und Vorstandsmitglied der Bayerischen Tierärztekammer, Tobias Guggenmos: „Wenn wir auf dieser Ebene einen Konsens schaffen, dann ist mir um die tierärztliche Notdienstversorgung in der Oberpfalz nicht bange.“ Löse man das Problem nicht gemeinsam, werde man Schiffbruch erleiden, „und das betrifft dann nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Tierärzte“.

Guggenmos verdeutlichte den Ortsobmännern, „dass wir ganz große Probleme in der tierärztlichen Versorgung von Nutztierbetrieben haben. Es fällt uns zunehmend schwer diese vor allem an Wochenenden und nachts vollumfänglich zur Verfügung zu stellen, weil der Landtierarztmangel zwischenzeitlich auch in der Oberpfalz angekommen ist.“ Gleichzeitig rücke das Thema Tierwohl immer mehr in den Fokus und dabei spiele auch die tierärztliche Notversorgung eine große Rolle. Er erinnerte daran, dass in Tierkörperbeseitigungsanstalten zwischenzeitlich alle angelieferten Tiere amtstierärztlich begutachtet werden müssen.

Und bei Problemen falle es letztendlich auf alle zurück, die für das Tierwohl verantwortlich sind. Er beklagte, dass es die aktuellen Rahmenrichtlinien den Praxisinhabern immer schwerer machen, geeignetes Personal zu finden, „das uns die tierärztliche Tätigkeit auch in den Notdienstzeiten abnimmt.

Arbeitszeitbestimmunge als Hauptprobleme

Als eines der Hauptprobleme nannte er die Arbeitszeitbestimmungen. In vielen Nutztierpraxen werde die Nachfolge zum Problem und die meisten jungen Tierärzte möchten angestellt arbeiten. Bei maximal zehn Stunden Arbeitszeit und anschließend elf Stunden Ruhezeit müsse man einen Dreischichtbetrieb organisieren, was immens schwierig sei. Er appellierte an die Landwirte, sich mit ihren Hoftierärzten in Verbindung zu setzen und im Vorfeld zu klären wie es zukünftig aussieht.

Seitens der Kammer befürchte man ernsthaft, „dass wir in verschiedenen Bereichen die nottierärztliche Versorgung nicht aufrechterhalten können, wenn es so weiter geht.“ Die Politik habe bereits reagiert und eine Novellierung der Gebühren für Notdienste beschlossen: eine Pauschale von 50 € pro Besuch zu Notdienstzeiten und Abrechnung zu zweifachen Gebührensätzen, damit die Finanzierung der Notdienste auf soliden Füßen steht. Abmildern könne man dies durch den Abschluss von Verträgen, die der gesamten tierärztlichen Betreuung dienen und Sondervereinbarungen enthalten.

Ausführlich erörterte der schwäbische BBV-Bezirkspräsident Alfred Enderle die Neugestaltung des Milchförderfonds und zeigte dessen vielfältige Facetten auf. Aktuelle Themen aus dem Bereich des AELF erörterten abschließend Matthias Feierler und Engelbert Hollweck.