Hofladen

Tante Emma am Bauernhof

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Anett Bauer
am Donnerstag, 02.07.2020 - 10:28

Familie Brodschelm aus Simbach hat sich ein erfolgreiches Standbein aufgebaut

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Familie Brodschelm aus Simbach am Inn hat sich vor einem Jahr den Traum vom eigenen Hofladen erfüllt: Käse, Fruchtaufstriche, Gemüsesoßen oder Brot aus eigener Herstellung sind hier im Angebot, aber auch Produkte von regionalen Zulieferern stehen in den Regalen des Ladens auf dem Weiß‘n Hof, wie der schmucke Betrieb schon seit Generationen heißt.

Schon am Hofeingang verweist ein liebevoll gestaltetes Schild auf den kleinen Laden, in dem Brigitte und Stefan Brodschelm vor über einem Jahr mit der Direktvermarktung ihrer Produkte angefangen haben. Mittlerweile läuft der Laden sehr erfolgreich, was auch die gelernte Bankkauffrau freut: „Unser Sortiment wird sehr gut angenommen und wir sind grundsätzlich sehr zufrieden mit unserem Umsatz, vor allem wenn man bedenkt, dass unser Laden nur am Wochenende geöffnet hat.“

Von der Küchentheke zum vollwertigen Laden

Bereits 2018 fing Brigitte Brodschelm an, Käse aus eigener Milch herstellen zu lassen und diesen anfangs noch „über die Küchentheke“ zu verkaufen. Da die Nachfrage immer größer wurde, musste schnell eine andere Lösung gefunden werden. Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt und einigen ersten Überlegungen fiel schließlich der Startschuss für den Hofladen. Schnell fand die Familie für dieses Vorhaben einen passenden Raum und der Traum vom eigenen Laden erfüllte sich schließlich im Mai 2019. So folgte dem Käse nach und nach ein immer größer werdendes Sortiment, das allerdings immer eines gemeinsam hat: „Dass die Produkte allesamt möglichst regional sind, ist uns sehr wichtig“, erklärt Brigitte Brodschelm. Sie ist überzeugt: „Was helfen Bioprodukte, wenn sie kilometerweit transportiert werden müssen? Dann lieber regional über Direktvermarktung und mit gutem Gewissen.“

Daher findet sich in den Regalen neben den Produkten aus eigener Herstellung, wie Sirup, Fruchtaufstrichen und Chutney, auch Honig und Bienenwachs von Imkern aus der unmittelbaren Umgebung, Mehl aus einer zwölf Kilometer entfernten Mühle oder selbst gebrannter Schnaps vom benachbarten Bauern.

Eine Art „Tante-Emma-Laden“ soll es auch sein

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Neben den Milchprodukten, Gemüsesoßen und Fruchtaufstrichen verkaufen Brodschelms auch Fleischprodukte, die sie – manchmal auch aus dem Fleisch der eigenen Schweine – von einem zehn Kilometer entfernten Metzger beziehen. Besonders beliebt bleibt allerdings immer noch der Käse: Die österreichische Lohnkäserei Tiefenstätt in Ramsau veredelt die Rohmilch des Betriebes zu einem halbfesten Rohmilchschnittkäse, der mittlerweile in 16 verschiedenen Sorten erhältlich ist. „Der Käse geht schon sehr gut“, versichert Brodschelm, die auch Butter, Yoghurt und seit einiger Zeit Ricotta selbst herstellt. Doch auch hier gilt: Egal, ob Bärlauch, Bockshornklee oder getrocknete Birne – es werden möglichst Zutaten und Gewürze aus dem eigenen Garten verwendet oder von einer Gärtnerei aus dem nahen Wurmannsquick.

„Wir schauen natürlich immer, dass wir neue Kreationen aufnehmen und etwas herumprobieren, um wieder mal etwas Neues anzubieten“, erklärt die dreifache Mutter. Insbesondere für die Ortsansässigen versuche man dieses breite Sortiment zu schaffen, um so als eine Art Tante-Emma-Laden zu dienen, der die Menschen vor Ort mit dem Nötigsten versorgen kann. Daher freut es sie auch, dass die Kunden den Laden so gut annehmen und auch über Anregungen, was noch mit ins Sortiment aufgenommen werden könnte.
Doch nicht nur die Direktvermarktung läuft hier vorbildlich, denn auf dem Weiß‘n Hof hat man den optimalen Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit und Tierwohl gefunden. Im Jahr 2014 übernahm das Paar den Hof im Süden des Landkreies Rottal-Inn. Zu dieser Zeit lebten hier noch 34 Kühe in Anbindehaltung, im noch vom Vater erbauten Stall.

Tierwohl von Beginn an in den Mittelpunkt gestellt

Schon kurz nach der Übernahme folgten die ersten Umbauten. Nach einigen Überlegungen fiel die Wahl dann schnell auf einen Freilaufstall, den die Familie 2015 errichtete. Eine Entscheidung, die der 49-jährige Landwirt Stefan Brodschelm nicht bereut: Denn seither seien die Rinder gesünder, Antibiotika brauche man kaum, beim Kalben benötige man nur wenig menschliches Zutun und auch die Lebenserwartung sei enorm gestiegen.
„Unsere älteste Kuh ist nun schon mit dem neunten Kalb trächtig. Sie trägt die Stallnummer 506, während unsere jüngste die Nummer 641 trägt. Damit hat sie schon so einige Artgenossen überlebt. Man merkt schon, dass unsere Kühe im Schnitt älter werden“, sagt Brodschelm, während er auf die trächtige Kuh in der Stallecke verweist.

Vom Balkon aus den Blick in den Laufstall werfen

Beim Neubau fügten die Brodschelms dem Stall sogar noch eine Besonderheit hinzu. „Den Balkon, der sich durch den Kuhstall zieht, habe ich mir eingebildet, damit unsere Besucher den kompletten Stall sehen können“, erklärt der Betriebsleiter. Denn der Hof ist Teil des Projektes „Erlebnis-Bauernhof“, das Kindern mehr über die Herstellung von Produkten und die landwirtschaftlichen Betriebe dahinter vermitteln soll.
Schulklassen sind deshalb oft zu Gast auf Betrieb. Daher sei der Balkon auch optimal, um gute Einblicke zu gewähren. Denn dass die Kinder einen Bezug zu ihren Lebensmitteln haben, ist Stefan und Brigitte Brodschelm sehr wichtig. Aber auch andere Besucher sind auf dem Weiß‘n Hof jederzeit willkommen, ob auf einen Besuch im Stall oder im Hofladen, wie das Ehepaar betont.
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