Oberpfalz

Jeden Tag läuft eine neue Sau durchs Dorf

Sozis_b
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Externer Autor
am Donnerstag, 15.10.2020 - 09:48

Strukturwandel in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft im Kreis Schwandorf hat sich enorm verändert. Aber muss das so bleiben?

Enorm viele bäuerliche Betriebe geben auf

Von ehemals 4769 landwirtschaftlichen Betrieben im Jahr 1979 sind 2019 nur noch 1872 Betriebe übrig geblieben. Besonders dramatisch haben sich die Zahlen in der Schweinehaltung entwickelt. So waren von ehemals 1034 Zuchtsauenhaltern im Jahr 1979 nur noch 73 im Jahr 2019 aktiv. Auch die Zahl der Milchviehbetriebe ist innerhalb einer Generation von 3508 auf 700 (2019) gesunken.

Die geschäftsführende Vorstandschaft im BBV-Kreisverband Schwandorf tauschte sich kürzlich mit der SPD-Kreistagsfraktion zu verschiedenen Themen aus. Im Vordergrund stand die Zukunft der Landwirtschaft im Landkreis Schwandorf. Dazu wurde insbesondere auf die Betriebsstruktur und die Tierhaltung eingegangen.

„Aufgrund neuerer und weiterer Auflagen in der Tierhaltung nimmt die Zahl der Betriebsaufgaben noch weiter zu“, stellte BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher fest und bezeichnete diese Entwicklung als „fatal und problematisch hinsichtlich der zukünftigen Versorgung der heimischen Bevölkerung mit Lebensmitteln aus der Region“.

Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben, betonte auch Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann und mahnte fachlich und sachlich fundierte Entscheidungen der Politik auf Bundes- und der Landesebene an. „2020 und 2021 sind entscheidende Jahre für unsere Bäuerinnen und Bauern“, sagte Wittman. Gelinge es nicht, einen zukunftsfähigen Gesellschaftsvertrag für die Landwirtschaft in Deutschland zu erstellen, so werde diese Ende des Jahrzehnts eine andere sein, aber nicht die gesellschaftlich gewünschte.

Perspektiven sind gefordert

„Unsere Landwirte brauchen klare Perspektiven“, hob Kreisobmann Irlbacher hervor. Die Landwirte seien stark verunsichert, da „jede Woche eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird“, sei es in Form von neuen Umfrageergebnissen oder durch ständig weitere Forderungen von Umwelt- und Tierschutzverbänden sowie Politikern, betonte Irlbacher.

SPD-Kreisvorsitzender Peter Wein führte die zunehmende Abhängigkeit vom Weltmarkt an. „Angesichts von Corona bietet die regionale Erzeugung Halt und Sicherheit“, sagte er und bezeichnete die zunehmende Wahl von regionalen Produkten als Chance für die Landwirte vor Ort.

Eingegangen wurde auch auf die Großprojekte SüdOstLink, Ostbayernring und die geplanten Bahnstromtrassen im Kreis Schwandorf. Für den Erhalt des Industriestandorts Bayern sei ausreichend Strom erforderlich, erläuterte Kreisrat Franz Schindler und merkte an, dass Bayern die benötigte Energie nicht alle selbst erzeugen könne. Deshalb benötige man auch den SüdOstLink. In Sachen Ostbayernring werde im Schwandorfer Raum auf eine Bündelung mit dem SüdOstLink gesetzt.