Jahreshauptversammlung

Stimmung der Waldbauern im Keller

Aiglsbach
Helga Gebendorfer
am Mittwoch, 20.11.2019 - 11:34

Die Forstbetriebsgemeinschaft Aiglsbach spricht Preiseinbruch und zu lange Wartezeiten bei der Anfuhr in die Sägewerke an.

Elsendorf/Lks. Kelheim - „Uns drücken im Moment große Sorgen – sei es Borkenkäfer, Stürme oder Trockenheit“, brachte Vorsitzender Georg Huber bei der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Aiglsbach (FBG) die derzeitige Situation auf den Punkt. 
Damit sind seiner Meinung nach die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren, den jedoch nicht die Waldbesitzer, sondern die gesamte Gesellschaft verschuldet hat. Deshalb sei auch die Gesellschaft in der Pflicht, die Branche entsprechend zu unterstützen, damit auch die Nachkommen noch Wälder haben, die ihre vielfältige Funktion erfüllen.

Auch bei Kiefer und Buche Trockenschäden

„Durch diese Kalamitäten kam es zu einem übervollen Holzmarkt, was zu einem massiven Preiseinbruch und zu langen Wartezeiten bei der Anfuhr in die Sägewerke führte“, berichtete Huber weiter. Hinzu kommt, dass die Säger noch Verträge mit Fernbezügen laufen haben, die die Lage noch weiter verschärfen. Weiter wies er darauf hin, dass nicht nur die Fichte zu viel ist, sondern auch bei der Kiefer und sogar bei der Buche Trockenschäden auftreten.

Die Folge: von der oft beschworenen Partnerschaft ist nicht mehr viel vorhanden und bei den momentanen Preisen sind manchmal nicht einmal die Erntekosten gedeckt. Darüber sind die Waldbauern sehr verärgert und versuchen, ihr Holz anderweitig zu verwerten, z. B. lassen sie Bretter, Balken oder Latten schneiden oder machen Brennholz daraus. Andere lassen die Bäume im Wald, bevor sie diese verschenken oder mit ihnen draufzahlen müssen.

An dieser Stelle forderte Huber Hilfe in Form von Erntekostenzuschüsse oder Hilfe bei der Aufforstung. Weiter rief er seine Kollegen auf, die Wälder regelmäßig zu kontrollieren und bei Befall sofort zu schneiden. Allerdings gilt: nur so viel Holz schlagen, wie unbedingt nötig. Zudem empfahl er, den Kontakt mit den Förstern und der FBG vor Ort pflegen und den Rohstoff selbst mehr zu nutzen.

Klimaverträgliche Baumarten anpflanzen

Beim Blick in die Zukunft lautete sein Ratschlag: klimaverträgliche Baumarten anpflanzen, die Wälder öfter durchforsten und Holz machen, wenn die Preise passen, waldverträgliche Wildbestände, Umtriebszeiten der Wälder verkürzen und künftig gemeinsam vermarkten. Zum Schluss strahlte der Vorsitzende trotzdem Optimismus aus: „Auch wenn wir zurzeit große Probleme haben, haben wir den besten, modernsten und vielseitigsten Rohstoff. Fachleute sagen dem Holz hervorragende Prognosen voraus“, informierte er und war überzeugt, dass die aktuelle Herausforderung gemeinsam gemeistert wird.

Rekordjahr, was die Vermarktung anbetrifft

„2018 war für die FBG ein Rekordjahr“, lautete die Bilanz von Geschäftsführerin Stephanie Müller. Nach ihren Angaben vermarktete die FBG mit einem Käferholzanteil von über 60 % insgesamt 32.793 Einheiten – so viel wie nie zuvor in der Geschichte der Organisation. Davon entfielen 29 530 Einheiten auf die Fichte, 2233 Einheiten auf die Kiefer und 1030 Einheiten auf sonstige Baumarten.

Dabei machen die Fichte mit 90 % den Löwenanteil aus, vor sieben Prozent Kiefer und zwei Prozent sonstige Baumarten. Als Hauptsortiment wurden zu 71 % Fixlängen verkauft, gefolgt von acht Prozent Langholz, ein Prozent Papierholz und 20 % sonstiges, wie Brennholz und Hackschnitzel. 197 Mitglieder vermarkteten ihr Holz über die Organisation.

Die FBG umfasst zurzeit 887 Mitglieder mit einer Fläche von 6031 ha. Die Harvestermengen steigerten sich erheblich von 7600 Einheiten in 2015 auf 22 733 in 2018. „Wir sind heuer aufgrund von Schneebruch, Sturmwurf und Käferdruck kaum mit dem Schneiden und Rücken hinterher gekommen. Doch letztendlich konnte alles aufgearbeitet und vermarktet werden“, fasste sie zusammen.

In den Grußworten brachten der stellvertretende Landrat Wolfgang Gural, Mainburgs zweite Bürgermeisterin Hannelore Langwieser, Georg Blümel von der Forstlichen Vereinigung Niederbayern und Dr. Joachim Hamberger, Leiter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Abensberg, die Bedeutung der FBG sowie des Waldes und Holzes zum Ausdruck. 
Die „Herausforderung Waldbesitz“ beleuchtete im folgenden Vortrag Hans Ludwig Körner, Geschäftsführer vom Bayerischen Waldbesitzerverband. Dabei ging er auf die Themenbereiche Aktuelles, Erwartungen der Gesellschaft, Holzindustrie, Forstliche Zusammenschlüsse und Jagd ein.