Fachgespräch

Stimmung unter Bauern: Frustration und Resignation

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Gerd Kreibich
am Mittwoch, 18.11.2020 - 05:13

Regensburg: Bauernverband diskutiert mit Bundestagsabgeordneten

Zu einem Austausch im coronabedingt kleinen Kreis hatte der BBV-Kreisverband Regensburg die Bundestagsabgeordneten Peter Aumer (CSU), Ulrich Lechte (FDP) und Stefan Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) aus dem Landkreis und der Stadt Regensburg eingeladen. In der Diskussionsrunde kamen eine ganze Reihe von Themen auf den Tisch, die der heimischen Landwirtschaft „auf den Nägeln brennen“.
Der Regensburger BBV-Kreisobmann Johann Mayer beschrieb die aktuelle Lage der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis: „Zukunftsängste und Überforderung machen sich zunehmend in den Bauernfamilien breit“, sagte er und wies auf die steigende Zahl an psychischen Erkrankungen von Bäuerinnen und Bauern hin, die bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau registriert werden.

Was fehlt, ist die wichtige Planungssicherheit

Der Kreisobmann stellte auch die zahlreichen Änderungen und Herausforderungen bei sinkendem Einkommen, mit denen die Landwirte insbesondere in den letzten Jahren konfrontiert wurden, zur Diskussion und sprach dabei von „fehlenden Perspektiven“. So hätten Ferkelerzeuger mit staatlicher Förderung und Beratung ihre Schweinehaltungen modernisiert und angesichts von Tierwohlaspekten viel Geld investiert.
Wegen der aktuellen Beschlüsse müssen diese Betriebe aufgrund weiterer gesetzlicher Auflagen und Vorgaben erneut umbauen und sich weiter verschulden. Dies schaffe kein Vertrauen in staatliche Entscheidungen und führe zur Frustration und Resignation bei den Bauern.

Die Zahl der tierhaltenden Betriebe schrumpft weiter

Die Eigenversorgung an Ferkeln in Bayern betrage nur noch 70 %. Mit massiven Rückgängen der Ferkelerzeuger in der Region sei weiter zu rechnen, so Mayer. Ein ähnliches Bild zeichne sich auch für Rinderbetriebe ab – vor allem bei Anbindehaltung. Hier sei in erster Linie der Druck seitens des Lebensmitteleinzelhandels immer deutlicher zu spüren. Zudem habe die Corona-Pandemie zu Verwerfungen auf den Absatzmärkten mit negativen Folgen für die Landwirtschaft geführt. Kreisobmann Mayer mahnte mehr Sach- und Fachlichkeit bei politischen Entscheidungen an. Hinsichtlich neuer Gesetze und weiterer Verordnungen sei eine klare Folgenabschätzung vorzunehmen und deren Auswirkungen vollumfänglich zu bedenken.

Landwirte sind bereit für vernünftige Veränderung

„Die Landwirte sind naturgemäß bereit für Veränderungen. Notwendig sind klare Verhältnisse, ausreichend Zeit für das Umsetzen von Vorgaben und endlich eine angemessene Honorierung der Leistungen der Bauern, aber vor allem kostendeckende Erzeugerpreise“, betonte Mayer. Im Gegensatz zur Wirtschaft müsse der Landwirt mit dem Geld zurechtkommen, dass am Ende der Kette übrigbleibe.
Die anwesenden Bundestagsabgeordneten sehen im sogenannten Gesellschaftsvertrag, der zurzeit auf Bundesebene diskutiert wird, eine Chance, die Interessen von Verbrauchern und Landwirten mit Blick auf die Tierwohlaspekte sowie die Versorgungssicherheit unter einen Hut zu bringen. Die Abgeordneten waren sich darin einig, dass die hohen Standards in Deutschland auch für Nahrungsmittelimporte gelten sollten.

Weiterbetrieb von PV-Anlagen sicherstellen

Auch die anstehende Novelle des Erneuerbaren Energien-Gesetzes (EEG) wurde angesprochen und ein Anheben des Ausbaupfads für Biomasseausschreibungen und der Gebotsobergrenze gefordert. Für die Güllevergärung seien zusätzliche Anreize zu berücksichtigen.
Für den Bereich der Photovoltaikanlagen sprach man von einem nicht ausgeschöpften Potenzial von PV-Dachanlagen, das endlich genutzt werden sollte. Der Weiterbetrieb von PV-Anlagen, die demnächst die 20-Jahresgrenze erreichen, müsse sichergestellt werden, forderte Mayer.
Der Eigenverbrauch könne durch die Befreiung von Umlagen und Abgaben attraktiver gestaltet werden. Die Anlage von PV-Freiflächenanlagen müsse mit Maß und Ziel erfolgen. Kleine PV-Freiflächenanlagen seien im Gegensatz zu großen Freiflächenanlagen dezentral, standortangepasst und bei Bürgern und Landwirten akzeptiert.
Außerdem behandelten die Gesprächspartner die zukünftige Ausrichtung der EU-Agrarpolitik bis zum Jahr 2027 und den Entwurf des Insektenschutzgesetzes.
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