Direktvermarktung

Ein Standbein in der Eistüte

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Markus Bauer
am Montag, 13.08.2018 - 09:16

Erfrischende Direktvermarktung: Das Landwirtsehepaar Kerstin und Anton Dinauer aus Arnest bei Hemau hat einen eigenen Eisladen eröffnet.

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Der niedrige Milchpreis von 24 ct im Jahr 2016, aber auch die mittel- bis langfristigen Überlegungen, in welches Tätigkeitsfeld investiert werden soll, waren für das Ehepaar Kerstin und Anton Dinauer aus Arnest (Gemeinde Hemau im Landkreis Regensburg) ausschlaggebend, in eine völlig andere Richtung zu gehen: Am letzten Freitag im Juli hatten sie erstmals ihren Eisladen geöffnet, denn ihr neues Standbein ist der Verkauf von Eis, das aus der Milch der eigenen Kühe hergestellt wird.
Das Anwesen Dinauer in Arnest ist ein alteingesessener Landwirtschaftsbetrieb auf dem Dorf, der einzige mit Viehhaltung. Auch daran wird der Strukturwandel sichtbar. Diesen – in welcher Form auch immer – mitzugehen, ist eine Herausforderung für jeden Bauern. 35 Milchkühe bzw. 75 Tiere inklusive der Nachzucht insgesamt gelten heute eher als ein Auslaufmodell. Der Ackerbau dient den Dinauers vor allem zur Tierfütterung, es werden aber auch Marktfrüchte angebaut. Dazu kommen noch Wald sowie Ponys und Pferde.
Bei zwei Kindern denkt man natürlich auch an die nächste Generation – was die Kinder später auch gerne machen wollen und dass keine allzu großen finanziellen Belastungen da sind. Auch angesichts dieser Überlegungen kam eine Vergrößerung bzw. der Neubau eines Stalls für die Dinauers nicht infrage. Also war die Aufgabenstellung, was mit den vorhandenen Fakten möglich ist.
Die Milchpreissituation im Jahr 2016 war für Anton Dinauer auch der Anlass, einen Kurs für landwirtschaftliche Direktvermarktung zu absolvieren. Dabei wurde er auf Bauern aufmerksam gemacht, die aus der von ihren Kühen gelieferten Milch Eis herstellten. In der Folge schaute er bei einem solchen Landwirt vorbei – und die Familie entschloss sich, ebenfalls in diesem Segment tätig zu werden. Dinauer und seine Frau vertieften sich daraufhin in die Materie. Schließlich kauften sie eine gebrauchte Eismaschine, ab Februar 2018 wurde der bisherige Schweinestall, der schon längere Zeit leer stand, für diese neue Nutzung umgebaut. Vor allem A2-Milch soll mittel- bis langfristig beim Eis zum Einsatz kommen. Durch Reduzierung der Zuchtleistung soll dies erreicht werden. Die bisherigen Ergebnisse wurden übrigens vom Gesundheitsamt positiv beurteilt.
Zur Eisherstellung bedarf es Milch, Sahne, frische Früchte, Zucker und evtl. Zitronensaft. Diese Bestandteile werden in der Eismaschine gemischt und zunächst erhitzt und später auf minus 10 °C abgekühlt. Dann wird das Eis in den Schockfroster umgefüllt und bei – 25 °C gelagert. Etwa ein halbes Jahr ist es laut Kerstin Dinauer dort haltbar. Zum Verkauf kommen dann die entsprechenden Mengen in die Behälter der Verkaufstheke. „Sechs Sorten haben wir immer im Angebot, zwei weitere wird es im Wechsel geben“, blickt die Bäuerin nach vorne.

Eine langsame Entwicklung geplant

Dieses neue Standbein soll sich eher langsam entwickeln. Daher sind zunächst auch nur Öffnungszeiten am Freitag von 13 bis 17 Uhr, am Sonntag von 14 bis 17 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung angedacht. Aber das Eis gibt es hier nicht nur in den traditionellen Tüten und Portionsbechern. Auch größere Behältnisse in bekannten Gastronomiegrößen stehen zur Verfügung, sodass etwa eine Familienfeier am Sonntagnachmittag gut bedient werden kann.
„Mit der Maschine ist auch die Pasteurisierung von Milch möglich“, weist Anton Dinauer auf ein weiteres Produkt hin. So gehört pasteurisierte Milch in Einliterflaschen ebenfalls zum Angebot. Auch die Produktion von Joghurt kann er sich vorstellen, und seine Gattin denkt an Herstellung von Marmelade, Fruchtsäften oder auch Likören aus eigenem oder in der Region erworbenem Obst. Denn viele der Früchte für die Eissorten muss das Ehepaar natürlich extern zukaufen – und da kann dann die Form der Weiterverarbeitung variieren.
Via Flyer und Facebook weist die Familie Dinauer bereits auf ihr Eis hin, eine Homepage ist in Arbeit. Interessenten können sich außerhalb der Öffnungszeiten des Eisladens aber gerne an Anton Dinauer (Tel. 0151-20605378) wenden.