Fleischmarkt

Stabiles Niveau gut gehalten

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Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Mittwoch, 11.03.2020 - 11:36

Erzeugergemeinschaft Südbayern sieht Verbraucher in der Verantwortung

Über eine doch recht stabile Entwicklung der Erzeugergemeinschaft Südbayern (ESB) trotz eines nicht immer leichten Umfeldes berichtete Vorstandsvorsitzender Hans Auer in den diesjährigen Mitgliederversammlungen: „Im Rahmen dessen, was derzeit möglich ist, stehen wir gar nicht schlecht da“, so Auer Das Vermarktungsvolumen von 1,25 Mio. Schlachtschweinen, 1,3 Mio. Ferkeln, rund 72.000 Schlachtrindern sowie 58.000 Kälbern und Fressern zeige deutlich, dass die Genossenschaft ihre Marktposition behaupten konnte.

Doch auch bei der ESB weiß man: Der Frust sitzt tief bei den Erzeugern. Und dabei ist es weniger die wirtschaftliche Situation, die für diesen Frust und Ärger sorgt, sondern vor allem die stetig anwachsende Verordnungs- und Regulierungsflut, die von den Landwirten nicht mehr akzeptiert wird und die, wie Auer betonte, auch nicht mehr bewältigt werden könne, denn: „Gerade die Vorgaben der Düngeverordnung werden zu einer unvermeidlichen weiteren Beschleunigung des Viehbestandsabbaus führen, insbesondere in den roten Gebieten“, warnte Hans Auer.

Landwirtschaft braucht Geschlossenheit

Der ESB-Vorstandsvorsitzende appellierte in seiner Rede auch an die Geschlossenheit der landwirtschaftlichen Interessenvertreter, die mit der Organisation „Land schafft Verbindung“ einen neuen Akteur mit „erstaunlicher Resonanz“ gefunden hätten. „Die vielfältigen Bauernproteste in ganz Deutschland bringen anschaulich zum Ausdruck, dass der Bogen und somit die Anforderungen von Gesellschaft und Politik an die Landwirtschaft überspannt wurden und dringend einer Korrektur bedürfen“, so Auer. Man habe zumindest das Gefühl, dass dem Bauernstand wieder zugehört wird und somit der Dialog mit der Bevölkerung forciert werden kann. Dabei spielen die Organisationen Bayerischer Bauernverband, „Unsere Bayerischen Bauern“ und „Land schafft Verbindung“ zwar völlig unterschiedliche, aber sich ideal ergänzende Rollen in der Interessensvertretung und Kommunikation.

Wünsche der Verbraucher praxisgerecht umsetzen

Neben den politischen Betätigungsfeldern verwies Hans Auer aber auch auf Forderungen der Verbraucher, die aufgegriffen und praxistauglich umgesetzt werden müssen, denn: „Wir wollen ja die Menschen an den Fleischtheken überzeugen und für unsere Produkte gewinnen“, hielt er fest. Beispielhaft wurden von ihm die Haltungskennzeichnung und die Verknüpfung von „Geprüfter Qualität Bayern“ mit der Initiative Tierwohl aufgezeigt.

ASP-Gefahr macht noch immer größte Sorgen

Vorstand Willi Wittmann erläuterte in detaillierter Form das derzeit überaus erfreuliche Marktgeschehen im Ferkel- und Schweinebereich. Er verwies aber auch darauf, dass ein ganz gewaltiger Anteil des Nachfragesogs durch das ASP-Geschehen in China ausgelöst wurde und dazu führte, dass im größten Schweineproduktionsland der Welt, in dem 50 % der Weltproduktion stattfindet, die unvorstellbare Menge von 200 Mio. Tieren, also mehr als in ganz Europa vorhanden, vernichtet werden mussten. Gerade dieses offensichtlich nicht kontrollierbare Seuchengeschehen bereitet dem Marktexperten auch reichlich Sorge, weil auch das europäische Umfeld, insbesondere die östlichen Länder, längst von ASP betroffen sind und ein Ausbruch in Deutschland gravierende Auswirkungen auf die Exportmöglichkeiten hätte.
Dabei ist auch die Inlandsnachfrage alles andere als erfreulich. So ist der Inlandsverzehr allein im Jahr 2019 um 8,2 % abgeschmolzen. Dem steht eine ebenso rasant schrumpfende Produktion gegenüber. Die Statistik belegt, dass sich in den letzten 30 Jahren die Zahl der Schweine in Bayern um rund ein Drittel reduziert hat und im gleichen Zeitraum von ehemals 92 000 schweinehaltenden Betrieben nur noch bescheidene 4500 Betriebe übriggeblieben sind. Noch drastischer ist die Entwicklung in der Zuchtsauenhaltung, deren Bestandszahlen sich in den letzten 20 Jahren in Niederbayern halbiert haben. Angesichts der vielfältigen offenen Fragen hinsichtlich des Verbotes der betäubungslosen Kastration, der baulichen Vorgaben für Zuchtsauenställe oder der Tierwohlanforderungen sieht er auch für die nächsten Jahre keine Entspannung der Situation. Trotz all der Unsicherheitsfaktoren erwartet Vorstand Willi Wittmann auch für die nächste Zeit erfreuliche Ferkel- und Mastschweinepreise.

Rinderhaltung: Preise enttäuschen Erzeuger

Nicht ganz so erfreulich fiel der Bericht von Prokurist Erwin Hochecker über den Bereich der Rindervermarktung aus. Die Entwicklung der Preise konnte die Erwartungen nicht erfüllen und blieb hinter dem Niveau aus dem Jahr 2018 zurück. Dies ist umso erstaunlicher, als Rindfleisch im Gegensatz zu allen anderen Fleischarten weiter in der Gunst der Konsumenten zulegen konnte. Für diesen Preisdruck sieht der Marktexperte weniger die Auswirkungen des Mercosur-Handelsabkommens als vielmehr die europäischen Wettbewerber in Irland und Polen verantwortlich, die mit erheblichen Mengen den Markt fluten. Besonders Polen hat die Rindererzeugung als einziges EU-Land sogar ausgeweitet, liegt aber im Preisniveau um 20 % unter den deutschen Werten und ist somit ausgesprochen wettbewerbsfähig. Erwin Hochecker verwies aber auch auf die deutliche Diskrepanz, die zwischen Umfrageergebnissen und Verbrauchereinkaufsverhalten liegen. „Der Ernährungsreport sagt aus, dass angeblich 90 Prozent der Verbraucher bereit sind, für bessere Haltungsbedingungen auch mehr Geld auszugeben. Das tatsächliche Einkaufsverhalten an der Theke besagt aber, dass 73 Prozent zu Billigangeboten greifen und bescheidene 27 Prozent den teuren Bio- oder Tierwohlartikeln den Vorzug geben“, zitierte der Rinderexperte der Erzeugergemeinschaft den Report.

Schlachthofstrukturplan konsequent umgesetzt

Da die Forderungen nach erzeugernaher Schlachtung, kurzen Transportwegen und flexiblen Absatzwegen untrennbar mit leistungsfähigen Schlachtbetrieben verbunden sind, konnte der Vorstandsvorsitzende Hans Auer auf die „vorzügliche Konstellation“ in Südbayern verweisen. „Durch die konsequente Umsetzung des Schlachthofstrukturplanes unter aktiver Einbindung der Erzeugergemeinschaft wurden mit den Schweinebetrieben in Vilshofen und Landshut sowie dem Rinderbetrieb in Waldkraiburg Betriebe geschaffen, die für die Zukunft aufgestellt sind und den Kundenanforderungen gerecht werden können“, unterstrich der Vorstandsvorsitzende.