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Direktvermarktung

Der Spargel kann noch mehr

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Melanie Bäumel-Schachtner
am Mittwoch, 12.05.2021 - 14:36

Ein niederbayerischer Spargelanbauer arbeitet an der umfassenden Verwertung der Pflanze. Noch weitere Projekte sind in Planung.

Es herrscht Hochbetrieb auf dem Baumann-Hof in Geiselhöring. Dort wird im Akkord Spargel soweit vorbereitet, dass er in den Handel oder in die Direktvermarktung kann. Auch auf den Feldern des Spargel- und Beeren-Produzenten ist emsiges Arbeiten angesagt.

„Es ist ein gutes Spargeljahr, aber auch ein ruhiges Spargeljahr“, bilanziert Annika Baumann. Die 26-Jährige meint damit, dass es durch die kühle Witterung relativ wenig Spitzen gibt, also Zeiten, in denen der Spargel wegen der Wärme nach oben schießt und sogleich geerntet werden muss. Das „Königsgemüse“ wächst kontinuierlich, in jedem Fall kann genug gestochen werden. „Vom 25. Februar bis zum 25. April wurden beispielsweise 845 000 Kilo Spargel von 347 Erntehelfern gestochen. Das ist schon sehr gut“, bilanziert sie.

Biospargel soll schon 2023 geerntet werden

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Der Betrieb wurde vor 30 Jahren von ihrem Vater gegründet. Er führt die Baumann Spargel + Beeren Agrar KG. Seine Tochter hat vor zwei Jahren die Geschäftsführung der Baumann Vertriebs GmbH und Co KG übernommen und ist für alles zuständig, was mit der Be- und Verarbeitung von Spargel zu tun hat. Sie erschließt sich neue Wege. Derzeit ist sie daran, ihren eigenen Biospargel anzubauen – auf gepachteten Feldern bei Regensburg. „Dort ist der Boden von der Qualität her genial, so dass ich es probieren wollte. Ich möchte mal sehen, ob ich es kann, und es sieht sehr gut aus“, blickt sie in die Zukunft. 2023 könnte der erste Bio-Spargel dort gestochen werden.

Zudem arbeitet Annika Baumann an einem Projekt, in dem die Spargel-Abfälle verarbeitet werden können. Als Hintergrund: Knapp 30 % des angebauten Spargels weisen als Qualität die 1. Klasse auf, 30 Prozent aber werden auch weggeworfen, zum Beispiel die Spargelenden, denn Spargel ist genormt, und eine Stange darf nicht länger als 22 Zentimeter sein. Zudem gibt es ganz krumme, zusammengewachsene oder dicke Stangen, mit denen nichts anzufangen ist. Seit 2018, als wegen der herausfordernden Witterung besonders viel Spargel als Abfall deklariert werden musste, beschäftigt sich die 26-Jährige damit, was aus den Resten hergestellt werden könnte – zum Beispiel Papier oder Verpackung.

Ziel: Erdbeerschalen aus Spargelresten

Ein gemeinsames Projekt mit der Hochschule München (HM) hatte zum Ergebnis, dass sich Spargel grundsätzlich von der Qualität her zur Weiterverarbeitung eignet. Das Projekt ist nun ausgelaufen. „Meine nächste Aufgabe ist es, die Wirtschaftlichkeit zu testen“, erklärt Baumann. Sie arbeitet mit der Firma Ecocraft aus dem Landkreis Deggendorf zusammen, die Pellets herstellt. Und stolz lässt die Geschäftsführerin ein paar Pellets auf den Tisch rieseln – sie sind aus Spargel. Ihr Wunsch: Zum Beispiel Erdbeerschalen aus dem Material herzustellen und so Lebensmittel einer sinnvollen Verwendung zuführen zu können.

Wärme der Papierfabrik sorgt für frühe Ernte

Neue Wege ging der Betrieb auch vor einigen Jahren und ermöglichte, dass bereits im Februar frischer Spargel angeboten werden kann – aus heimischer Produktion. Auf den Feldern in Plattling wird die Abwärme aus der Papierfabrik verwendet, um hier Felder zu heizen und sogenannten Heizspargel anzubauen. Heuer wurde laut Annika Baumann am 18. Januar mit dem Heizen begonnen, am 25. Februar wurden die ersten Stangen gestochen. Mit dem Heizspargel ist man nun aber durch.
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Dieser Heizspargel hat der Firma Baumann im vergangenen Jahr die Saison gerettet, blickt die Geschäftsführerin zurück. „Wir haben massiv davon profitiert, weil wir dadurch schon Arbeitskräfte dahatten – danach ist es mit der Grenzschließung schwierig geworden.“ Auch die diesjährige Ernte steht natürlich unter dem Zeichen der Corona-Pandemie, doch Dank ausgeklügelter Test- und Hygiene-Strategie kann gearbeitet werden. „Unsere Mitarbeiter haben sich mittlerweile an die Tests und die Masken gewöhnt“, so Baumann. Die rund 500 Arbeiter kommen zu 80 % aus Rumänien, es gibt aber auch Teams aus Polen sowie Kroaten, Ukrainer, Mazedonier, Serben und Albaner.

Direktvermarktung wird immer wichtiger

Die Baumanns liefern an Supermärkte, hauptsächlich in Süddeutschland, vereinzelt auch nach Österreich und in die Schweiz. Abnehmer sind des Weiteren Großmärkte in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Und immer wichtiger wird die Direktvermarktung. Im Hofladen, an den Ständen und an Wochenmärkten gibt es die weißen Stangen – und auch den grünen Spargel, der laut Annika Baumann gerade bei den unter 35-Jährigen sehr beliebt ist. Für den weiteren Verlauf der Spargelsaison hat die Geschäftsführerin einen Wunsch: „Es darf so weitergehen wie bisher.“