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Jubiläum

Seit 300 Jahren nur Meiers am Hof

Die zwei älteren Meier-Generationen: Vorne sitzend Alois und Berta Meier, seitlich flankiert von Sonja und Reinhard Meier. Hintere Reihe links Josef und Anna Meier (wohnen in Laub bei Zeitlarn), hintere Reihe rechts Gerlinde und Alois Meier. In der Mitte Marianne und Fritz Biersack (wohnen in Hemau).
Markus Bauer
am Mittwoch, 21.09.2022 - 14:18

Jubiläum einer Landwirtsfamilie ist ein Stück bäuerlicher Geschichte

Das 1976/77 neu gebaute Wohnhaus der Familie Meier, im Hintergrund der Kirchturm der St. Anna-Kirche.

Es ist ein zentrale Anwesen in Eckertshof, zwischen Kirche und Wirtshaus gelegen: Der Hof der Familie Meier – Hausname „Hirs“. Denn seit über 300 Jahren ist dieser Hof ununterbrochen im Besitz der Familie Meier. Mit einem Hoffest für die Familie sowie für die derzeitigen und ehemaligen Eckertshofener wurde dieses nicht alltägliche Jubiläum gebührend gefeiert.

Reinhard Meier, der seit 1991 den Hof besitzt, ist die achte Meier-Generation, die neunte steht schon bereit. Josef Meier, Bruder von Reinhard Meier, weist darauf hin, dass seit 1960 – so weit lässt es sich noch zurückverfolgen – immer drei Generationen auf dem Hof gelebt haben. Das ist auch heute noch so. Denn die hochbetagten Großeltern bzw. Eltern Berta (93) und Alois Meier (88) leben natürlich mit im Haus. Alois Meier war von 1960 bis 1991, also 31 Jahren lang, Besitzer.

Der Hofname „Hirs“ leitet sich vom Vornamen ab

An Alois und Reinhard Meier spiegelt sich außerdem sehr deutlich der Wandel in der Landwirtschaft in den letzten 50 bis 60 Jahren und damit auch die Veränderungen in der Rolle sowie in den Funktionen des Landwirts. Doch zunächst zum Hausnamen: „Hirs“ hat nichts mit der Hirse zu tun, sondern bezieht sich auf den Vornamen der Hofbesitzer von 1764 bis 1848 (zwei Generationen Mathias Meier) bzw. von 1881 bis 1926 (Johann Mathias Meier). In Dokumenten wurde dann wohl der Vorname in seiner verkürzten bayerischen Form „Hirs“ geschrieben, so dass dieser Name als Hausname blieb. Der erste Mathias Meier hat den Hof übrigens am längsten – 50 Jahre (1764 bis 1814) – bewirtschaftet, am zweitlängsten Johann Mathias Meier mit 45 Jahren.

Lange Existenz vom Bauernverband gewürdigt

Der Bayerische Bauernverband hat die lange Existenz des Anwesens bereits im September 1951 und im Februar 2000 mit Urkunden gewürdigt und in die „Altbesitz-Matrikel des Bayerischen Bauernstandes“ eingetragen. Die traditionellen bäuerlichen Tätigkeiten – Ackerbau, Viehzucht, Waldarbeit – prägten auch bis in die jüngste Zeit den Alltag der Familie Meier. Die Viehhaltung machte ein breites Spektrum aus: Neben Milchkühen und Schweinen gab es natürlich auch Hühner und Gänse auf dem Hof sowie Ochsen und ein Pferd als Zugtier. Die auf den Feldern angebauten Früchte dienten zum Verkauf, Eigenbedarf sowie als Futter für die Tiere: Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Kartoffel, Rüben und (später) Mais.

Die Ackerbaufläche umfasst 40 Tagwerk, der Wald 45 Tagwerk. Das Getreide wurde früher nach der Ernte gleich zur Hammermühle (Beilnstein) gefahren und dort weiterverarbeitet.

Knechte, Mägde und genug Arbeit für alle

In früheren Jahrzehnten arbeiteten neben den Familienmitgliedern auch noch ein Knecht und eine Magd auf dem Hirs-Hof mit. Im Gegenzug waren Meier-Kinder mitunter bei benachbarten Bauern beschäftigt. Die Lage des Hofes neben der Dorfkirche brachte für den Hofinhaber eine besondere Aufgabe mit sich – den Mesnerdienst. „Schon als Kind war ich in die Mesnerarbeit des Vaters und Großvaters mit eingebunden“, erinnert sich Alois Meier.

Mesnerdienst als besondere Aufgabe

Inzwischen hat er den Dienst, der in den letzten Jahren weniger geworden ist und sich im Wesentlichen auf das Anna-Patrozinium Ende Juli beschränkt, an Schwiegertochter Sonja und Sohn Reinhard übergeben.

Alois Meier hat die Kirche immer gerne aufgesperrt, wenn etwa Wanderer, Radfahrer oder Touristen einen Blick in das Gotteshaus werfen und dabei ein Gebet verrichten wollten. Für Alois Meier war das möglich. Denn er war Landwirt im Hauptberuf, im Nebenerwerb ging er über die Jahre verschiedenen Berufen und Tätigkeiten nach.

Noch in die Zeit des Vaters von Alois Meier – Josef Meier – fiel im Jahr 1955 der Abriss des alten Stadels und der Bau des neuen Stadels. Ein zentrales Bauprojekt war 1976/77 der Bau des neuen Hauses für die Familie – zu 99 Prozent in Eigenleistung. Einen Stallumbau gab es im Jahr 1985. „Bauen ist immer nötig“, betonen übereinstimmend Alois und Reinhard Meier und sie sind sichtlich stolz auf den schönen Hof im Herzen des Dorfes.

Seit 1991: Landwirtschaft im Nebenerwerb

Mit der Hofübergabe im Oktober 1991 an Reinhard Meier änderte sich auch der Landwirt-Status. Denn der jetzige Hofbesitzer führt einen Handwerksbetrieb (Verputzarbeiten), die Landwirtsarbeit läuft im Nebenerwerb. Natürlich haben die Eltern auch nach der Übergabe noch längere Zeit aktiv mitgearbeitet, so dass die Standbeine aufrechterhalten werden konnten. Doch im Jahr 2001 wurde – nach der BSE-Krise und im Einvernehmen mit den Eltern – die Viehzucht aufgegeben.

Neben den drei Söhnen gehört Tochter Marianne zur Familie des Seniors – und damit ist es an der Zeit, die Leistung der Frauen zu würdigen. Denn ohne sie ginge nichts auf dem Hof. Da sind natürlich Hausarbeit und Kindererziehung, aber auch – wie bei Berta Meier viele Jahre – die Arbeit mit dem Kleinvieh (Hühner, Gänse usw.) und die Gartenarbeit, um frische Nahrung und Lebensmittel auf dem Tisch und zum Verkauf zu haben. Auch gehörte die Stallarbeit zu ihren Tätigkeiten und die Pflege von Vater und Mutter. Genau das obliegt nun vor allem Marianne Biersack und Sonja Meier, die auch Mesnerin für die Dorfkirche ist.

Die Nachfolge auf dem Hof ist gesichert

Blicken wir in die Zukunft: Es wird in jedem Fall eine neunte Meier-Generation auf dem Hirs-Hof geben. „Die Nachfolge ist gesichert“, bekräftigt Reinhard Meier und meint damit seinen Sohn Felix (20), der beruflich Metallbauer ist und in der nun bewährten Form den Hof bzw. das Anwesen eines Tages übernehmen und fortführen wird. Die Töchter von Reinhard und Sonja Meier, Lisa und Julia, gehen anderen Berufen und Interessen nach – und traditionell wurde seit 1720 ja der Hirs-Hof an einen der Söhne vererbt. Und diese Tradition gilt auch nach 300 Jahren noch.