Krisenplanung

Schweinepest: Experten diskutieren Vorgehen

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Externer Autor
am Freitag, 15.05.2020 - 11:28

Niemand weiß, ob, wann und unter welchen Umständen die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch nach Deutschland übergreifen kann.

Landshut - Niemand kann wissen, ob, wann und unter welchen Umständen die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch nach Deutschland übergreifen kann: Der Landkreis Landshut trifft daher unter Federführung von Landrat Peter Dreier und Fachleuten des Veterinäramts seit Jahren vorbeugende Maßnahmen. Dazu gehören auch wiederkehrende Informations-Treffen mit Einsatz- und Fachkräften, von Vertretern der Jägerschaft, der Landwirtschaft über Polizei-Beamte bis hin zu Feuerwehrleuten – also mit denjenigen, die im Ernstfall unverzüglich und sachkundig Hand in Hand arbeiten müssen, um die Schäden so gering wie möglich zu halten.

Entsorgungstonnen und spezielle Mülleimer

Auch zum jüngsten Termin kamen über 50 Repräsentanten dieser Gruppen zusammen, um die aktuelle Lage zu diskutieren. „Die Schweinepest ist den Grenzen Deutschlands sehr nahegerückt“, resümierte Landrat Dreier zu Beginn der Veranstaltung: So seien bereits nur 20 Kilometer von der brandenburgischen und zwölf Kilometer von der sächsischen Grenze entfernt in Polen infizierte Wildschwein-Kadaver gefunden worden. Das zeige, wie richtig und wichtig es war und ist, dass der Landkreis Landshut bereits seit Jahren auf Vorsorgemaßnahmen setzt, betonte Dreier. Er erinnerte daran, dass das Landratsamt zum Beispiel zusammen mit Mitarbeitern weiterer Behörden unter realistischen Bedingungen in einem Wald eine Übung für die Bergung von Wildschwein-Kadavern durchgeführt hat.
In den Kreisbauhöfen in Rottenburg und Vilsbiburg sowie im Bauhof des Marktes Ergoldsbach hat der Landkreis spezielle Entsorgungstonnen für Wildschwein-Abfälle aufgebaut und zusätzlich sind mobile Desinfektions-Stationen angeschafft worden. Zudem sind, wie Dreier ausführte, an den vier Rastplätzen an den Kreisstraßen Abfalltonnen aufgestellt worden: Die sind so gesichert, dass Wildschweine und andere Tiere sie nicht umstoßen können.
An den Rastplätzen sind außerdem Schilder aufgestellt, auf denen in mehreren Sprachen gewarnt wird vor der Gefahr der Übertragung der Tierseuche ASP durch achtlos weggeworfene Lebensmittel. „Wie reell gerade diese Gefahr ist, das zeigen die ASP-Fälle in Belgien, die entlang vielbefahrener Straßen verzeichnet worden sind. Denn offenbar hatten hier Menschen mit dem ASP-Virus kontaminierte Reste ihres Reiseproviants weggeworfen und die wurden dann von Wildschweinen gefressen“, erinnerte der Landrat.

Großes Problem: Mensch als möglicher Überträger

Ein großes Problem stellt der Mensch als Überträger des Virus dar, legten die Fachleute dar: Landwirte, die Schweine halten, müssten zum Beispiel unbedingt nach der Waldarbeit Kleidung und Stiefel wechseln, wenn sie in den Stall gehen. Und für den Ernstfall gelte, dass Feuerwehrleute, die aus beruflichen Gründen oder sonst wie in Berührung mit Schweinen kommen, nicht bei Einsätzen zur Bekämpfung der ASP-Seuche eingesetzt werden können.

Nachsichtgeräte werden großzügig genehmigt

Um die Bejagung und damit Dezimierung der Schwarzwildbestände zu fördern, fährt das Landratsamt Landshut eine großzügige Praxis bei der Genehmigung von Nachtsichtgeräten für Jäger. Alles, was an Vorsorgemaßnahmen getroffen werden könne, müsse getan werde, sagte Landrat Dreier und warnte: „Wenn die ASP ausbricht, dann ist der zu befürchtende wirtschaftliche Schaden für die Region unkalkulierbar hoch.“ Diese Warnung unterstützten auch die BBV-Vertreter eindringlich.