Strukturentwicklung

Schweinehaltung: Die Zeit des Wachstums ist vorbei

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Rudolf Hirsch
am Donnerstag, 26.03.2020 - 11:16

Erzeugergemeinschaft Südbayern informiert Oberpfälzer Mitglieder

Schwarzenfeld/Lks. Schwandorf - Schweinemäster und Ferkelerzeuger müssen sich auf rückläufige Erträge einstellen. „Die Zeit des Wachstums ist vorbei“, ist Hans Auer überzeugt. Der Vorstandsvorsitzende der Erzeugergemeinschaft Südbayern geht davon aus, „dass sich die Schweinebestände auch im Landkreis Schwandorf weiter reduzieren werden“.

Die frühere „Erzeugergemeinschaft für Ringferkel in der Oberpfalz“ schloss sich vor fünf Jahren der „Erzeugergemeinschaft Südbayern“ mit Sitz in Pocking an. Dem 8000 Mitglieder zählenden Dachverband gehören 135 Ferkelerzeuger aus der Oberpfalz an, von denen aktuell 95 an die Erzeugergemeinschaft liefern. Sie trafen sich zur Bezirksversammlung in Schwarzenfeld.

Immer mehr Auflagen und Verordnungen für Betriebe

Das niederbayerisch/oberpfälzische Unternehmen vermarktete im letzten Jahr 1,25 Mio. Schlachtschweine, 1,3 Mio. Ferkel, 72 000 Schlachtrinder und 58 000 Kälber. Vorstandsvorsitzender Auer wertet die Zahlen als Beweis, „dass die Genossenschaft ihre Marktposition trotz des gesellschaftlichen und politisch turbulenten Umfeldes auf stabilem Niveau behaupten konnte“.

Das Verbraucherverhalten hat sich verändert

Doch in Zukunft rechnet er mit „einer deutlichen Reduzierung der Produktion“. Und dies aus zweierlei Gründen: Zum einen verändere sich das Ernährungsverhalten der Verbraucher, „die weniger Fleisch essen“. Zum anderen zwinge der Gesetzgeber mit seinen Verordnungen und Auflagen immer mehr Betriebe zur Aufgabe.
Vorstandsmitglied Willi Wittmann erklärte „das aktuell erfreuliche Marktgeschehen im Ferkel- und Schweinebereich“ mit den Ereignissen in China. Im „größten Schweineproduktionsland der Welt“ seien 200 Mio. Tiere Opfer der Afrikanischen Schweinepest geworden. Vom Sog steigender Nachfrage aus China habe die EG profitiert. Im Inland ging der Absatz von Schweinefleisch dagegen um 8,2 % zurück. Den Trend belegte Wittmann mit Zahlen: „In den letzten 30 Jahren ging die Zahl der Schweine in Bayern um ein Drittel zurück.“ Von den ehemals 92 000 schweinehaltenden Betrieben seien noch „bescheidene 4500“ übrig geblieben. Die Schuld für diese Entwicklung geben die Erzeuger dem Gesetzgeber, der ihnen immer mehr Auflagen aufbürde: Beispiel „Ferkelkastration“.

Noch stimmen Erlöse bei Schweinen und Ferkeln

Die lokale Betäubung sei in den europäischen Nachbarländern gängige Praxis, sagte Wittmann, in Deutschland aber nicht erlaubt. Was die Schweinemäster und Ferkelerzeuger derzeit noch bei der Stange halte, seien die Erlöse. Wittmann rechnet auch in Zukunft mit „erfreulichen Ferkel- und Mastschweinepreisen“.
Zuversichtlich stimme ihn auch das Gefühl, „dass die Verbraucher den Bauern zuhören und den Dialog mit ihnen suchen“. Der EG-Vorstand begrüßt, „dass praxistaugliche Verbrauchervorschläge aufgegriffen und umgesetzt werden“. Gemeinsam werde man alles tun, um sich den kommenden Herausforderungen zu stellen.