Marktverwerfungen

Schweinehaltung: Probleme werden immer größer

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Gerd Kreibich
am Dienstag, 01.12.2020 - 07:39

Stadler sieht die niederbayerische Schweineproduktion in akuter Gefahr

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Niederbayerns BBV-Bezirkspräsident Gerhard Stadler fordert schnelle Hilfen und Unterstützung für die Schweinehalter. „Für die niederbayerischen Schweinehalter entwickelt sich die derzeitige Situation zur größten Krise seit Jahrzehnten“, warnte Stadler eindringlich. Die Preise für Schlachtschweine und für Ferkel hätten sich in den letzten Monaten in Folge von Corona und ASP nahezu halbiert.

Hinzu kommen noch coronabedingte Schutzmaßnahmen in der Fleischwirtschaft mit der Folge eingeschränkter Schlachtkapazitäten, so dass die Schlachttiere wesentlich länger als geplant auf den Betrieben bleiben müssen und zusätzlich Geld kosten. Diese Situation betrifft in der Folge auch die Ferkelerzeuger, weil die Mäster bei fehlendem Absatz auch nur verzögert Ferkel einstallen können.

„Die Stimmung bei den Betrieben ist sehr angespannt. Lange werden unsere Schweinehalter diese schwierige Situation nicht durchhalten können“, befürchtet Stadler. Seiner Ansicht nach drohen nachhaltige Existenzvernichtungen.

Hifsprogramm muss auf den Weg gebracht werden

In dieser schwierigen Situation fordert Stadler, das Corona-Hilfsprogramm auch für schwer betroffene Tierhalter zu öffnen, deren Umsätze vergleichbar zu anderen Branchen in den letzten Monaten massiv eingebrochen sind. Ergänzend sei auch ein Liquiditätshilfsprogramm für besonders betroffene Betriebe zu prüfen. Darüber hinaus ist alles zu unternehmen, dass mit angepassten Hygienekonzepten und erweiterten Arbeitszeitregelungen in den Schlachthöfen der Rückstau bei den Schlachtungen abgebaut werden kann und coronabedingte Ausfälle vermieden werden.

Zahl der Halter und der Tiere schrumpft weiter

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Stadler fordert Lebensmittelhandel und Verarbeiter auf, alles daran zu setzen, das Erzeugerpreisniveau wieder anzuheben und die schwierige Situation nicht alleine auf die Erzeuger abzuwälzen. Schließlich entstehe ein immenser Schaden für die gesamte Branche, wenn die bäuerliche Tierhaltung wegen der katastrophalen Rahmenbedingungen aus Bayern noch weiter zurückgedrängt wird und in andere Regionen abwandert.

„Allein in den letzten 20 Jahren hat sich nicht nur die Anzahl der Tierhalter auf einen Bruchteil reduziert, sondern auch die Anzahl der Zuchtsauen in Bayern hat sich halbiert und die Mastschweinehaltung ist um 20 Prozent zurückgegangen“, rechnet Stadler vor. Viele Betriebe stehen aber jetzt vor hohen Investitionen zur Umsetzung von Tierschutz- und Umweltauflagen.

„Diesen politisch und gesellschaftlich gewollten Umbau werden die Betriebe nur leisten können, wenn sie ausreichend Wertschöpfung erzielen können. Deshalb ist jetzt dringend Unterstützung erforderlich, denn sonst werden noch viele Betriebe, die zur regionale Versorgung mit Lebensmitteln beitragen, ihre Tore für immer schließen“, mahnt der Bezirkpräsident.

Wenig Vertrauen in den Lebensmitteleinzelhandel

Der Landshuter BBV-Kreisobmann Georg Sachsenhauser hat wenig Vertrauen in ein Einsehen durch den Lebensmitteleinzelhandel. Der aktuelle extreme Erlösverfall sei letztendlich auf die ruinöse Preispolitik des Handels zurückzuführen. Corona und Schweinepest würden von den Handelsketten geradezu ausgenutzt, um bei denErzeugern noch niedrigere Preise durchzusetzen. „Heute sind wir hier auf dem Niveau der 80er Jahre, aber mit den Kosten von heute“, erklärt der Kreisobmann, der eine bittere Bilanz zieht: „Wir sitzen auf den steigenden Kosten bei sinkenden Erlösen, andere verdienen sich eine goldene Nase.“

Eine ähnliche Stimmung herrscht auch in einer anderen „Schweinehochburg“, dem Landkreis Rottal-Inn. Erzeuger Josef Reitberger machte gegenüber dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt klar, dass die aktuellen Preise den Bauern regelrecht „die Luft abschnüren“. Es könne nicht sein, so Reitberger, der auch Vorsitzender des Schweinemastrings Rottal-Inn ist, dass hier „sehenden Auges eine ganze Branche an die Wand gefahren wird“. Es sei jetzt an der allerhöchsten Zeit für die Politik, endlich effektiv zu handeln, „leere Versprechungen bringen uns gar nichts“.