Schwarzwild-Invasion stoppen

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Christian Melis
am Dienstag, 18.12.2018 - 14:32

BBV-Vertreter aus Nieder- und Oberbayern informieren sich im Bayerischen Wald.

Wie der Wildschwein-Invasion Herr werden? Egal, ob bei der Kirrung, an der Suhle, am Wechsel oder an Wiesen und Feldern angesessen, auf der Pirsch oder auf Bewegungsjagd – eine komplette Rotte von der Bache bis zum letzten Frischling auf einen Streich zu erwischen ist fast unmöglich. Fast, denn die Methode „Saufang“ gerät als zusätzliche Regulierungsmethode zunehmend in den Fokus. Mit dem Saufang rückt die Jägerschaft im Bayerischen Wald den Tieren oft zu Leibe. Wie das funktioniert, das schauten sich jetzt eine Abordnung von BBV-Funktionsträgern im Bereich Jagd, Jagdberater und Vertreter der Unteren Jagdbehörde aus den Kreisverbänden Mühldorf, Altötting und Rottal-Inn im Nationalpark Bayerischer Wald an. Ziel der Tages-Lehrfahrt war ein Waldstück am Rande des Nationalparks, wo die Besuchergruppe um Fachberater Josef Blindeneder von Michael Penn, einem der letzten Berufsjäger im Bayerwald, empfangen wurden.

Nahe Schönau ging es durchs Holz des Nationalparks. Franz Baierl von der Nationalparkverwaltung – er ist der Sachgebietsleiter für Jagd und Forst – zeigte anhand einer Karte die Aufteilung des Parks. In den grauen Zonen dürfe bejagt werden, in dreiviertel der Fläche (grün) gibt es keine Jagd und damit auch keinen Saufang. „Dort fällt kein Schuss“, betonte er. Die Jagd auf Rehwild wurde nach und nach in den Jahren 2007 und 2011 ganz eingestellt. Nur fürs Rotwild gibt es vier Wintergatter und einen teilweisen Abschuss.

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Anders schaut es beim Wildschwein aus: Weil es manchmal in die Ortschaften kommt wie in den Nachbarort Waldhäuser und auch Schaden anrichtet, muss der Bestand reguliert werden, zumal dieser tendenziell zunimmt.

Besonderheit ist hier die Methode der Saufänge, die hier schon seit 30 Jahren praktiziert wird. Zuständig für die Genehmigung ist die Untere Jagdschutzbehörde, die meistens die Veterinärbehörden und den Kreisjagdberater hinzuzieht. Ob ein Saufang am Ende genehmigt wird, sei von Landratsamt zu Landratsamt verschieden.

Es gibt unterschiedliche Arten, zwei davon, ein fest installierter und ein mobiler, der auf Anhängern transportiert wird, wurden gezeigt. Das Prinzip ist recht einfach. Ein elastischer Zaun, 40 cm eingegraben und maximal 1,60 m ab dem Boden herausragend, umschließt ein Areal. Ein Tor mit Falltür versperrt oft mehreren Tieren den Ausgang, sobald ein Tier das Fallholz ausgelöst hat.
„Es dreht sich alles ums Futterangebot“, wie Berufsjäger Michael Penn erläuterte. Mit Körnermais werden die Tiere nach und nach in die Falle gelockt. Das Konzept älterer Falltüren entspreche aber nicht unbedingt den Unfallverhütungsvorschriften. Warnhinweise müssen angebracht und die Anlage überwacht werden. Oft gibt es auch Auflagen wie Übersteige oder von innen zu öffnende Türen, die Personen aus der Klemme helfen. Passiert sei aber noch nichts. Demgegenüber gibt es auch Fallen-Konzepte mit Drehtüren, die freilich im Winter aufgrund der Witterung problematisch sein können.

Weniger Stress für die Tiere

Mit acht stationären und acht mobilen Saufängen wird im Nationalpark gearbeitet. Die Fangmethode habe ihre positiven Seiten im Vergleich zur Ansitz-Jagd: „Es gibt keine Sauen, die angeschossen durch den Wald irren oder Frischlinge ohne Bache.“ Für die Tiere bedeute diese Methode weitaus weniger Stress als eine Treibjagd. Auch wenn mit dem Saufang schon eine ganze Gruppe aus einem Dutzend Tiere gefangen werden konnte, es sei „nicht die alleinige Methode“, um den Bestand zu regulieren. Eingesetzt werden können die Fallen, wo regelmäßig Sauen vorhanden sind und es Probleme gibt. „Der Saufang kann helfen mit dem entsprechenden Kirrkonzept“, so der Berufsjäger.