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Schnelle Lösungen für Engerlingplage gefordert

Maikäfer (Melolontha melolontha), Engerling
Melanie Bäumel-Schachtner
am Dienstag, 06.07.2021 - 11:54

Landespolitiker besuchen die Engerling-Schadensflächen in Freyung-Grafenau. Die Engerlinge könnten existenzbedrohend für die örtliche Landwirtschaft sein. Gespräche mit den Ministerien sind angedacht.

Klafferstraß/Lks. Freyung-Grafenau Dunkle Gewitterwolken bauten sich diese Woche über den großen Weiden von Landwirt Siegfried Jäger in Klafferstraß auf. Diese Unwetterfront über den friedlich grasenden 100 Milchkühen des Betriebs steht für Landtagsabgeordneten Manfred Eibl (Freie Wähler) exemplarisch dafür, was sich da in den Bayerwaldkreisen zusammenbraut. Es ist Maikäferflugjahr – und damit Hochzeit für seinen Nachwuchs, die Engerlinge, die sich durch die Wurzeln des Grünlands fressen und es absterben lassen.

Deutliche Verluste durch die Engerling-Plage

„Die Engerlinge werden existenzbedrohend für die Landwirte“, glaubt Eibl. Er will zusammen mit der Fraktion daher ein Pilotprojekt für die vier vom Maikäfer besonders getroffenen Landkreise Freyung-Grafenau, Passau, Regen und Deggendorf ins Leben rufen, um die Engerlinge zu bekämpfen. Den Bayerischen Bauernverband haben die Freien Wähler hinter sich.

Siegfried Jäger ist BBV-Kreisobmann im Landkreis Freyung-Grafenau und er macht sich größte Sorgen über das, was die Maikäfer anrichten: „Seit der Engerlingproblematik ist bei uns der Gewinn um 75 Prozent eingebrochen“, schildert er die Dramatik.

Massive Ausfälle bei der Ernte befürchtet

Bei seinen 100 Kühen fehlen durch den Schädling im Jahr 150 000 Liter Milch, bilanziert er. Reinhard Hofmann, stellvertretender Kreisobmann in Passau, kann diese Erfahrungen in seinem Landkreis nur bestätigen.

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Das Maikäfer-Flugjahr im Bayerischen Wald bedeutet laut BBV-Geschäftsführer Stefan Hageneder einen massiven Ernteausfall im kommenden Jahr für die Landwirte Ostbayerns, weil sich die Engerlinge durch das Wurzelwerk der Wiesen fressen und diese großflächig absterben. Der Maikäfer sei für zahlreiche Schäden auf den Grünlandflächen in der Region verantwortlich. Diese Problematik sei bereits seit zwei Jahren ein großes Thema. Der BBV hat sich daher um ein Treffen mit Dr. Leopold Herz, Ausschussvorsitzender für Landwirtschaft und Forsten im Landtag, MdL Hans Häusler und Manfred Eibl (alle Freie Wähler) bemüht.

Schon in den vergangenen zwei Jahren sei es Ziel gewesen, die Landwirte in der Region mit geeigneten Maßnahmen zu unterstützen. Kreisobmann Siegfried Jäger erinnert an die entstanden Schäden der vergangenen Maikäferplage: „Die betroffenen Landwirte verloren ein Jahr Futterernte und mussten die Kosten der Neueinsaat der Wiesen tragen.“ Aus diesem Grund erhoffe er sich eben eine finanzielle Unterstützung sowie eine langfristige Strategie gegen den Engerling und die Käfer.

Einsatz von Insektiziden darf kein Tabu mehr sein

Und das bedeutet im Klartext: Es ist auch im Gespräch, ein Insektizid einzusetzen. Dass diese Maßnahme auch Rückhalt in der Bevölkerung findet, habe, so der Kreisobmann, eine Online-Befragung ergeben. Die Engerlingpopulation könnte man durch den Einsatz von Kalkstickstoff in den Griff bekommen, besagen Studien. In Grünflächen, die Teil des Kulturlandschaftsprogramms sind, darf Kalkstickstoff zu diesem Zweck aber nicht verwendet werden.

Für Manfred Eibl und seine Fraktionskollegen gibt es nur eine Lösung: „Wir brauchen eine Eilentscheidung für ein Pilotprojekt in den vier betroffenen Landkreisen, dass Kalkstickstoff auf Kulap-Flächen gegen die Engerlinge eingesetzt werden darf. Ein Ausstieg aus dem Kulap ist dagegen auf keinen Fall eine Option“, machte der Perlesreuter deutlich.

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Deshalb wollen die Abgeordneten in den kommenden Tagen auf den bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) zugehen, um eine schnelle Lösung zu finden und auch mit der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) an einen Tisch kommen. „Die Zeit drängt. Es droht eine Versteppung der Landschaft, die nicht nur die Existenz unserer Landwirte bedroht, sondern auch Auswirkungen auf alle Bürger hat“, mahnte Eibl an.

Bei lokalen Gesprächen zwischen dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und dem Bayerischen Bauernverband sowie Naturschutzorganisationen und etlichen Behörden wurde bisher keine Lösung gefunden. Derzeit aber legen die Maikäfer gerade ihre Eier in die Wiesen. „Im August muss gehandelt werden, wir können nicht warten“, waren sich Eibl, Herz und Häusler einig. „Wir brauchen jetzt Maßnahmen, auch wenn sie nicht populär sind“, betonte Leopold Herz.