Direktvermarktung

Mit schicken Läden zum Erfolg

Foto Tresen (002)
Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Donnerstag, 08.04.2021 - 13:22

Die Direktvermarktung erlebt durch die Pandemie einen enormen Aufschwung. Ein ästhetisch gestalteter Verkaufsraum ist dabei von Bedeutung.

Der niederbayerische Direktvermarktertag, der jährlich vom Beraternetzwerk Direktvermarktung Niederbayern veranstaltet wird, fand 2021 coronabedingt erstmals als Online-Veranstaltung statt. Unter dem Motto „Direktvermarktung – modern und ästhetisch umgesetzt“ informierten sich die Teilnehmer zum Themengebiet „Architektur und Warenpräsentation in der Direktvermarktung“. Als Fazit und wichtige Erkenntnis stand schnell fest: Das Auge kauft mit, ein ästhetisch gestalteter Verkaufsraum ist durchaus von Bedeutung.

Direktvermarktung erlebt einen starken Aufschwung

Mechthild Schmidhuber, Abteilungsleiterin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Deggendorf, führte in die Veranstaltung ein. „Die Direktvermarktung erlebt durch die Corona-Pandemie derzeit einen enormen Aufschwung“, konnte sie berichten und sie beschreibt auch die Gründe für diese Entwicklung: „Die Menschen haben mehr Zeit, zuhause zu kochen und können sich mehr Zeit für den bewussten Einkauf nehmen.“ Der bereits in den vergangenen Jahren vorherrschende Trend zu mehr Regionalität in der Lebensmittelauswahl habe sich damit noch deutlich verstärkt, sagte Schmidhuber und fuhr fort: „Um die hohe Qualität zu unterstreichen und die Wertschätzung für die Produkte zu erhöhen gilt es, die Produkte in einem entsprechenden Ambiente zu präsentieren.“

Architektur darf durchaus auch etwas mutiger sein

Im Einstiegsvortrag zeigte Referent Dr. Hermann Kolesch unter dem Titel „Zeitgemäße Genusskultur und die Spielregeln für eine erfolgreiche Direktvermarktung“ an vielen Beispielen auf, wie ein ansprechendes Umfeld, eine angenehme Verkaufsatmosphäre und das Erlebnis auf den Kunden wirken.
Um am Markt erfolgreich zu sein, seien eine mutige Architektur mit besonderem Design, ein authentisches Konzept genauso wie ein klares Statement zur eigenen Region sowie besondere Dienstleistungen durchaus auch Erfolgsfaktoren. „Wichtig dabei ist es auch, Emotionen und Erlebnisse mit den Produkten zu verbinden“, erklärte der Experte. Die Genusswelt und damit die Produkte sollten mit Ästhetik verknüpft werden, die sich von der Architektur des Hofladens über die Beleuchtung und Möblierung bis hin zur Verpackung der Produkte äußern kann. „Direktvermarkter sollten ihren Kunden Orientierungshilfe geben, also Einblicke in Erzeugungsverfahren, das Riechen und Schmecken der Produkte sowie die damit verbundenen Bräuche und Traditionen“, ist Kolesch überzeugt.

Der beste Einstieg ist ein starkes „Aha-Erlebnis“

Die Bedeutung der Warenpräsentation bei der Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten stellte Referent Daniel Kükenhöhner in seinem Vortag „Unsere Produkte im richtigen Licht – erfolgreiche Warenpräsentation und Marketing in der Direktvermarktung“ vor. Gleich zu Beginn betonte der Referent, dass es wichtig sei, den Kunden mit einem „Aha-Erlebnis“ zu überraschen und mit dem entsprechenden Ambiente zu begeistern. „Die strategische Planung des Kundenlaufs im Hofladen hat einen enormen Einfluss auf die Verweildauer im Laden sowie auf die Kundenzufriedenheit und damit letztendlich auch auf den Umsatz“, sagte Innenarchitekt Kükenhöhner.
Anhand vieler Fotos erläuterte der Referent, wie die Ware durch die Beleuchtung in den Fokus gerückt werden kann. Um das Einkaufen im Hofladen zum Erlebnis zu machen, sollten Themenwelten geschaffen und die Kunden auf emotionale Art und Weise angesprochen werden – und er sorgte damit durchaus für ein „Aha-Erlebnis“ bei den Tagungsteilnehmern.

Genussregion: Plattform für regionale Vielfalt

Lukas Dillinger, Projektleiter der „Genussregion Niederbayern“ am Amt für Ländliche Entwicklung in Landau, stellte die Ziele und Schwerpunkte der Genussregion Niederbayern vor. Diese soll als Plattform für Vernetzung, Bildung, Vermarktung und Kommunikation im regionalen Lebensmittelmarkt fungieren. Dabei stellte er auch das geplante Projekt „Wald.Wild.Wirtshaus“ vor, das den Schwerpunkt auf die Kooperation mit der heimischen Gastronomie legt.

Auch der Automat kann etwas „Styling“ vertragen

Zum Baurecht bei der Aufstellung von Automaten und Selbstbedienungshäuschen referierte Rainer Mense, Architekt und Bauberater am AELF Coburg. Als Praxisbeispiel präsentierte Mense eine moderne Automateneinhausung, den sogenannten „Cube“. Betonspaltenelemente als einfache, aber effektvolle Möglichkeit der Umhausung setzen die mit Produkten der Direktvermarkter gefüllten Automaten wirkungsvoll in Szene.

Foto Cube

Wie moderne Architektur in der Direktvermarktung erfolgreich umgesetzt werden kann, stellte Martin Stiegler von „FrankenGenuss“ vor. Der Direktvermarkter mit Schwerpunkt Haselnussanbau gewann mit seinem modernen Hofensemble 2019 den Deutschen Landbaukulturpreis. Stiegler präsentierte seine Vermarktungswege über den Hofladen, die „Genuss-Schmiede“, den Online-Shop sowie Confiserie und die Gastronomie. Die gläserne Produktion ermöglicht den Kunden den direkten Einblick in den Herstellungsprozess.

Zum Abschluss fasste Schmidhuber vom Amt Deggendorf zusammen, dass gelungene Architektur nicht nur unter dem Aspekt der Gestaltung von Gebäuden zu sehen sei, sondern mittlerweile als enorm wichtiges Marketinginstrument in der Direktvermarktung fungiere.