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Umwelt

Sauberes Wasser geht doch alle an

Einigkeit bei der heftigen Kritik an neuen Regelungen: Die Bezirksvorstandschaft des BBV in Niederbayern mit Bezirkspräsident Siegfried Jäger (l.) und Bezirksbäuerin Claudia Erndl (r.) hat kein Verständnis für die Ausweitung der Roten Gebiete.
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Gerd Kreibich
am Dienstag, 25.10.2022 - 10:28

Der BBV Niederbayern kritisiert deutlich die Ausweitung Roter und Gelber Gebiete.

Landshut „Und wieder wird der Landwirtschaft eins draufgesattelt“, mit diesen klaren Worten zeigte sich der neue BBV-Bezirkspräsident von Niederbayern Siegfried Jäger im Rahmen der Bezirksversammlung des BBV-Niederbayern sichtlich verärgert über die neue, nochmals vergrößerte Gebietskulisse der Roten und Gelben Gebiete. Was ihm besonders aufstößt: „Es wird schon wieder der Eindruck erweckt, die Grundwasserqualität in Bayern sei schlecht und es wird schon wieder versucht, die Landwirtschaft als Übeltäter hinzustellen“, kritisiert der BBV-Bezirkspräsident. Doch die Fakten sehen, unterstreicht Siegfried Jäger, ganz anders aus: „Bayern steht im Vergleich der Bundesländer in Bezug auf die Grundwasserqualität sehr gut da.“

Bayerisches Wasser ist von hoher Qualität

Laut Jäger unterschreiten rund 90 % des bayerischen Grundwassers den Nitrat-Schwellenwert von 50 mg/l. „Das Rohwasser der Trinkwasserbrunnen erfüllt im Schnitt sogar zu rund 97 Prozent ohne jegliche Aufbereitungsmaßnahmen die Nitrat-Qualitätsnorm von 50 mg/l, das ist doch enorm gut!“, so Jäger, der für die ständige Kritik an der Landwirtschaft in diesem Bereich kein Verständnis mehr hat. Umso unverständlicher ist für ihn die erneute Ausweitung der Roten Gebiete, in denen verschärfte Auflagen für die Bauern zur Düngung gelten.

Im Rahmen der Verbändeanhörung zur Ausführungsverordnung zur Düngeverordnung (AVDüV) hat das Bayerische Landwirtschaftsministerium eine überarbeitete Kulisse der nitratsensiblen und eutrophierten Gebiete (Rote bzw. Gelbe Gebiete) nach Düngeverordnung vorgelegt. Im Rahmen der Bezirksvorstandssitzung des BBV Niederbayern wurden diese neuen Kulissen jetzt ausführlich gesichtet und diskutiert.

Ureigenes Interesse an sauberem Trinkwasser

Doch zuvor stellte der Bezirkspräsident in Übereinstimmung mit Bezirksbäuerin Claudia Erndl klar: „Wir Landwirte haben doch ein ureigenstes Interesse an sauberem Trinkwasser und ausreichenden Wasservorräten.“ Die Bezirksbäuerin Claudia Erndl nennt aktuelle Beispiele: „Unsere Landwirte im Bereich Straubing-Bogen betreiben gemeinsam mit den Stadtwerken eine Kooperation zum Schutz des Trinkwassers, und das funktioniert sehr gut, die Nitratwerte sinken und sind stabil“, so Erndl.

Aber auch weitere Einflüsse auf das Grundwasser diskutierten die anwesenden Landwirtinnen und Landwirte. „Undichte Abwasserkanäle sind nachweislich für etwa acht Prozent des Nitrateintrags ins Grundwasser verantwortlich. Phosphat aus Kläranlagen macht satte 50 Prozent der Phosphateinträge in den Oberflächengewässern aus“, betonte BBV-Bezirkspräsident Jäger. Für die Landwirte steht deshalb fest: „Sauberes Wasser ist ganz einfach eine Gemeinschaftsaufgabe und darf nicht alleine den Landwirten aufgebürdet werden“, sagt Kreisobmann Franz Schreyer vom BBV Straubing-Bogen. Stefan Rothlehner, stellvertretender Kreisobmann des BBV im Kreis Dingolfing-Landau zeigte sich verwundert, dass im Rahmen der Neuausweisung manche Gebiete auf einmal von rot nach grün wechseln und umgekehrt. „Wie soll ich das meinen Bauern erklären?“, wollte er wissen. Hier sei die Agrarpolitik jetzt endlich Antworten schuldig.

Mehr Messstellen müssen endlich angelegt werden

In dieser ersten Bewertung forderte der Bayerische Bauernverband im Bezirk Niederbayern von der bayerischen Staatsregierung vor allem eine höhere Anzahl an Messstellen und Ausnahmemöglichkeiten. „Wir sehen die aktuelle Vorgehensweise zur Neuabgrenzung der Roten Gebiete äußerst kritisch. Für eine nachvollziehbare Gebietsabgrenzung brauchen wir vor allem geeignete und ausreichend Messstellen.“

Wichtig sei laut Jäger auch, dass diejenigen Betriebe, die innerhalb der Roten Gebiete nachweislich gewässerschonend wirtschaften, von den Auflagen ausgenommen werden– und er will deshalb diese Fragen jetzt intensiv auf der politischen Ebene diskutieren.