Veranstaltung

Von Rössern und politischen Zugpferden

Berching
Lorenz Märtl
am Freitag, 14.02.2020 - 08:23

Drei „große Schwarze“ beim Berchinger Rossmarkt im Blickpunkt.

Berching

Berching/Neumarkt i. d. Opf. - Für die Percheron-Wallache „Titan“ und „Freddy“, die ansonsten mit ihrem Besitzer Stefan Wölker aus Vilseck auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr Holz rücken, ist der Berchinger Rossmarkt alljährlich ein ganz besonderer Termin. Es hat Tradition, dass ihnen das „politische Zugpferd“ nach der Kundgebung für die Fotografen und Fernsehkameras in die Zügel greift.

Da musste heuer auch Innenminister Joachim Herrmann ran. Er posierte sichtlich mit Respekt mit den großen Schwarzen und war erleichtert als alle ihre Bilder im Kasten hatten. Seine Ministerkollegen Albert Füracker und Hubert Aiwanger mussten (noch) zuschauen.

Zur Traditionsveranstaltung kamen bei winterlichen Temperaturen auch heuer weit über 10 000 Zuschauer, die sich am Auftrieb der rund 100 edlen Rösser erfreuten, erstmals mit viel Fachwissen von Pferdewirtschaftsmeister Peter Lerch kommentiert.

Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich wertete den großen Andrang – nicht nur was die politische Prominenz und Vertreter aus Ämtern, Behörden und Organisationen betraf – als Beweis dafür, dass der Rossmarkt als größtes Wintervolksfest Bayerns „ein starkes Symbol unserer ländlichen Tradition ist“. Der Bauernjahrtag, traditionell einen Tag nach Lichtmess, habe angesichts der Bedeutung der Landwirtschaft im Landkreis Neumarkt nach wie vor seine Bedeutung. Mit 220 Betrieben – davon 70 im Vollerwerb – und einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von rund 7000 ha sei Berching die größte Landwirtschaftsgemeinde.

Sonderpreis für Mohrenkopfhengst

Eingehend auf die Proteste der Bauern gegen überbordende Vorschriften und Einschränkungen forderte Eisenreich „eine andere Wertschätzung und faire Preise für die qualitativ hochwertigen Produkte.“ Eine klare Absage kam zur geplanten Juraleitung P 53. Solidarisch mit den demonstrierenden Bürgerinitiativen verwies er darauf, dass Berching im Hinblick auf regenerative Energien seine Hausaufgaben gemacht habe und mehr Strom erzeuge als man selbst verbrauche.

Innenminister Joachim Herrmann, der zum zweiten Mal als Redner zum Rossmarkt gekommen war, sprach von einem großartigen Ereignis als Ausdruck der landwirtschaftlichen Tradition Bayerns. „Wir stehen zur Landwirtschaft“, versprach Herrmann und ermunterte die Verbraucher, auch auf die Produkte aus der Region, erzeugt von einer zukunftsfähigen Landwirtschaft, zurückzugreifen. Es sei das Gebot der Stunde „miteinander und nicht übereinander“ zu reden. Umwelt- und Klimaschutz könne man nur mit den Landwirten gemeinsam machen.

Angesichts der prächtigen Pferde hatte die Bewertungskommission bei der Preisvergabe keine leichte Aufgabe. Die Ehrenpreise gingen heuer an Reinhold Stieg, Bernheck (Kaltblut), Helmut Schreiber, Rennertshofen (Warmblut), Monika Zweig (Shetty), und an Michaela Streb, Ellingen, deren Familie bereits seit 46 Jahren zum Berchinger Rossmarkt kommt. Über einen Sonderpreis für das schönste Pferd durfte sich Markus Weissmann aus Breitenbrunn freuen, der in Berching einen Noriker-Mohrenkopfhengst präsentierte.