Tierexport

Rindertransport: Bundesweite Regelung nötig

Tiertransport
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Gerd Kreibich
am Donnerstag, 19.09.2019 - 14:51

Landshuter Landrat verweigert wieder Vorzeugnisse für bestimmte Tiertransporte

Landshut/Ndb. Das Veterinäramt Landshut wird erneut bis auf Weiteres keine Vorzeugnisse für den Transport von Rindern in Länder wie Usbekistan, Kasachstan oder Turkmenistan ausstellen. Der Landshuter Landrat Peter Dreier bekräftigte diese Haltung durch eine entsprechende Weisung, über die er am Dienstag auch die Medien informierte. „Ausschlaggebend für diese Entscheidung ist ein aktueller Bericht von Amtstierärzten und Landestierschutzbeauftragten aus verschiedenen Bundesländern, die klar aussagen, dass entlang der Haupttransportrouten durch Russland keine Entlade- und Versorgungsstellen zur Verfügung stehen, um einen rechtskonformen Transport zu gewährleisten“, so der Landrat. Damit sei für ihn klar: „Es ist weder juristisch noch moralisch erlaubt, die Vorzeugnisse zu erteilen. Man kann nicht von uns verlangen, dass wir uns an dieser offensichtichen Tierquälerei indirekt beteiligen“, bestätigte der Landrat auf Anfrage des Wochenblattes.

Keine oder ungeeignete Versorgungsstationen

Bei einer offiziellen Besichtigungsreise im August haben amtliche Veterinäre aus verschiedenen Bundesländern die Route mit den in den Transportberichten angegebenen Entlade- und Versorgungsstationen in Russland angefahren und geprüft. Das Ergebnis: Alle der angegebenen Stationen in den Regionen Smolensk und Samara – hier verläuft der Großteil der Hauptrouten von Drittlandexporten aus Europa – existieren entweder nicht oder sind nicht dafür geeignet, um den Tieren die nach EU-Recht vorgeschriebene Rast und Versorgung zu gewähren. Bei den „Versorgungsstationen“, habe es sich, wenn sie überhaupt existierten, zum Teil um halbverfallene Scheunen oder offene Heulager gehandelt, so Landrat Dreier. Bei einer der angegebenen Adressen in der Moskauer Innenstadt handelte es sich um die Hauptverwaltung der Veterinärfachbehörde, eine andere Versorgungsstation habe sich noch im Umbau befunden und sei noch nicht durch die russischen Behörden zugelassen.
„Für mich steht fest: Es wäre also nicht zu vermeiden, dass den Tieren bei diesen tagelangen Transporten lange anhaltendes Leid zugefügt wird. Wir können und werden uns nicht an dieser systematischen Tierquälerei beteiligen“, unterstrich der Landrat in einer Erklärung. Er habe deshalb den Amtstierärzten Weisung erteilt, weiterhin keine Vorzeugnisse mehr für Transporte in Drittländer wie Usbekistan, Turkmenistan oder Kasachstan auszustellen.

Aktuell hat das Veterinäramt aufgrund dieses Berichts die Vorzertifizierung von neun aus dem Landkreis Landshut stammenden Kalbinnen verweigert, die in dieser Woche mit dem Ziel Usbekistan hätten verladen werden sollen. Und dies soll laut Landrat Dreier auch bis auf Weiteres so bleiben: „Wir werden keine Vorzeugnisse mehr für diese Transporte ausstellen, bis das Bundeslandwirtschaftsministerium bemerkt, dass nicht alle Verantwortung auf die Länder abgeschoben werden kann“, betont Dreier. Ministerin Julia Klöckner und ihre Verwaltung dürften über diese offensichtliche Tierquälerei nicht einfach hinwegsehen. Dringend notwendig sei eine bundesweit einheitliche Regelung, denn: „Es kann nicht Aufgabe der Länder und Landkreise sein, die Qualität der Versorgungsstationen in Russland zu prüfen“, machte der Landrat deutlich.