Kampagne

Ein Rekord-Rübenjahr wird es nicht

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Melanie Bäumel-Schachtner
am Freitag, 01.10.2021 - 07:22

Die Rübentransporter aus der Region rollen wieder in das Werk im Landkreis Deggendorf. Die Rübenkampagne 2021in Plattling dürfte wohl nur durchschnittlich ausfallen.

Ist das Leben noch so trübe, es lebe hoch die Zuckerrübe – unter dieses Motto hat ein Mitarbeiter von Südzucker den Beginn der diesjährigen Kampagne gestellt. In Plattling startete sie offiziell am 14. September, seither rollen wieder die Rübentransporter aus der Region in das Werk im Landkreis Deggendorf. Nach den ersten Kampagnentagen zeigt sich: Ein Rekord-Rübenjahr wird es nicht werden, aber es liegt wohl im guten Durchschnitt.

Ein bisschen Sonne wäre jetzt noch ganz recht

Wenn in Plattling weißer Rauch aufsteigt, dann wird kein neues Kirchenoberhaupt gewählt, sondern die Maschinen bei der Firma Südzucker laufen auf Hochtouren. Rauch ist es ja eigentlich nicht, es sieht nur so aus – es ist Dampf, der bei der Trocknung der Schnitzel frei wird. Heuer ist die Kampagne früher gestartet als im Vorjahr, laufen wird sie bis Mitte Januar. „Es hat alles reibungslos begonnen“, freut sich Bereichsleiter Wolfgang Vogl. Will heißen: Die Maschinen laufen, ausreichend Transportfahrzeuge stehen parat und auch das Wetter passt. „Bei der Ernte wünschen wir uns viel Sonne“, sagt Benjamin Kirchberger, Leiter der Rohstoffabteilung Bayern. So können die Rüben ohne Probleme vom Feld transportiert werden.

Überhaupt ist Sonne das Stichwort für die Südzucker-Verantwortlichen: Der Sonnenschein Anfang und Mitte September hat den Rrüben noch einmal richtig gutgetan. „Die Pflanzen sind groß gewachsen und konnten durch die Wärme jetzt noch einmal Zucker produzieren“, sind sich Vogl und Kirchberger einig.

Ertrag dürfte bei 95 Hektartonnen liegen

Dennoch kann nicht alles aufgeholt werden: Das Jahr über war es zu wenig sonnig, sodass das Ziel, ein Rekordjahr zu schaffen, verpasst wurde. Genaue Zahlen veröffentlicht Südzucker aus kartellrechtlichen Gründen nicht. Allerdings rechnet Kirchberger heuer mit einem Ertrag von knapp 95,5 Tonnen pro Hektar. Der Zuckergehalt soll nach Schätzungen etwas über 16,7 % liegen. Die Anbaufläche im Vergleich zum Vorjahr ist laut Kirchberger um drei Prozent gestiegen. 211 feste Mitarbeiter, 16 befristete Angestellte und 24 Azubis arbeiten heuer bei der Kampagne mit.

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Wolfgang Vogl betont die Reinheit des heimischen Zuckers: „Wir gewinnen ihn, indem wir ihn aus der Rübe rauswaschen. Das bedeutet, es ist kein chemischer Prozess.“ Seit 2014 macht sich Südzucker für Biodiversität stark und bietet Landwirten Samenmischungen für Blühstreifen. Rund 1600 Blühstreifen sind so an den Rübenäckern entstanden. Deshalb hat das Unternehmen nun eine Zucker-Sonderaktion namens „Blühwiese“ auf den Weg gebracht. Das enthaltene Süßungsmittel ist herkömmlich, doch auf der Verpackung sprießen bunte Blumen. „Wir wollen so auf dieses wichtige Thema aufmerksam machen.“ Das Thema „Bio“ sei beim Zucker zwar präsent, nehme aber nur langsam Fahrt auf.

Nachdem im Januar 2021 der letzte Rübenlaster der letzten Kampagne vom Hof gerollt war, gab es Investitionen von rund sieben Millionen Euro bei Südzucker in Plattling. Es gibt eine neue Maschine, die Zuckersäcke mit Folien verpackt, neue Zentrifugen, zudem wurden die Schmutzwasserleitungen erneuert. Allerdings macht der Fachkräftemangel auch vor Südzucker in Plattling nicht Halt. Nicht alle freien Ausbildungsstellen konnten heuer besetzt werden, fünf Plätze wären derzeit noch frei.