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Tierschutz

Rehkitze sicher vor dem Mähtod retten

Rehkitz
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Redaktion Wochenblatt
am Donnerstag, 14.04.2022 - 09:00

Es gibt viele Möglichkeiten, um Rehkitze beim Mähen zu schützen. Doch dabei ist einiges zu beachten, betont der Bayerische Jagdverband.

Es ist jedes Jahr eine Herausforderung: Das natürliche Verhalten von Rehkitzen, sich ins hohe Gras zu ducken, macht die Kitze in Kombination mit ihrem gepunktetem Fell nahezu unsichtbar. Rehkitze werden hauptsächlich im Mai und Juni gesetzt. Die Geiß lässt die anfangs geruchlosen Kitze in ihren Verstecken im hohen Gras zurück und besucht sie nur zum Säugen. Erst mit ein paar Wochen, wenn sie kräftig genug sind, folgen die Kitze ihrer Mutter.

Die Überlebensstrategie der Rehkitze schützen sie zwar gut gegen Beutegreifer wie Fuchs und Rabenkrähe, wirken sich bei der Wiesenmahd jedoch verheerend aus. Jedes Jahr werden Rehkitze, Junghasen und viele am Boden brütende Vogelarten und deren Junge durch Mähwerke getötet, heißt es vom Bayerischen Jagdverband. Nicht nur sich drückende Jungtiere seien gefährdet, auch bereits mobiles Jungwild und sogar erwachsene Tiere können von den rasanten Mähwerken erwischt werden. Grundsätzlich werde hier öffentlich meist von den Mahdverlusten beim Rehwild gesprochen, allerdings seien insbesondere auch Feldhasen, Hühnervögel und deren Nachwuchs davon betroffen, teilt der Jagdverband mit.

So können Rehkitze gerettet werden

Um sogenannte Mähverluste so gering wie möglich zu halten, ist die gute Zusammenarbeit zwischen Landwirt und Jägern von Bedeutung. Bereits seit Jahren gibt es hervorragende Beispiele der Zusammenarbeit zwischen Revierinhabern, Landwirten und weiterer Beteiligter. Momentan ist ein Anstieg eigentlich unbeteiligter Personen zu verzeichnen, die sich in dieser Thematik einbringen wollen, um das Jungwild vor dem Mähtod zu bewahren. Der von der Landesanstalt für Landwirtschaft erstellte Mähknigge stellt ein mittlerweile bewährtes Hilfsmittel für alle Beteiligten dar. Vom richtigen Zeitpunkt über die Mähmethode bis hin zu verschiedenen Maßnahmen, um Kitze vorab in Sicherheit zu bringen – ist im Mähknigge zusammengefasst.

Vor allem für die Rettung der Rehkitze gibt es viele verschiedene Methoden, deren Umsetzung ist relativ einfach und deren Wirkung ist unmittelbar feststellbar. Um eine hohe Wirkung zu erzielen, ist die Wahl des Zeitpunktes der Maßnahmen entscheidend. Direkt vor der geplanten Mahd ist der ideale Zeitpunkt um die Kitze aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Ein Durchgehen der Wiesen oder „prophylaktisches“ Aufstellen von Scheuchen, bereits mehrere Tage vor der Mahd, ist wirkungslos, da dann ein Gewöhnungseffekt einsetzt, so dass die Kitze nach einer kurzen Abschreckung wieder in die Wiese zurückgebracht werden.

Viele technische Möglichkeiten

Grundsätzlich ist festzustellen, wenn Rehgeißen Veränderungen oder mögliche Gefahren in der Nähe der Kitze wahrnehmen, holen sie ihren Nachwuchs und legen sie an einem anderen Platz ab. Durch störende Objekte, die auf der zu mähenden Wiese aufstellt werden, wird dieser Effekt erreicht. Dazu kann man Scheuchen, Baustellenlampen, Stöcke mit Plastiksäcken, Leintüchern oder dergleichen aufstellen. Den gleichen Effekt bewirken modernere Rehkitzretter, welche in unregelmäßigen Abständen unterschiedlich blinken und Töne von sich geben. Diese müssen einen Tag zuvor aufgestellt werden, damit sich die Geiß nicht daran gewöhnen kann und die Kitze wieder zurückbringt.

Verschiedene Hersteller auf dem Markt bieten Geräte an, welche auf die Mähwerke montiert werden und mittels eines unangenehmen Tons das Wild zum Aufstehen bewegen sollen. Um ganz junge Rehkitze, welche sich bei Gefahr nur ducken und nicht fliehen, zu retten, ist diese Maßnahme leider nicht ausreichend.

Am Tag vor der Mahd besteht die Möglichkeit im Randbereich des Feldes einen Streifen zu mähen. Das empfindet die Rehgeiß als Störung und holt eventuell ihr Kitz aus der Wiese.

Drohnen sind wichtige Hilfe

Drohnen In den frühen Morgenstunden können Wiesen, die am selben Tag gemäht werden, mit Drohnen abgeflogen werden. Die Drohnen verfügen über eine Echtbild- und eine Wärmebildkamera. Die hochsensible Wärmebildkamera misst und visualisiert die Temperaturen am Boden, wodurch deutlich wärmere Objekte erkannt werden können und die versteckten Rehkitze sichtbar werden.

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Dies stellt die momentan schlagkräftigste Methode dar, denn hier kann eine Fläche von mehreren Hektar in wenigen Minuten abgesucht werden, eine entsprechende Vorbereitung und entsprechende Helfer vorausgesetzt. Der Bayerische Jagdverband setzt sich nach eigenen Angaben seit vielen Jahren dafür ein, dass dieses System flächendeckend angewendet wird.

Die Wiesen direkt vor der Mahd zu Fuß abzusuchen, stellt eine weitere Maßnahme dar. Dabei treffen sich möglichst viele Helfer, die in regelmäßigen Abständen die komplette Fläche nach Kitzen absuchen. Da die Kitze im hohen Gras gut versteckt sind, darf der Abstand zwischen den suchenden Personen nicht zu weit sein. Hunde können dabei leider kaum helfen, da auch für sie die Kitze geruchlos und somit perfekt getarnt sind. Dies ist auch eine gute Möglichkeit Interessierte oder auch Schulklassen mit in die Jungwildrettung einzubinden.

So wird das Kitz gesichert

Wenn ein Kitz gefunden wird, sollte es ohne direkten Körperkontakt aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Grasbüschel eignen sich hervorragend, um den menschlichen Geruch bei der Aufnahme eines Kitzes zu überdecken. Damit die Kitze nicht zurück in die Wiese flüchten, sollten sie so lange in einer Kiste oder Box (z.B. Obststeige) gesichert werden, bis die Wiese fertig gemäht ist. (phs)

Ein Artikel auf Basis einer Pressemitteilung des Bayerischen Jagdverbandes.