Bundestagswahl

Politiker im Kreuzfeuer

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Melanie Bäumel-Schachtner
am Dienstag, 07.09.2021 - 07:46

Ordentlich unter Beschuss geraten sind die beiden Bundestagsabgeordneten Thomas Erndl (CSU) und Rita Hagl-Kehl (SPD), beide zuständig für den Landkreis Deggendorf.

Deggendorf -  Die beiden Politiker stellten sich bei einer Infoveranstaltung des BBV den sehr kritischen Fragen der Landwirte in Seebach bei Deggendorf. Die Politik sehe untätig zu, wie die Landwirtschaft in Bayern zugrunde geht, so der Tenor der Vorwürfe.

Bauern fühlen sich in ihrer Existenz bedroht

Stellvertretender BBV-Kreisobmann Josef Waas fasste eingangs die Probleme zusammen, mit denen der Bauernstand zu kämpfen hat. Das Verbot der Anbindehaltung, die derzeit noch 60 Prozent der Landwirte praktizieren, ein befürchteter Rückgang der Produktion im Rahmen der CO2-Einsparung, zu wenig Bekenntnis zu konventioneller Landwirtschaft, stagnierende Schwierigkeiten bei der Düngeverordnung und ein ungebremster Flächenverbrauch liegen den Bauern seinen Worten nach nicht nur im Magen, sondern bedrohen ihre Existenz.

Ein betroffener Landwirt ließ seiner Wut freien Lauf. Es heiße immer, die Politiker nehmen die Themen mit nach Berlin, sagte er. Was er dann aber vermisse, seien die Taten: „Ihr tut eh nix. Ihr redet nur“, rief er in den Saal. Ein anderer Wortbeitrag bemängelte, die Politik laufe zu sehr Meinungen hinterher, anstatt wissenschaftliche Erkenntnisse umzusetzen. Man habe den Eindruck, dass mancher Politiker hier Angst habe vor klaren Argumenten.

Bauern müssen auch einmal „Krawall machen“

Rita Hagl-Kehl konterte und sagte, der Bauernverband müsse „mehr Krawall machen“, um gerade auch für die kleinen Betriebe etwas zu erreichen. Dies vermisse sie bisweilen. Sie forderte zudem ein einheitliches deutsches Label für Fleisch, das aus Tierwohl-Betrieben kommt, denn mehr Aufwand müsse auch bezahlt werden. Sie stellte sich hinter die Betriebe, die von der Engerling-Plage im Bayerischen Wald betroffen sind. Diesen müsse unter die Arme gegriffen werden. Zudem rief sie dazu auf, die Erkenntnisse der Borchert-Kommission umzusetzen.

Die Finanzierung muss sichergestellt sein

Die Finanzierung dieser Ziele müsse aber sichergestellt werden, sagte Thomas Erndl. Auf Konsens stieß seine Vorgehensweise. Er bat darum, gemeinsam genau das Ziel zu definieren, das man mit der Landwirtschaft erreichen wolle, und klar zu formulieren, dass es in der heimischen Landwirtschaft um Wertschöpfung und Versorgungssicherheit der Lebensmittel geht.

An einen Tisch setzen und Kompromisse suchen

Dafür müsse man sich an einen Tisch setzen und auch bereit sein, Kompromisse einzugehen. Damit meinte er auch die Naturschützer. Zudem brauche es Planungssicherheit für die Landwirte. Auflagen dürfen sich nicht ständig ändern.
Kreisbäuerin Rosmarie Mattis erklärte: „Wir brauchen eine Politik, die hinter den Landwirten steht, sonst sehe ich wirklich schwarz.“ Gerade die jungen Landwirte brauchen ihr zufolge eine Zukunftsperspektive: „Sie sehen derzeit keinen Sinn mehr, die Betriebe weiterzuführen.“ Wenn die Politik hier nicht endlich einen neuen und klaren Weg einschlage, dann könnte es sein, dass sich bald keine Hofnachfolger mehr finden würden für die heimischen landwirtschaftlichen Betriebe, so die Kreisbäuerin.