Austausch

Politik trifft auf Sorgen der Landwirte

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Markus Bauer
am Freitag, 13.08.2021 - 12:29

Bei einem Hofgespräch informierten sich Bundestagsabgeordnete im Landkreis Regensburg über aktuelle Probleme der Landwirtschaft. Es gab viel zu besprechen.

Hagelstadt/Lks. Regenburg Sachlich und dennoch kritisch: Das war der Grundtenor des Hofgesprächs im Anschluss an einen interessanten Flurgang, an dem mit den Abgeordneten Peter Aumer (CSU) und Stefan Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) nur zwei Politiker teilnahmen. Ulrich Lechte (FDP) und Marianne Schieder (SPD) hatten kurzfristig abgesagt. Die Veranstaltung fand auf dem Betrieb des stellvertretenden BBV-Kreisobmanns Thomas Scheuerer statt, weshalb ihm auch federführend die Leitung und Durchführung oblag.

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Neben den beiden Bundestagsabgeordneten hieß Scheuerer Kreisobmann Johann Mayer, Bezirks- und Kreisbäuerin Rita Blümel, BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann, die Mitglieder der BBV-Kreisvorstandschaft und den Vorsitzenden der Jungbauernschaft in der Oberpfalz Sebastian Baierl willkommen. Die Entwicklung, Lage und Struktur seines Betriebs (Spezialisierung auf Ackerbau seit 1983) stellte Scheuerer kurz vor, wobei er auch den Aspekt der Biodiversität und die damit zusammenhängenden Aspekte betonte.

Konkretisieren konnte Scheuerer, der seit 2020 auch 1. Bürgermeister von Hagelstadt ist, diese und weitere Fakten beim Flurgang entlang der von ihm bearbeiteten Felder. Dabei ging es um Erosion, Pflege und Düngung der Früchte beim biologischen bzw. traditionellen Anbau, Vorkommen und Behandlung von Pilzen und Schädlingen. „Hier sind Lösungen nötig, sonst stellen einige Landwirte den Betrieb ein“, meinten etwa Johann Biener, Präsident des VlF auf Bundesebene, im Süden des Landkreises Regensburg zuhause, und Albert Robold, Sprecher der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer in der Oberpfalz.

Die Situation vor Ort betrachten

Kreisobmann Mayer wies auf die Problematik Bewässerung/Beregnung hin und gab zu bedenken, dass keine Gleichmacherei angebracht sei, sondern die jeweilige Situation vor Ort betrachtet werden müsse. Speziell im Süden des Landkreises, wo der Anbau von Gemüse zunimmt, sei dies zu beherzigen. An die Politiker appellierte er, den Landwirten das nötige Vertrauen zu schenken.

Die Gemüsebäuerin Lucia Gröschl gab Einblicke in ihre Arbeit. So ist etwa die Schlauchtropfbewässerung bisweilen problematisch, da Vögel die Schläuche kaputt machen. Weiter ging es um Gewässer (Langenerlinger Bach), deren Renaturierung, um Grünstreifen und deren Bearbeitung, die bei diesen Bedingungen nun wieder heimisch werdenden Tiere (z. B. Kiebitze), die verschiedenen Getreidearten und deren Vermarktung (Getreidequalität, Mühlen, Bäcker) und die Regionalität. „Regional allein ernährt den Landwirt nicht, auch überregionale, ja weltweite Vermarktung ist wichtig“, betonte Rita Blümel.

Das Hofgespräch leitete BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann mit einem Hinweis auf den „10-Punkte-Katalog der bayerischen Land- und Forstwirtschaft zu den Bundestagswahlen 2021“, die jedem Teilnehmer ausgehändigt wurden, ein. Besonders auf den Punkt „Wahrung des Eigentums“ und damit verbunden die Versorgungssicherheit wies er hin. Als Beispiele führte er die Randstreifen und die Rückführung der Viehhaltung (Halbierung) an. „Es prasselt nur noch auf uns ein. Der Landwirt stellt sich den Herausforderungen, aber die dafür nötige Zeit und Finanzierung sehen wir nicht“, so Wittmann. Johann Biener sprach das Dilemma selbst für Kommunalpolitiker an, die oft zwischen Naturschutz, Tierschutz und Ernährung abwägen müssten. „Die Landwirtschaft fällt oft hinten runter“, so der vlf-Präsident. Daher kam der Vorschlag, den Klimaschutz und die Ernährungssicherheit im Paket im Grundgesetz zu verankern.

Rita Blümel

Dem konnte Peter Aumer nicht folgen. „Wenn man jede Selbstverständlichkeit in das Grundgesetz schreiben will, dann stimmt es in der Gesellschaft nicht mehr“, meinte der CSU-Abgeordnete. Stefan Schmidt dazu: „In der Zieldimension sind wir uns einig, aber man kann es nicht über das Grundgesetz erreichen.“ Aumer stellte mit dem Südostlink den Bezug zum Eigentum her und kann nicht verstehen, dass „jedes Bodendenkmal höher bewertet“ werde als das Eigentum des Landwirts.

Auf die ihrer Meinung nach schlechte, ja letzte Position der Bauern in der Wertschöpfungskette wies Rita Blümel hin, Existenzängste und Druck – auch durch den Lebensmitteleinzelhandel – führte Geschäftsführer Wittmann an. Dazu kämen das Baurecht, Gesetze bzw. die Bürokratie (oft zu viel und zu schnell bzw. mit Widersprüchen). „Die Bauern sagen: ‚Die Politik hat uns verlassen‘“, fasste Josef Wittmann zusammen.

Für alle Seiten tragbare Kompromisse finden

„Die Zeit läuft zu schnell und die Landwirte trifft es am härtesten, weil sie in vielen Bereichen involviert sind“, stellte Peter Aumer fest und forderte ein Ringen um für alle Seiten tragbare Kompromisse. Die auf drei Ebenen agierende Politik, dazu den Lebensmitteleinzelhandel, die Zukunftskommission usw. nannte Stefan Schmidt. „Das ist eindeutig zu viel und zu unterschiedlich für die Bauern. Wir müssen in eine klarere Linie kommen, das Ganze unter ein vernünftiges Dach bringen“, forderte der Grünen-Abgeordnete. Er gab aber auch zu, dass Politiker oft auch von anderen Getriebene sind, insbesondere gelte dies auch für den Bereich der Agrarpolitik.

Kreis- und Bezirksbäuerin Blümel sprach am Ende einer von Sachlichkeit geprägten Veranstaltung die Schlussworte, verbunden mit dem Dank an die zwei Politiker und die Mitglieder der BBV-Kreisvorstandschaft.