Wanderausstellung

Ökologischer Landbau hat Zukunft

Bund Naturschutz Ausstellung zum Ökolandbau
Lorenz Märtl
am Donnerstag, 12.08.2021 - 10:35

In Neumarkt eröffnet der Bund Naturschutz eine neue Wanderausstellung zum Ökolandbau. Sie soll aktiv bei Verbrauchern für „das Modell der Zukunft“ werben.

Neumarkt Eine Wanderausstellung zum Ökolandbau soll zeigen, „dass der ökologische Landbau das Modell der Zukunft ist“. Dies betonte Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz, bei der Eröffnung der Wanderausstellung im Einkaufszentrum „Neuer Markt“ in Neumarkt in der Oberpfalz. BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner konzipierte die Ausstellung. Sie betonte: „Der Bio-Anbau bietet auch weltweit gesehen trotz geringerer Erträge ausreichend Nahrung für alle.“ Die Wahl des Eröffnungsorts begründete der BN damit, dass die Region Neumarkt mit einem großen Netzwerk an Ökobauern, der Ökomodellregion und dem Ökobierpionier Neumarkter Lammsbräu gut unterwegs sei.

Ein beachtlicher Faktor im Landkreis

Dass der ökologische Landbau im Landkreis Neumarkt ein beachtlicher Faktor sei, verdeutlichte AELF-Behördenleiter Harald Gebhardt. 10 % der landwirtschaftlichen Betriebe und 14 % der Fläche laufen ökologisch. Das sind 196 Betriebe mit knapp 9000 ha. Sandra Foistner, Projektmanagerin der seit 2014 bestehenden Öko-Modellregion, erklärte, dass ein Großteil der regional erzeugten Bio-Produkte auch in der Region verarbeitet werde. Sie lobte aber auch das Engagement der Bio-Erzeuger, die mit dem Bau eines Getreidelager für Druschfrüchte einen wichtigen Beitrag zur Infrastruktur geleistet haben. Dies sei nicht nur Selbsthilfe, sondern ein großer Pluspunkt für diejenigen, die umstellen möchten. Zuversichtlich zeigte sie sich angesichts der vielen Engagierten im Landkreis, die Umstellung auf ökologischen Landbau und den Ausbau der Vermarktungsstrukturen für Bioprodukte weiter voranzubringen und die Bewusstseinsbildung zu fördern.

Das bekräftigte Öko-Pionier Dr. Franz Ehrnsperger, der die Brauerei Neumarkter Lammsbräu zu einem ökologischen Vorzeigebetrieb geformt hat: „Wir haben viele Verbraucher, die bereit sind, ökologisch erzeugte Lebensmittel zu kaufen und eine Menge Bauern, die umstellen wollen.“ Auch mit dem Getreidelager für ökologische Druschfrüchte sei der Landkreis Neumarkt dank der Ökomodellregion Vorreiter.

Als „Urgestein der Öko-Szene im Landkreis“ empfand Demeter-Bauer Erwin Ehemann, der seinen Betrieb bereits 1978 umgestellt hat, späte Genugtuung. Er erhofft sich von der Ausstellung einen weiteren Schub. Aufhorchen ließ die Entwicklung seines Betriebes: aus den anfangs 17 Hektar sind durch Zupachtung mittlerweile über 100 geworden, „Flächen, die uns von Betrieben, die aufgaben, angeboten wurden.“ An einem Wettbewerb um Pachtpreise beteiligt man sich aber nicht. „Wir zahlen einen bestimmten Preis und nehmen die Fläche, wenn er akzeptiert wird.“
Dass die Umstellung funktioniert, konnte Kreisbäuerin Sieglinde Hollweck aus Erfahrung berichten, nachdem der eigene Betrieb umgestellt hat: „Man braucht Durchhaltevermögen.“ Daher müsse jeder Landwirt diese Entscheidung individuell treffen.

Kooperatives Miteinander ist besonders gefragt

Stellvertretende Landrätin Susanne Hierl zeigte sich erfreut über den eingesetzten Bewusstseinswandel. Neumarkt als Modellregion mit den vielen Biobetrieben biete beste Voraussetzungen für eine kontinuierliche Weiterentwicklung im kooperativen Miteinander. Dem konnte für die Gemeinden im Landkreis Bergs Bürgermeister Peter Bergler nur beipflichten. Als Biobauer im Nebenerwerb, der vor seinem politischen Amt in der Landwirtschaftsberatung tätig war, stellte er fest, „dass es nicht immer einfach ist, einen neuen Weg zu gehen“. Mittlerweile würden immer mehr Menschen diese Idee in kleinen Schritten voranbringen.
Die Ausstellung kann bis 21. August im Einkaufszentrum „Neuer Markt“ Neumarkt besichtigt werden. Anschließend wird sie im September und Oktober in München und Wartaweil am Ammersee gezeigt.