Äpfel und Birnen

Obsternte: Flüssiges Gold aus dem Lallinger Winkel

Birne
Eleonore Ladebeck
am Freitag, 08.11.2019 - 09:42

Herbst ist Erntezeit – auch in der „Obstschüssel“ des Bayerischen Waldes im Lallinger Winkel.

Lalling/Lks. Deggendorf - Zu verschiedenen Zeiten reiften hier die verschiedenen Apfel- und Birnensorten heran. Dabei wurden die Tafeläpfel immer von Hand gepflückt um eine lange Haltbarkeit des Obstes sicherzustellen. Die Streuobstbauern verkauften dies Äpfel auch ab Hof oder auf den Märkten.

Die Deggendorfer Landfrauen mit Kreisbäuerin Rosmarie Mattis, ihrer Stellvertreterin und Lallinger Ortsbäuerin Heidi Wenig und Annemarie Lallinger, Mitglied der Landfrauen-Vorstandschaft, trafen sich jetzt in der Mosterei am Apfelhof von Gerard Lallinger, um zu zeigen, wie man aus Fall- und Streuobst schmackhaften Most herstellt. Zunächst wurden die angelieferten Äpfel gewaschen, zerkleinert und durch die moderne Bandpresse geschoben. Heraus kam ein goldfarbener Saft. Zurück blieb der Apfeltrester, dieser ist keineswegs Abfall, „er wird von den Jägern im Winter an das Wild verfüttert“, so Lallinger.

Um nun den Apfelsaft haltbar zu machen, entfernte der sogenannte Seperator, eine Art Zentrifuge mit 6000 Umdrehungen, den frischen Saft von Apfelresten und Schwebstoffen. Im Anschluss wird er Saft auf 80 Grad erhitzt und sofort in dem warmen Zustand in sogenannte Saftcontainer abgefüllt. „Durch das erhitzen ist de Saft mindestens 2 Jahre haltbar“, so Annemarie Lallinger.

Auch die Herstellung von Most, für den der Lallinger Winkel so bekannt ist, erklärte Lallinger den Landfrauen anschaulich. Zunächst wird der Apfelsaft frisch von der Presse in große Gärfässer gefüllt – ohne vorher erhitzt zu werden, auch die Schweb- und Schlackenstoffe bleiben drin. Dann kommt Hefe dazu, sie lässt den Saft vergären, das dauert ca. drei Monate. Wichtig ist: in dieser Zeit darf kein Sauerstoff dazu kommen, der Gärspund lässt entstehende Gase mit Blubbergeräuschen entweichen. Sobald sich keine Gase mehr bilden, ist der Gärprozess abgeschlossen. Abgefüllt wird der Most ebenfalls zum größten Teil in Bag-in-Beutel und ein kleiner Teil in Flaschen.

Neben der Mosterei, die Gerard Lallinger als sein Hobby bezeichnete – er presst in erster Linie für den eigenen Bedarf im Hotel mit Gastwirtschaft und für den Verkauf, aber auch als Lohnmosterei für jeden, der Saft aus dem eigenen Obst haben möchte – hat er eine weitere Leidenschaft Er besitzt Brandrecht und stellt edle Obstbrände her. Abschießend probierten die Landfrauen den frischen Apfelsaft und Most vom letzten Jahr, dazu servierte Gerard Lallinger – wie soll es anders sein – frische lauwarme Apfelkücherl aus der Küche seiner Frau Sophie. Zur kleinen Apfelbrotzeit besuchten auch die amtierende Mostkönigin Anna I. und Bürgermeister Josef Streicher die Landfrauen auf dem Apfelhof.