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Explodierende Betriebsmittelpreise

Milchpreise decken die Kosten nicht

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Helga Gebendorfer
am Dienstag, 03.05.2022 - 09:42

Milchhof Landshut: Die Betriebsmittelpreise expoldieren. Die Erzeugerpreise hinken hinterher. Die Milchhof Landshut Genossenschaft weist auf die auseinandergehende Schere bei den Preisen hin.

Altfraunhofen/Lks. Landshut Seit einigen Monaten überschlagen sich die Preise förmlich – sowohl hinsichtlich Betriebsmittelkosten als auch Erlöse für unsere Produkte. Dies stellte Vorstandsvorsitzender Georg Steckenbilller bei der Generalversammlung der Milchhof Landshut Genossenschaft im Vilserwirt fest. Leider stellte er dabei auch fest, dass die erzielten Erzeugerpreise bei weitem nicht ausreichen, um die sehr hohen Betriebsmittelkosten wie Futtermittel, Dünger und besonders Treibstoffkosten zu decken. „Vor allem im Milchbereich reichen die momentanen Milchpreise bei weitem nicht für alle Kosten“, fügte er hinzu und dachte dabei an die extrem hohen Preise für Milchleistungsfutter sowie gvo-freien Soja- oder Rapsschrot.

Gentechnik-freies Futter wird ständig teurer

Gleichzeitig forderte er einen 5 Cent-Aufschlag für die gvo-freie Fütterung. Denn es werde immer schwieriger, gvo-freie Futtermittel zu bekommen und vor allem sie zu bezahlen. Sollte der Handel nicht bereit sein, für gvo-frei erzeugte Milch einen bedeutend höheren Preis zu zahlen, würden sich die Milchbauern gezwungen sehen, die Fütterung ihrer Tiere wieder auf ein konventionelles System umzustellen. „Handel und Verbraucher können eben nicht nur den höchsten Standard fordern, sondern müssen dann auch bereit sein, einen angemessenen Preis dafür zu bezahlen“, teilte er mit.

Mitgliederzahlen:Trend zeigt nach unten

Nach Angaben von Steckenbiller gehören der Genossenschaft derzeit noch 243 Mitglieder, davon 222 Milchlieferanten, an. „Der Trend nach unten lässt sich nicht aufhalten“, kommentierte er. Die Milcherzeuger lieferten 2021 an das Hofmeister Käsewerk insgesamt 77,65 Mio. kg Milch. Der Milchpreis betrug dabei einschließlich Vertragsprämie und Nachzahlung 38,175 Cent/kg. „Zu wenig ist es immer, aber ich glaube wir sind im Vergleich zu anderen Molkereien gut dabei“, meinte er.

Robert Hofmeister blickte in seinem Vortrag auf den Milchmarkt und informierte über Neuheiten in seinem Unternehmen. „Ich kann keine konkrete Marktprognose stellen, denn angesichts des Ukrainekriegs verändern sich Märkte unvorstellbar schnell“, meinte er. Allerdings ging der Molkereichef davon aus, dass die Lebensmittelversorgung mehr und mehr in den Fokus rückt und die Preise anziehen werden.

Sorgen bereitete ihm die sinkende Milchmenge und das Energieproblem. „Wir sitzen in einem Boot und nur gemeinsam können wir diese Katastrophe meistern“, rief er den Milcherzeugern zu und bat diese, langfristig zu denken.

„Die Landwirtschaft rückt angesichts der Lebensmittelversorgung aus ihrem Schattendasein wieder in den Mittelpunkt und die Wertschätzung ihr gegenüber hat stark zugenommen“, begrüßte Aufsichtsratsvorsitzender Wilhelm Finkenzeller, der mit dem Verbot der Anbindehaltung von einem Strukturbruch bei den Betrieben ausging.

Milchkuh: Wichtigstes Tier der Kreislaufwirtschaft

Er erinnerte daran, dass Milchkühe die wichtigsten Nutztiere der Kreislaufwirtschaft sind. „Ich hoffe, dass nun dauerhaft erkannt wird, dass eine gut organisierte Landwirtschaft existenziell für das Volk ist – egal ob Nahrungsmittel- und Energieversorgung oder Naherholung und intakte Umwelt. Das funktioniert aber nur, wenn Ökologie und Ökonomie im Gleichgewicht sind.“

Kostendeckende und höhere Erzeugerpreise

Auch Kreisobmann Georg Sachsenhauser forderte höhere und kostendeckende Erzeugerpreise. „So darf es nicht weitergehen. Eine heimische Erzeugung ist damit nicht zu verwirklichen“, stellte er fest und verwies darauf, dass die Landwirte die Verbraucher mit gesunden Lebensmittel versorgen.

Bei den turnusmäßigen Wahlen wurde Stephan Schindlbeck aus Mühlen in den Vorstand und Wilhelm Finkenzeller aus Jesendorf in den Aufsichtsrat wiedergewählt. Hermann Tausend aus Plaika, Gerzen, schied aus dem Gremium aus. Es gab keine Nachwahl, da dem Aufsichtsrat aufgrund der sinkenden Milchanlieferungsmenge künftig eine Person weniger angehört. Dr. Stefanie Gabler vom Bayerischen Genossenschaftsverband überreichte Wilhelm Finkenzeller und Hermann Tausend eine Urkunde als Anerkennung für deren 15 Jahre Tätigkeit im Aufsichtsrat.