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Naturwälder

Mehr Urwald in die Gesellschaft bringen

Wildnis vor der Haustür: Forstdirektor Horst Dieter Fuhrmann der Bereichsleiter Forst beim AELF Amberg-Neumarkt, Harald Schiller  der Leiter des Forstbetriebs sowie der Revierleiter Michael Ludwig (v. r.) vor einer eindrucksvollen Felsformationen im Grafenbucher Forst.
Lorenz Märtl
am Freitag, 09.12.2022 - 07:53

Bei Neumarkt wird die Natur sich selbst überlassen

Neumarkt i.d.Opf. Naturwälder haben für die Biodiversität in den Wäldern eine große Bedeutung. Dies bekräftigten der Leiter des Forstbetriebs Allersberg, Harald Schiller, der vor Ort zuständige Revierleiter des Forstbetriebs Michael Ludwig und der Bereichsleiter des Landwirtschaftsamtes Amberg-Neumarkt, Forstdirektor Horst Dieter Fuhrmann, bei einer Begehung im Grafenbucher Forst im Landkreis Neumarkt.

Hier bleiben Naturwälder sich selbst überlassen und sollen für die Gesellschaft „Urwald“ erlebbar machen. „Gerade im Klimawandel gibt es hier entsprechende Referenzflächen, die aufzeigen, was passiert, wenn keine steuernden Eingriffe erfolgen“, betont Harald Schiller.

Naturwälder werden intensiv erforscht

Diese Flächen werden durch die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft intensiv erforscht. In Bayern sind mittlerweile rund 58 000 Hektar als Naturwälder ausgewiesen. Das ist nach den Worten von Forstdirektor Fuhrmann mehr Wald als im gesamten Landkreis Neumarkt mit seinen rund 40 000 Hektar.

Der kleine Flecken im Grafenbucher Forst mit seinen eindrucksvollen Felsformationen und den uralten Bäumen ist eine Seltenheit, sagt Revierleiter Ludwig. Dieser Trittstein – so werden die kleineren Naturwälder bezeichnet, von denen ein dichtes Netz die Wälder Bayerns durchzieht – dient vielen Arten als äußerst wichtiger Lebensraum. „Die alten Buchen mit ihren vielen Höhlen und abgestorbenen Ästen werden von Spechten, Fledermäusen und vielen Insekten besiedelt“, erläuterte er beim Termin vor Ort.

Nestbäume für Habicht und Schwarzstorch

Als Besonderheit sind im Grafenbucher Forst die sogenannten Horstbäume zu sehen. Diese gibt es aber nicht nur im Naturwald, sondern auch im bewirtschafteten Wald. Solche Horstbäume dienen Großvögeln wie Habicht, Bussard, Milan, aber auch dem Schwarzstorch als Nestbäume. Auch heuer hatte hier der sehr seltene Schwarzstorch auf einem der Bäume sein Nest gebaut und Nachwuchs aufgezogen.

Harald Schiller betont, dass diese Vogelarten im Umfeld ihrer Horstbäume vom Beginn der Brut bis zum Flüggewerden der Jungvögel keinesfalls gestört werden dürfen. Der Forstbetrieb nimmt darauf Rücksicht, dass in dieser Zeit auch im weiteren Umkreis keine forstlichen Maßnahmen stattfinden. „Horstbäume sind ohnehin tabu“, sagte der Experte.