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Bauprojekt

Mehr Schutz nach dem Starkregen

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Franz Neuhuber
am Samstag, 05.06.2021 - 14:19

Ein Sedimentfangzaun soll in Niedernkirchen schwere Schäden verhindern. Das Projekt soll auch zeigen, ob diese Maßnahme als Erosionsschutz in der Region dienen könnte.

Niedernkirchen/Lks. Rottal-Inn In der Burgerstraße in Niedernkirchen in der Rottaler Gemeinde Hebertsfelden kam es vor ziemlich genau einem Jahr zu einem Starkregenereignis, das dramatische Auswirkungen für die Anlieger hatte: Die Wassermassen konnten im angrenzenden Acker nicht versickern und wälzten sich in einer Schlammlawine durch die Grundstücke.

Da es an dieser Stelle noch nie zuvor zu einem derartigen Ereignis gekommen war, kam der Vorfall für den Landwirt als Nutzer der Fläche und für die Anwohner völlig unerwartet. Dementsprechend schwierig gestaltete sich die anschließende Aufarbeitung der Situation für alle Beteiligten.

Landwirt und Behörden arbeiteten Hand in Hand

Das Bauamt der Gemeinde und der betroffene Landwirt zogen das zuständige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfarrkirchen hinzu, um sich gemeinsam vor Ort ein Bild von den Schäden und den zugrunde liegenden Ursachen zu machen.

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Dabei wurde zuerst geprüft, ob Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften, etwa gegen die bayerische Erosionsschutz-Verordnung (ESchV), vorliegen. Hier konnte das Landwirtschaftsamt, vertreten durch die zuständige Wasserberaterin Ruth Brummer, feststellen, dass der Landwirt auf der betroffenen Fläche sämtliche übliche Maßnahmen zum Schutz der Fläche umgesetzt hatte. „Dies liegt ja auch im ureigenen Interesse der Landwirte, da der Bodenschutz und die Erhaltung der Fruchtbarkeit das wichtigste Kapital eines landwirtschaftlichen Betriebes darstellen“, betont die Wasserberaterin.

Im konkreten Fall wird die Fläche nach biologischen Grundsätzen bewirtschaftet, die eine weite Fruchtfolge garantierten. Die Fläche wird quer zum Hang bearbeitet, wodurch Erosionen effektiv vermindert werden, da jede Pflanzenreihe bei Regen einen kleinen Wasserdamm darstellt. Außerdem wird der steilste Teil des Hanges seit längerer Zeit nicht mehr als Acker genutzt und am Hangfuß befindet sich ein circa 35 m breiter Grünlandstreifen, der eine Erosion auffangen oder in dem abfließendes Regenwasser versickern kann.

Bekannte Lösungsansätze waren ausgeschöpft

Aus fachlicher Sicht waren damit die bekannten Lösungsmöglichkeiten weitestgehend erschöpft, um eine erneute Schlammlawine zu verhindern. Expertin Brummer stellte jedoch sogenannte Sedimentfangzäune (silt fences) zur Diskussion, die in Großbritannien und den USA weit verbreitet und auf Baustellen dort sogar Pflicht sind. „Ich bin bei Recherchen schon vor längerer Zeit auf diese besondere Erosionsschutzmaßnahme aufmerksam geworden, es fehlte aber bisher an der Gelegenheit, diese Möglichkeit in einem konkreten Fall in der Region testen zu können“, erläuterte die Beraterin. Brummer stellte daraufhin den Kontakt zu der englischen Herstellerfirma her und konnte alle Beteiligten für einen Demoversuch gewinnen.
Organisiert hat die Maßnahme die Gemeinde Hebertsfelden, die auch den Bagger und die Pfähle stellte. Zusammen mit den Anliegern und dem Landwirt wurden die Zäune bei einer gemeinsamen Aktion errichtet. Fachlich begleitet hat die Maßnahme das Landwirtschaftsamt Pfarrkirchen.

Auf Schuldzuweisungen wurde verzichtet

„Alle Beteiligten haben bei der gemeinsamen Aktion ohne nachträgliche gegenseitige Beschuldigungen vorbildlich zusammengearbeitet“, freut sich Brummer. Bei diesem Versuch sollen nun Erfahrungen und Daten dahingehend gesammelt werden, ob derartige Zäune zukünftig eine weitere Möglichkeit zum Erosionsschutz in der Region sein können. Die Gemeinde Hebertsfelden plant jedenfalls in der nächsten Zeit schon mit mindestens zwei weiteren Zäunen, wurde jetzt bei einem Ortstermin bekannt gegeben.

Die Kosten, die normalerweise nach einen Sturzregen zum Beheben der Schäden für die Gemeinde und die Anlieger anfallen, sind in der Regel erheblich. Die Kosten für diese Demoanlage übernahm das AELF mit Projektgeldern im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinien (WRRL).