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Suppe, Salat, Fleischpflanzerl

Man(n) lernt nie aus: Kochkurs für Männer über 55

Männerkochkurs-Probieren-Pfarrkirchen: über eine Küchenzeile hinweg lässt ein älterer Mann einen anderen direkt mit dem Löffel in den Mund etwas probieren. Sie haben Spaß dabei.
Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Freitag, 25.11.2022 - 13:38

Hauswirtschafterin Ludovika Stoiber zeigt in ihrem Kochkurs für Männer 55 plus, wie man(n) regional, gesund und vor allem selbst kocht.

Wo ist eigentlich das Salz? Josef Grübl muss nicht lange suchen in der großen Küche der Landwirtschaftsschule in Pfarrkirchen. Denn der 87-jährige Austragslandwirt aus Taubenbach im Kreis Rottal-Inn ist bereits zum sechsten Mal Teilnehmer bei einem Kochkurs, den die Hauswirtschaftsabteilung des AELF Landau a.d. Isar-Pfarrkirchen anbietet. Diesmal lautet das Motto „Kochen für Männer 55 plus“ und da, so sieht es Josef Grübl, passt er mit seinen 87 Jahren doch schon ganz gut dazu.

Witwer, Junggeselle oder geschieden: Jeder lernt hier kochen

Männerkochkurs-Pfarrkirchen-Hauswirtschafterin: Inmitten von älteren Männern erklärt eine Frau am Herd nützliche Kochtipps.

13 Männer sind gekommen, um zu lernen, wie es klappt in der Küche. Die meisten von ihnen leben allein, sie sind Witwer, geschieden oder auch immer schon Junggesellen. „Gerade in diesem Alter ist es wichtig, dass Männer versuchen, sich gesund zu ernähren, auch auf das Gewicht sollte man achten“, sagt Hauswirtschafsdirektorin Lidwina Kainz, als sie in der Küche vorbeikommt. Auch die Zusammensetzung der Lebensmittel spielt in diesem Alter schon eine gewisse Rolle: „Wenn wir immer dafür plädieren, dass Lebensmittel möglichst frisch sein sollen und am besten aus der Region kommen, dann gilt das insbesondere auch für ältere Menschen, denn sie brauchen eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung, um auch beim Älterwerden noch Krankheiten in bestimmten Umfang vermeiden zu können und das Wohlbefinden zu erhalten“, ist Lidwina Kainz überzeugt.

Währenddessen tut sich schon Einiges an den Töpfen, Herden und Backöfen. Die sympathische Ernährungsfachfrau Ludovika Stoiber steht im Mittelpunkt, denn sie zeigt, wie es geht, wenn die Mahlzeit gut werden soll. „Sie ist schon besonders nett, sie redet immer laut genug, so dass ich sie auch hören kann, weil so gut sind meine Ohren leider nicht mehr“, schmunzelt Josef Grübl. Er ist gerade dabei, das Gemüse für eine Gemüsesuppe vorzubereiten, sein Tischnachbar liest gerade das Rezept für die „Herbstliche Kürbissuppe Klassisch“ durch, der Hokkaido liegt schon bereit, dazu eine Kartoffel, eine Knoblauchzehe, Pflanzenöl, Sahne und was sonst noch wichtig ist für eine gute Suppe.

Regional kochen: Wenige Zutaten, aber dafür frisch

Ludovika Stoiber sucht die Gerichte, die sie in solchen Kursen mit den Männern kocht, ganz bewusst aus: es sollen nicht zu viele Zutaten sein, aber das, was verwendet ist, soll frisch zu kaufen sein – und natürlich soll das Zubereiten der Speisen nicht zu kompliziert sein, nicht alle Männer stehen gerne zu lange in der Küche.

Doch was nach einiger Zeit aus den Öfen und Töpfen kommt, entspricht allen diesen Anforderungen. Gefüllte Truthahnfleischpflanzerl stehen auf der Speisekarte, besonders saftig sollen sie sein, verspricht die „Vorköchin“. Als Beilage werden „Gefächerte Backkartoffeln“ vorbereitet, zubereitet werden sie mit nicht zu viel Salz, aber mit gutem Olivenöl, „das muss man immer daheim haben“, wirft Josef Grübl ein. Und weil zu einem guten Essen auch ein guter Salat gehört, wird an einem weiteren Arbeitsplatz von zwei älteren Herren noch ein Apfel-Spitzkohlsalat zubereitet.

Und auch eine besonders leckere Idee für eine Resteverwertung hat Ludovika Stoiber den älteren Herren mitgebracht: aus altbackenen Brezen, Kartoffeln, Eiern und geriebenen Käseresten werden, zusammen mit ein paar Gewürzen, die „Breznknödel böhmischer Art“ .

Männerkochkurs: Mit über 55 Jahren den Spaß am Herd entdecken

In der Gemeinschaft schmeckts am Besten

Am Ende der Kochstunde wird gemeinsam gegessen, es schmeckt allen ganz hervorragend. Allen hat es Spaß gemacht, das Kochen, das Essen, auch das Zusammensein ist wichtig.

Und wird zuhause auch so gesund gegessen? Josef Grübl nickt: er gehe auch gerne selbst zum Einkaufen, auf Frische und Regionalität hat er immer schon Wert gelegt, das sei auf einem Bauernhof immer so gewesen. „Solange ich selbst kochen kann, möchte ich machen, ich lebe ja allein, meine Frau ist schon verstorben“, berichtet er. Natürlich könnte er auch bei den „jungen Leuten“ auf dem Betrieb mit am Tisch sitzen, das tut er sicher auch, aber: „Selber kochen ist auch ein Stück Unabhängigkeit“. Josef Grübl und er nennt noch ein kleines Beispiel: es sei noch gar nicht so lange her, da hatte er richtig Appetit auf einen „Scheiterhaufen“. „Da habe ich das Rezept aus dem letzten Kurs genommen und mir meinen Scheiterhaufen gemacht – der hat richtig gut geschmeckt“, sagt er nicht ganz ohne Stolz.

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