Pflanzenschutz

Maikäferengerling sorgt für massive Probleme

Maikäfer
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Gerd Kreibich
am Donnerstag, 27.05.2021 - 13:29

Landwirte im Bayerwald wollen Unterstützung gegen Maikäfer und Engerlinge. Doch nun müssen sie einen Rückschlag hinnehmen.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Maikäferengerlings in der Region Bayerischer Wald müssen die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe einen Rückschlag hinnehmen. Sie hatten gehofft, dass es in nächster Zukunft ein Zulassungsverfahren für das Schädlingsbekämpfungsmittel NeemAzal geben wird. „Daraus wird jetzt nichts. Es wird derzeit kein Verfahren geben“, sagt der BBV-Kreisobmann von Freyung-Grafenau, Siegfried Jäger. Entsprechend groß sei die Enttäuschung bei Bäuerinnen und Bauern im Bayerischen Wald.

Jäger hatte sich bereits seit Jahren für eine bessere Bekämpfung des Schädlings eingesetzt, nachdem die Schäden im Grünland der Region immer größere Ausmaße angenommen hatten. Im Kontakt mit Verbänden, Behörden und Politikern hatte er die Argumente der Landwirtschaft vorgetragen, selbst der Bund Naturschutz hatte sich hinter das Anliegen der Landwirtschaft gestellt.

Kampf gegen Schädling steht auf breiter Basis

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Und dies hatte auch gute Gründe: die jüngsten Engerlingplagen vernichteten ansehnliche Flächen, das Grünland war hier nicht mehr grün, sondern braun, stellenweise ließ sich die Wiese wie ein künstlicher Rollrasen einfach vom Boden abheben. Das inzwischen größte Verbreitungsgebiet des Maikäfers im Freistaat ist in Niederbayern im Bayerischen Wald, verteilt über die Landkreise Deggendorf, Regen, Freyung-Grafenau und Passau. Daher gab es in der Region große Einigkeit über die Notwendigkeit, den Befall durch Engerlinge deutlich einzugrenzen.

Ein Zusammenschluss aus Verbänden und Behörden hatte sich deshalb das Ziel gesetzt, ein Zulassungsverfahren für den biologischen Fraßstoff NeemAzal beim Bundesamt für Verbraucherschutz zu erwirken. „Das Landwirtschaftsamt, die Untere Naturschutzbehörde, der Bund Naturschutz und der Bayerische Bauernverband im Landkreis Freyung-Grafenau haben eine Allianz gebildet, um die Schäden durch den Maikäferengerling in Zukunft so gering wie möglich zu halten“, erklärt Siegfried Jäger, der auch gleich noch hinzufügt: „Dieser sicher nicht alltägliche Zusammenschluss von Landwirten und Naturschützern zeigt doch deutlich, wie dramatisch die Lage derzeit für Natur und Landwirtschaft ist. Die Bauern und Bürger befürchten Schäden durch Maikäferengerlinge in einem noch nie dagewesenen Ausmaß.“

Der Kreisobmann verweist dabei noch einmal darauf, dass es sich bei dem diskutierten Pflanzenschutzmittel NeemAzal um ein rein biologisches Fraßmittel handelt, das mit einer Gebläsespritze in die Paarungsbäume des Maikäfers ausgebracht wird.

Massive Enttäuschung über die Landesanstalt

„Was uns jetzt ganz besonders enttäuscht, ist der Umstand, dass ausgerechnet von der Landesanstalt für Landwirtschaft keine Unterstützung zu erwarten ist“, kritisiert der BBV-Kreisobmann. Siegfried Jäger spricht von „destruktivem Verhalten“ der Landesanstalt für Landwirtschaft, das eine Umsetzung des vielversprechenden Projektes verhindert habe.

Vom Landesamt, so Jäger, hätte das Zulassungsverfahren wissenschaftlich begleitet werden müssen. „Diese Behörde sah aber in den fehlenden Kompetenzen und Zuständigkeiten, ebenso wie im Personalmangel Gründe, das Verfahren nicht zu begleiten“, kritisiert Jäger, der aber auch noch eine andere Vermutung hat: „Es lag wohl auch daran,dass man Angst vor öffentlichen Angriffen durch Insektenschützer hat, wenn der Maikäfer bekämpft wird.“ Dies ist nach seiner Ansicht allerdings unbegründet: „In einer vom Bauernverband vor Ort durchgeführten und durch die Presse angekündigten Umfrage, sprachen sich 95 Prozent der Teilnehmer dafür aus, dass der Maikäfer bekämpft werden muss.“

LfL: Notzulassung wurde bisher nicht beantragt

Bei der so heftig kritisierten Landesanstalt sieht man sich aber in ein falsches Licht gestellt. „Die Expertinnen und Experten der LfL setzen den Fokus bei der Bekämpfung des Maikäfers auf das zweite Larvenstadium, das die Grünlandschäden verursacht. Hierfür ist durch den integrierten Pflanzenschutz eine genaue Schadschwelle vorgegeben“, heißt es in einer gegenüber dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt abgegebenen Stellungnahme. Entsprechende Versuche zu verschiedenen Bekämpfungsmethoden seien bereits im Jahr 2019 durchgeführt worden. Zu den vorhandenen Möglichkeiten berate die LfL zusammen mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Deggendorf, mit dem sie auch das Maikäfermonitoring in Neureichenau durchführt.

Industrie müsste für Zulassung tätig werden

Zum Thema NeemAzal ist die Haltung der LfL eindeutig: Das Pflanzenschutzmittel sei nicht zur Maikäferbekämpfung im Grünland oder Forst zugelassen und darf dementsprechend nicht angewendet werden. NeemAzal sei ein Insektizid, dass neben dem Maikäfer auch auf andere Insekten wirkt. „Eine Notfallzulassung durch einen Verband, einzelne Landwirte oder den Zulassungsinhaber wurde nicht beantragt“, hält die LfL fest.

Dennoch: Es gibt vielleicht irgendwann eine Möglichkeit, das Mittel anzuwenden – wann das allerdings der Fall sein kann, das steht erst am Ende eines üblichen Zulassungsverfahrens. „Die LfL würde es begrüßen, wenn die Pflanzenschutzmittelindustrie reguläre Zulassungsverfahren zur Bekämpfung von Engerlingen oder Käfern beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anstrebt. Bei Bedarf kann die LfL Landwirte und Verbände bei der Beantragung einer Notfallzulassung zur Regulierung der Maikäferengerlinge im kommenden Frühjahr unterstützen“, heißt es in der Stellungnahme.

Für die Landwirte in der Region Bayerischer Wald muss aber, davon ist man nicht nur beim Bauernverband überzeugt, eine schnelle Lösung her: „Es liegt nun alles an der Frühjahrswitterung, ob der Maikäfer, zum größten Flugjahr ansetzt und zigtausende von Gärten und Wiesen mit Eiern belegt und die Bäume und Sträucher abfrisst. Wir wissen was auf uns zukommen kann“, sagt Jäger.

Problematik soll genau durchleuchtet werden

Bund Naturschutz und BBV möchten jedoch am Ball bleiben und dazu gehört, dass die Gesamtheit der Problematik durchleuchtet wird. Warum dieses Insekt sich dermaßen vermehrt und wie die Bevölkerung und die Landwirtschaft damit umgehen kann – diese Fragen sollen geklärt werden. „In den letzten 20 Jahren, seit dem ersten massenhaften Maikäferauftreten, wurde vieles nicht beachtet“, so Jäger – jetzt sei es an der Zeit, baldmöglichst eine Strategie in Angriff zu nehmen. Gerd Kreibich