Landfrauen

Warum es sich lohnt, nie aufzugeben

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Florian Zach
am Montag, 20.04.2020 - 09:23

Unternehmer Herbert Mauerer referiert beim Chamer Landfrauentag.

Cham - „Wir begrüßen uns heute nicht mit einem Handschlag, sondern mit einem Lächeln“, hieß Chams Kreisbäuerin Rosmarie Maier eine Reihe von Ehrengästen und einen Saal voller Bäuerinnen willkommen. Zum traditionellen Landfrauentag hatte der Bayerische Bauernverband im Landkreis Cham noch vor Beginn der durch die Coronakrise bedingten Einschränkungen nach Schorndorf eingeladen.

Der Landfrauenchor Waldmünchen unter Leitung von Margarete Hetzelein eröffnete den Festtag der Landfrauen mit einem schwungvollen Lied über das Erwachen der Natur, bevor MdB Karl Holmeier in seinem Grußwort den Frauen für ihren Einsatz in der Landwirtschaft, Haus und Familie dankte.

Als Unternehmer durch Höhen und Tiefen

Für das Hauptreferat zum Thema „Region gestalten“ konnte Herbert Mauerer aus Löwendorf verpflichtet werden. In seinem Vortrag unter dem Titel „Himmel und Hölle – ein Unternehmerleben mit Höhen und Tiefen“ zeigte er den Anwesenden in teilweise ironischer Form den Werdegang seiner Firma hm-pv und wie er als Unternehmer die Höhen und Tiefen durchlebte – und warum es sich trotzdem lohnt, nie aufzugeben. Der große Umstieg begann im Jahr 2004, als er seinen Elektrobetrieb aufgab und die hm-pv gründete, obwohl die Familie und alle Freunde dagegen waren. So begann er als Ein-Mann-Betrieb und nahm auf sein Wohnhaus einen Kredit von 300 000 € auf. Seine damalige Woche umfasste 85 Stunden, da er von Montag bis Freitag Photovoltaikanlagen aufbaute und abends und an den Wochenenden Kunden besuchte und neue Aufträge abschloss.
Innerhalb kurzer Zeit stieg die Zahl seiner Mitarbeiter auf 142, der Umsatz im Jahr 2010 betrug bereits 59 Mio. €. Er expandierte weiter, bevor im Jahr 2012 dann der Scheitelpunkt kam und ihm 15 Mio. € Umsatz verloren gingen. Erhielt er in einem Jahr noch einen Preis als „Unternehmer des Jahres“, stand kurz darauf die Insolvenz vor der Tür.

Mit harter Arbeit am Ende wieder schuldenfrei

„Damals musste ich jede Woche Kündigungen an Mitarbeiter ausstellen, aber auch der Verkauf meines Wohnhauses, einer Lebensversicherung und privaten Rentenversicherung waren nötig, um die Firma über Wasser zu halten“, zählte er die harten Tatsachen auf. Nach zahlreichen Verhandlungen mit den Banken und Unternehmensberatern gelang es ihm dennoch, den Betrieb 2016 schuldenfrei an seinen Sohn Helmut zu übergeben.
„Jetzt baue ich meine 28 000 Überstunden ab“, schloss Mauerer und unterstrich den Satz, den er sich damals immer wieder eingeprägt hatte: „Man darf sich selbst und seine Sache nicht aufgeben“ – dafür gab es Applaus und ein „leckeres Dankeschön“ der Landfrauen.