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BBV Landshut

Lösungsansätze entwickeln

Versammlung
Helga Gebendorfer
am Montag, 30.12.2019 - 09:03

Obmänner tagen: Gewässerschutz und Düngeverordnung standen im Fokus.

Mirskofen/Lks. Landshut - Trinkwassergewinnung und Nitrat im Grundwasser – diese Themen standen im Mittelpunkt der gemeinsamen Ortsobmännertagung des BBV Landshut in Mirskofen. „Die Nitratwerte treiben vor allem die Landwirtschaft um, weil eine Verschärfung der Düngeverordnung in Roten Gebieten im Raum steht“, erklärte Kreisobmann Georg Sachsenhauser zu Beginn. Er befürchtet, dass es dann erhebliche Auswirkungen auf die Betriebe, vor allem tierhaltende Betriebe, in Landshut geben wird.

Thomas Pfeiffer, ehrenamtlicher „Wasserexperte des BBV Mittelfranken“, beleuchtete in seinem Referat die Trinkwassergewinnung in Hohenthann. Er war durch das mediale Interesse auf die Grundwassersituation in und um die Gemeinde aufmerksam geworden und ging der Sache auf eigene Initiative hin auf den Grund. Sein Fazit: „Selbstverständlich hat die Landwirtschaft Einfluss auf das Grundwasser, doch es gibt darüber hinaus eine Reihe von möglichen Eintragsquellen.“ Verbandsvertreter und Landwirte bekräftigten diese Aussage und wünschten sich einhellig, dass alle Seiten in Zukunft auf Augenhöhe miteinander kommunizieren und Lösungsansätze entwickelt werden.

Dass die Landwirtschaft nicht an allem Schuld ist, führte auch der Kreisobmann vor Augen, der in seinem Vortrag eine Menge Daten und Fakten zusammengetragen hatte, um den Nitrateintrag im Landkreis zu beleuchten. Als mögliche Nitrateintragsquellen zählte er auf: landwirtschaftliche Nutzflächen, große Laubholzwälder und auch Kiefernwälder, neue Wohnbau- und Industriegebiete mit zunehmender Versiegelung, Straßenränder und Mulchflächen, Naturschutzgebiete, stillgelegte oder ungenutzte Flächen, undichte Kanalisationen, Kläranlagen, veraltete und undichte Wassergewinnungsanlagen, Altlasten, großflächiger Eingriff in das Bodengefüge (Kiesabbaugebiete usw.) sowie große Borkenkäfer-Kalamitätsflächen.

Gleichzeitig stellte Sachsenhauser eine Reihe von Forderungen auf:

  • Alle Roten Gebiete werden zu Weißen Gebieten erklärt, sodass alle Verschärfungen entfallen.
  • Gülleausbringung und Stickstoffausbringung vor oder zur Zwischenfrucht, Gerste und Raps wie 2018 weiterhin erlauben.
  • Keine Reduzierung der Stickstoffdüngung um 20 % bei der Hauptfrucht.
  • Nährstoffvergleich bleibt zur Überprüfung der Düngung für den landwirtschaftlichen Betrieb mit derzeitigen N-Salden erhalten.
  • Keine weiteren Auflagen für die landwirtschaftlichen Betriebe.
  • Offener und fairer Dialog zwischen BBV, AELF, Wasserwirtschafts­amt und allen Wassergewinnungsanlagen im Landkreis und der Stadt.
  • Regelmäßige Treffen dieser Organisationen zum Informations- und Sachstandsaustausch.
  • Verstärkte finanzielle Förderung in Wissenschaft und Forschung sowie verstärkte Information und Beratung durch AELF und Landesanstalt für Landwirtschaft für den effizienteren Einsatz von Gülle und Mineraldünger und für den schnelleren Humusaufbau, Einbindung von Praktikern.

Zuletzt machte Constantin Sadgorski, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Landshut, deutlich, dass es nicht Ziel sei, Brunnen wegen Nitrat- und Pflanzenschutzmittelrückständen zu schließen bzw. Grundwasser aufzubereiten. „Wichtig sind ortsnahe Versorgung, moderate Wasserpreise und nachhaltiger Grundwasserschutz für kommende Generationen.“