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Bestattung

Letzte Ruhe als Chance für den Wald

Lichtwald
Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Montag, 14.10.2019 - 11:16

Ein niederbayerischer Waldbesitzer bietet Bestattungen im „Lichtwald“ an.

Eggenfelden/Lks. Rottal-Inn - Wie kann man einen Wald nutzen in einer Zeit, in der sich der Holzpreis im Keller befindet? Eine besondere Lösung hat der Rottaler Waldbesitzer Thomas Graf von Lösch gefunden: In einem seiner Wälder, dem Lichtlberger Wald in Gern bei Eggenfelden, werden jetzt Bestattungen angeboten. Die Idee zu diesem Naturfriedhof stammt von seiner Frau: Andrea Gräfin von Lösch hat das Konzept entwickelt.

Deren Eltern sind in Saarlouis begraben, sie selbst lebt in Niederbayern, ihre Schwester in der Schweiz. „Wir haben deshalb einen Grabbetreuungsservice beauftragt, der sich um die Pflege gekümmert hat – für regelmäßige Besuche ist die Strecke einfach zu weit gewesen“, sagt Gräfin von Lösch beim Rundgang durch den „Lichtwald“. Die Bestattung in der im Lichtlberger Wald integrierten Anlage habe deshalb auch ganz praktische Vorteile: „Die Urne mit der Asche des Verstorbenen besteht aus einem Material, dass in relativ kurzer Zeit im Boden abgebaut wird. An den Menschen erinnert dann der Baum, an dem die Urne eingegraben wurde und auch ein kleines Namensschild, das am Baum befestigt wird.“ Alle Kosten für eine weitere Grabpflege würden damit entfallen, „denn letztendlich übernimmt die Natur die Grabpflege“, drückt es von Lösch aus.

Bis allerdings der Lichtwald eröffnet werden konnte, gab es eine ganze Reihe von bürokratischen Vorgaben zu erfüllen: „Das liegt sicher auch daran, dass es zwar in Deutschland mittlerweile mehr als 180 dieser in Wäldern angelegten Bestattungsorte gibt, aber in Bayern ist das noch eher selten“, sagt Thomas Graf von Lösch. Mehr als zweieinhalb Jahre habe es gedauert, um das Projekt beim Stadt­rat von Eggenfelden „durchzubringen“. 5,5 ha darf der Friedhof jetzt groß sein, 2000 Urnengräber sind zugelassen.

Lange Genehmigungszeit und viele Auflagen

Der Stadtrat musste auch eine eigene Satzung für den Naturfriedhof beschließen, denn nach dem Bestattungsgesetz muss die Stadt Eggenfelden die Trägerschaft für einen Friedhof übernehmen, auch wenn ihn ein privater Betreiber führt. Kernpunkte der Satzung „Waldfriedhof Lichtwald“ sind beispielsweise, dass ausschließlich Urnen aus leicht verrottbarem Material bestattet werden dürfen und dass das Areal weitgehend bleiben soll, wie es jetzt ist. „Spaziergänger können also den Lichtlberger Wald nutzen wie bisher, lediglich für Hunde gilt auf dem Lichtwald-Areal künftig Leinenpflicht“, so Graf von Lösch. Für den Betrieb des Waldfriedhofs hat er eigens die Lichtwald GbR gegründet.

Den Borkenkäfer mit ins Kalkül ziehen

Doch auch wenn jetzt aus rechtlicher Sicht alles passt: Ein Friedhof im Wald ist gerade in Zeiten der Käferplage gar nicht so unkompliziert zu handhaben. „Wir haben zwar schon frühzeitig auf eine gute Durchmischung des Waldbestandes geachtet, aber natürlich ist der Käfer auch bei uns und wir haben die entsprechenden Probleme“, so Graf von Lösch. Er zeigt eine Baumgruppe, die schwer unter dem Käfer gelitten hat – ausgerechnet am Eingang zum Lichtwald.

Doch dann kam seiner Frau nach Gesprächen mit einem der Förster die Idee, diese befallenen Bäume ganz bewusst in Szene zu setzen. Der bekannte Motorsägen-Schnitzer Felix Kroiß kam zum Einsatz, die Bäume wurden nicht gefällt, sondern im oberen Teil abgeschnitten und am restlichen Stamm geschält, berichtet Gräfin von Lösch. Somit sei die Käfer-Gefahr gebannt und die kahlen Stämme können für eine Art Skulpturen-Park „zweckentfremdet werden“. Den Anfang macht die Figur, die Felix Kroiß geschnitzt hat: eine gen Himmel ragende Hand mit einer Glaskugel.

Beachtliche Nachfrage

Vertraglich festgelegt wird mit den Kunden des Lichtwalds auch, was mit der Namenstafel geschehen soll, falls ein Baum gefällt werden muss. Dann wandert die angebrachte Namenstafel einfach einen Baum weiter, so Andrea Gräfin von Lösch.
Schon jetzt gibt es eine beachtliche Anzahl an Reservierungen für einen Platz im Lichtwald, manche davon berühren die Gräfin von Lösch sehr: „Da war ein Pärchen da, die haben sich den Baum ausgesucht, an dem sie sich vor vielen Jahren zum ersten Mal geküsst haben – hier wollen sie später einmal die letzte Ruhe finden.“

Die Kosten für ein Grab liegen derzeit bei 1210 €, für einen Partnerurnenplatz werden 1820 € berechnet. 125 € kostet die Gedenktafel für den Baum. In den Preisen inbegriffen ist auch ein digitaler Grabstein, eine App für die Navigation im Wald und ein digitaler „Baumfinder“. „Die Gebühren haben wir nicht einfach selbst festlegen können, das hat die Stadt zusammen mit einer zuständigen staatlichen Stelle berechnen lassen“, erklärt Waldbesitzer Thomas Graf von Lösch. Jeden ersten Dienstag im Monat findet eine Informationsführung statt, auch dieser Service ist Andrea von Lösch wichtig: „Viele der Menschen, die dabei waren, haben sich schon für einen Baum entschieden“, berichtet sie.