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Öffentlichkeitsarbeit

Lernort Bauernhof: Wie wird Gras zur Milch?

Schulbesuch 2
Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Donnerstag, 09.12.2021 - 09:26

Zehntklässler einer Passauer Schule stellen bei einem Besuch auf dem Bauernhof durchaus kritische Fragen.

Schulbesuch 3

Passau Schule auf dem Bauernhof: Darunter stellen sich auch viele bäuerliche Betriebe immer noch den Besuch von Kindern aus der Grundschule, höchstens vielleicht noch aus der 5. oder 6. Klasse vor. Doch es geht auch anders, wie jetzt beim Besuch der 10. Klasse eines Passauer Gymnasiums auf dem Betrieb der Familie Huber in Untereichet, bekannt auch als „Haindlhof“, deutlich wurde.

Positiv überrascht waren die Ehrengäste aus Landwirtschaftsverwaltung und Bauernverband von der Aufmerksamkeit der Teenager, die zwar durchaus ihr eigenes Bild von der Landwirtschaft hatten, sich aber, ebenso wie ihre Gastgeber Kathi und Andreas Huber, gerne auch andere Meinungen anhörten.

Dabei gibt es – wohl ein Zeichen der Zeit – nur wenige Berührungspunkte zwischen den Schülern und der Landwirtschaft: Auf die Frage, wie viele von ihnen aus einer Landwirtschaft kommen, rührte sich kein Finger, ebenso auf die Frage, ob man sich denn eine Zukunft in einem landwirtschaftlichen Beruf vorstellen könnte. „Wer von Euch ist Vegetarier?“ – darauf gab es dann mit fast 50-prozentiger Zustimmung eine klare Antwort. Überraschend: Auch Bäuerin Kathi Huber gestand zu, dass sie beim Essen auf Fleisch verzichtet.

Anspruchvoller Beruf mit viel Wissen

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Das sind anspruchsvolle Berufe, die viel Wissen und Können erfordern, dies unterstrich Leitender Landwirtschaftsdirektor Robert Schnellhammer, Leiter der Passauer AELF. Umso wichtiger sei es, in der Öffentlichkeit darzustellen, dass diese Kompetenz der Landwirte auch dafür eingesetzt werde, Lebensmittel in höchster Qualität zu erzeugen und gleichzeitig die Umwelt zu schützen. Ziel der Aktion „Erlebnis Bauernhof“, zu der auch der Besuch am Haindlhof zählte, sei es, die Landwirtschaft auch wieder ein Stück mehr in die Mitte der Gesellschaft zu holen, wo sie, davon ist Schnellhammer überzeugt, ihren Platz verdient hat.

Stellvertretender Landrat Hans Koller, Land-, Gast- und Forstwirt, bedankte sich bei Familie Huber sehr herzlich für die Einblicke in ihren Arbeitsalltag. „Lebensmittel sind Mittel zum Leben“, hielt er fest und plädierte dafür, sich beim Einkauf an der Regionalität zu orientieren, denn: „Unsere Bäuerinnen und Bauern arbeiten mit viel Verantwortungsgefühl für die Heimat, für die Tiere und für die Verbraucher“, machte Koller deutlich.

Sachgebietsleiterin Sieglinde Preuß vom AELF Passau dankte den Hubers ebenfalls, den Schülerinnen und Schülern versprach sie einen spannenden Vormittag. Werner Eberl, Bereichsleiter Landwirtschaft an der Regierung von Niederbayern, berichtete in seinem Grußwort, dass bereits rund 35 000 Schülerinnen und Schüler in den vergangenen zehn Jahren Klassenbesuche auf Bauernhöfen absolviert hätten.

Multimedial an das Thema Milch herangeführt

Wie wird aus Gras Milch und daraus dann bester Joghurt? Dieser Frage gingen die Schülerinnen und Schüler mit Interesse nach. Zur Einführung gab es einen Film, den Familie Huber drehen hatte lassen, um in den Betrieb einzuführen. Milchwirtschaft und die Direktvermarktung von Milchprodukten bilden die betriebliche Basis des Haindlhofs, Joghurt und Käse werden verkauft.

Zentrum des Betriebs ist ein Boxenlaufstall mit Melkroboter. Die Luftigkeit des Stalles und der reichhaltige Platz für die Tiere wurden von den Schülerinnen und Schülern sehr gelobt. Auch die vom Landwirt erklärte Vorgehensweise, das Futter fast ausnahmslos auf eigenen Flächen selbst zu erzeugen, fand Zustimmung. An der Tierhaltung hatten die jungen Besucherinnen und Besucher eigentlich nichts auszusetzen – doch zuvor wurden Bäuerin und Bauer tatsächlich mit Fragen gelöchert, es wurde deutlich: Mit schönen Bildern kann man diese Generation nicht abspeisen! Die jungen Leute wollen genau wissen, was passiert, wenn aus Gras Milch wird. Und so wurde auch mehrfach in Gesprächen nachgefragt, warum denn die Tiere nicht auf eine Weide dürfen und ob es stimmt, dass Rinder für einen großen Teil der globalen Erwärmung mitverantwortlich sind.
Und dann wurde auch noch ganz praktisch gearbeitet: Im Seminarraum des Haindlhofs konnten die Jungen und Mädchen zeigen, dass sie durchaus Talent in der Milchküche haben – die mit Kräutern und Gewürzen aus frischem Frischkäse hergestellten Bällchen schmeckten allen ganz hervorragend und waren ein guter Abschluss eines spannenden Schultages. Gerd Kreibich