Landfrauentag

Leistungsträgerinnen auf dem Land

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Markus Bauer
am Donnerstag, 05.08.2021 - 17:25

Staatsministerin Michaela Kaniber hob beim Landfrauentag in Hemau deren Bedeutung hervor. Doch oft werde deren Leistung zu wenig wertgeschätzt.

Hemau/Lks. Regensburg Die sonst im Februar stattfindenden zwei Landfrauentage fielen beide zumindest zu diesem Zeitpunkt wegen Corona aus. Beim dritten Anlauf klappte es nun, wenn auch bei Nieselregen einige Plätze im Hemauer Rathausgarten unbesetzt blieben. Höhepunkt der im Freien abgehaltenen Veranstaltung war das Referat der Bayerischen Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Michaela Kaniber zum Thema „Richtig gut leben“.

Zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Kirche, Landwirtschaft (Bauernverband und Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) konnte Rita Blümel, Oberpfälzer Bezirksbäuerin und Kreisbäuerin im Landkreis Regensburg, begrüßen.

Großer Dank für einen „Einsatz mit Herzblut“

Hemaus Bürgermeister Herbert Tischhöfer verwies in seinem Grußwort besonders auf land- und forstwirtschaftliche Aspekte in seiner Kommune: den Namen „Tangrintel“, der auf große Waldvorkommen hinweist, hohe landwirtschaftliche Prägung vor allem in den Ortsteilen, das Tangrintel-Volksfest mit dem Bauerntag. Dazu lud das Stadtoberhaupt die Staatsministerin als Festrednerin ein, sobald dies wieder möglich sein wird.

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Ins Thema „Richtig gut leben“, Jahresthema der Landfrauentage, führte Kreis- und Bezirksbäuerin Blümel ein. Vorab dankte sie der Ministerin für ihren „Einsatz mit Herzblut für die Landwirtschaft“ und ging auf aktuelle Punkte in der Landwirtschaftspolitik ein. Wichtig sei eine „Wertschätzung für die Landfrauen“, ein „offener, sachlicher Dialog über alles“ und die Einbeziehung fachlichen Wissens und wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Arbeit, so Blümel.

Auch für Milchviehbetriebe, die weiter mit Anbindehaltung arbeiten, müsse es Lösungen geben, so forderte die Kreis- und Bezirksbäuerin einen Bestandschutz für nicht änderbare Betriebe. „Das soziale Wohl darf nicht außer Acht gelassen werden“, setzte sie sich zudem für eine Gleichberechtigung von Soziologie, Ökologie und Ökonomie in der Landwirtschaft ein. Außerdem nannte sie die Themen Ernährungssicherung, Lebensmittelverschwendung und Kulturlandschaft.

Als „Traumfrauen“ sprach Ministerin Kaniber die Landfrauen zu Beginn ihres Vortrags an und plädierte – gerade wegen der herausfordernden Zeit – für Akzeptanz der Wahrheit und Ehrlichkeit. „Ich werde Ihnen immer ehrlich begegnen, nichts anderes ist unser Auftrag.“ Sie ging auf das Motto „Richtig gut leben“ ein – und das bedeutet für Kaniber auch: „Wir wollen und können gut leben, aber mit dem richtigen Maß, mit dem Blick auf die Endlichkeit unserer Ressourcen.“ Sie verwies auf die heute fast 8 Mrd. Menschen auf unserem Planeten bei einem täglichen Bevölkerungswachstum von fast 270 000 Personen. Auch deshalb sei „ein entschlossenes Umdenken“ und Handeln dringend nötig.

Bäuerinnen fühlen sich zu oft nicht anerkannt

Die Staatsministerin ging auch auf die Ergebnisse der von ihr im Auftrag gegebenen „Bäuerinnenstudie“ ein: Bäuerin sei meist ein Traumberuf (Verbindung von Familie und Beruf, selbstbestimmtes Arbeiten, naturnaher Arbeitsplatz), aber mehrheitlich würden sich die Frauen von der Gesellschaft und den Medien wenig bzw. nicht anerkannt fühlen, die Wertschätzung für die familiäre und berufliche Leistung fehle.

Positiv in der Corona-Krise sei, so die Ministerin, die steigende Bewertung der regionalen Lebensmittel, einer starken Land- und Ernährungswirtschaft und damit der Ernährungssouveränität gewesen. Dies gelte es, über die Corona-Pandemie hinaus zu halten – unter anderem mit einer durchgängigen Regionalstrategie, etwa mit speziellen Regionaltischen, einer auch in Regensburg. „Die Bäuerinnenstudie hat aber auch die hohe Arbeitsbelastung vieler Bäuerinnen, die oftmals geringe Freizeit und den enormen Zeitdruck, deutlich herausgearbeitet“, stellte Kaniber weiter fest. Dem sollen Landfrauen-Foren auf regionaler Ebene entgegenwirken. Handlungsbedarf bestehe ferner bei der sozialen Absicherung (Alter, Pflegebedürftigkeit, Trennung, Berufsunfähigkeit).

Besonders lobte die Ministerin das Landfrauen-Projekt „Landfrauen machen Schule“ mit dem Blick auf Alltagskompetenzen. „Die Landfrauen sind Leistungsträgerinnen im ländlichen Raum, sie können stolz auf sich sein“, zollte die Landwirtschaftsministerin höchste Anerkennung an die Bäuerinnen und verwies auch auf deren starkes ehrenamtliches Engagement. Markus Bauer